Die Kunst zu reflektieren

Die Sonderausstellung „Reflexionen“ im Kunsthistorischen Museum stellt zeitgenössische Fotokunst junger aufstrebender Künstler in den Mittelpunkt. Die Gemäldegalerie und ihre Werke aus vergangenen Zeiten boten die kreativen Impulse für eine spannende Auseinandersetzung: alte Meister, junge Künstler – neu interpretiert im 21. Jahrhundert.

„Was mich zu meiner Serie inspiriert hat, war der Torso eines griechischen Jünglings, vor allem die Reduzierung auf gewisse Körperteile“, beschreibt Almira Avdyli in einem Video die Motivation zu ihrem Werk. Es ist eines von insgesamt elf Werken, die derzeit in Kunsthistorischen Museum in Wien (kurz KHM) ausgestellt sind. „Reflexionen – 11 Zeitgenössische Interpretation alter Meister“ ist ein gemeinsames Projekt zwischen dem Museum und engagierten Absolventen der Graphischen.

Almira Avdylis Triptychon mit dem Titel
I WOULD LIKE TO LOOK LIKE!
© Almira Avdyli

Die Ausstellung hat ihre Wurzeln in einem Schulprojekt zurück, das seit mehr als 30 Jahren Teil der fotografischen Ausbildung an der Graphischen ist. Sich von Werken inspirieren lassen, mit Werken der Vergangenheit auseinandersetzen und Impulse für das eigene kreative Schaffen holen, ist Kern des Projekts „Bilder nach Bildern“. Stephan Zeisler, Kreativdirektor des KHM ist selbst Absolvent des Kollegs für Fotografie. Seine Initiative war es, dass nun unter der Leitung von Wolfgang Vogg, Lehrer für Kunstgeschichte und Mediengestaltung an der Graphischen, das Schulprojekt zu einer Ausstellung weiterentwickelt werden konnte.

Konzepte einer Neuinterpretation

Avdylis Bilder sind ausdrucksstark und intensiv. Rote  Fingernägel, rote Lippen und halbnackte Beine in Strümpfen ziehen die Aufmerksamkeit des Betrachters an sich. Das dritte Bild ist ein Kontrast dazu. Keine Frau, kein sexuelles Objekt. Zu sehen ist nur ein rosa Notizblock mit einer Überschrift die durchgestrichen ist: „Ich“.

 „Es liegt die Thematik der sexuellen Objektivierung in Verbindung mit materieller Selbstdarstellung zu Grunde“

Der künstlerischen Umsetzung waren keine Grenzen gesetzt.  Neben Fine-Art-Print Serien wie jener von Avdyli, erfolgte die fotografische Umsetzung durch Einzelwerke oder auch in Form eines Videos. Die zeitgenössischen Werke zeigen, welch spannende Impulse aus alten Werken gezogen werden und wie grenzenlos kreativ die Umsetzung sein kann.

Dass eine Interpretation eines zweidimensionalen Werks nicht zwingend zweidimensional umgesetzt werden muss, veranschaulicht Peter Grießer mit seiner Neugestaltung von Anthonis van Dyck „Franziskus in Ekstase“:

Der Realitätsanspruch der Kunst

Parmigianinos Selbstbildnis im Konvexspiegel war für Ronja-Elina Kappl besonders inspirierend. Sie setzte ihr Werk mit dem Titel „Objektives Subjekt“  in Form einer Installation um, die aus einem halben Porträt und einem Spiegel besteht. „Wirklichkeit und Wahrnehmung in Bezug auf das Betrachten von Kunst, kann nie getrennt voneinander behandelt werden“, erklärt Kappl im Video zu ihrem Werk.

Die zweite Hälfte der Installation bildet ein Spiegel.
„SUBJEKTIVES OBJEKT“
© Ronja-Elina Kappl

Ira Grünberger nahm sich das Gemälde „Die vier Flüsse des Paradies“ von Rubens als Impuls für ihr Werk. In ihrer Bilderserie widmet sie sich der Bedeutung des Begriffs „Paradies“. Grünberger spricht in ihrem Video über das Werk, über die vielen unterschiedlichen Auslegungen des Begriffs.  Ihre Serie zeige in einem Teil ihre persönliche Interpretation des Begriffs. Der andere Teil widme sich einer belichteten aber noch nicht fertig entwickelten Filmrolle. „Man weiß noch nicht was sich auf den Bildern befindet. Dem Betrachter eröffnet sich die Möglichkeit diese Leerstelle mit der eigenen Vorstellung des Begriffs des Paradies zu füllen.“

Verschmelzung von Fotografie, Kunst und Architektur

Im Gegensatz zu den Werken der anderen Künstler, die vorrangig Personen zeigen, konzentriert sich das Werk von Niko Klotz auf die Architektur. Das Foto, das den Titel „Campus der Moderne“ trägt, ist von einem Gemälde von Hans Vredeman de Vries inspiriert. „Die Innen und Außenräume verschmelzen derart miteinander, dass nicht mehr klar wahrzunehmen ist, wo der Innenraum aufhört und der Außenraum beginnt. Genau auf diesen Aspekt habe ich mich in meiner Interpretation gestützt“, meint der Künstler, dessen Bild den Betrachter hineinzuziehen scheint.

Der Campus der Moderne
© Nilo Klotz

Die Ausstellung beinhaltet insgesamt elf Werke junger Fotokünstler. Als überzeugendste Konzepte wurden sie von einer internationalen Jury  ausgewählt. Die Ausstellung ist noch bis 25.02.2018 im Bassano Saal des KHM zu sehen. Ermäßigte Tickets um EUR 11 gibt es für Studierende und Arbeitslose, der Normalpreis liegt bei EUR 15.

REFLEXIONEN- 11 Zeitgenössische Interpretationen alter Meister
20.9.2017 bis 25.02.2018
Kunsthistorisches Museum Wien
Öffnungszeiten:
Di – So, 10 – 18 Uhr
Do, 10 – 21 Uhr

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