„Es lebe die Freiheit!“

Das Gedenkjahr 2018 lädt ein, wichtiger Meilensteine in unserer Geschichte zu gedenken. Das Stück „Die Weiße Rose“ am Theater der Jugend ist eine gute Gelegenheit.

„Vergesst nicht, dass ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt“ – Lara Sienczak und Felix Strobel spielen die Geschwister Scholl. © Rita Newman

Der eigenen Überzeugung zum Opfer gefallen

„Und wenn keiner was tut? Das alles ist doch passiert, weil keiner was getan hat!“ München, Februar 1943. Die Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ ist fest entschlossen, sich nicht länger schweigend dem System zu fügen. Mit Flugblättern und Aufrufen wie: „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt. Entscheidet Euch, eh es zu spät ist!“, appelliert die Gruppe von Studenten, später auch Professoren und Intellektuellen, an das Gewissen ihrer Mitmenschen, Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu leisten.

Hans und Sophie Scholl kämpften für Freiheit und gegen das NS-Regime und bezahlten mit dem Tod. © Rita Newman

Die zentralen Figuren, die 21-jährige Sophie Scholl und ihr 23-jähriger Bruder Hans, gehen als Symbolfiguren des Widerstandes in die Geschichte ein, nachdem sie am 22. Februar 1943 wegen Hochverrats und Feindbegünstigung hingerichtet werden.

Ein Teil von etwas Großem

Regisseurin Petra Wüllenweber hat dieses historische Ereignis aufgegriffen und in ein Theaterstück verwandelt, das bis 21. März im Theater im Zentrum in seinen Bann zieht – nicht nur Jugendliche. Es sind eineinhalb Stunden, in denen der Zuseher in die Geschichte gerissen und immer wieder mit einbezogen wird, sei es, indem er Mantel oder Schal für die frierenden Männer an der Ostfront herausrückt, oder, indem er Gestapo-Beamten oder Befehlshabern Platz macht. Die Darstellerin der Sophie Scholl, Lara Sienczak, erklärt: „Wir wollen die Leute aus der Komfortzone holen, sie erreichen. Sie sind Teil davon.“ Am liebsten sind ihr dennoch diejenigen im Publikum, die den Anweisungen der Schauspieler nicht blind folgen: „Beeindruckt hat mich ein kleiner Junge, der, während die restliche Schulklasse ganz obrigkeitshörig aufgestanden ist, sitzengeblieben und dem Befehl getrotzt hat“.

Verzweifelt am Nationalsozialismus und daran, ihn nicht aufhalten zu können: Hans Scholl, gespielt von Felix Strobel. © Rita Newman

Das minimalistische Bühnenbild spiegelt die Atmosphäre der Vergangenheit wider. „Die Weiße Rose“ erzählt ohne Pathos und Übertreibung, aber mit enormer Gewichtung ein Stück wahre Geschichte. Nicht nur Lara Sienczak, auch Felix Strobel präsentiert in den Rollen des Hans Scholl und des Fritz Hartnagel seine Wandlungsfähigkeit in Spiel und Sprache, zeigt emotionale Höhen und Tiefen des Krieges und der Hoffnung. „Natürlich braucht dieses Thema viel Beschäftigung und kostet auch Überwindung. Man übersteigt da schon eine innere Grenze, diesen Tod nachzuspielen. Aber letztlich muss es ja Routine werden, klar, um selber gesund zu bleiben. Wir können da ja nicht jeden Abend mental wirklich hingerichtet werden.“

Menschen wachrütteln

„Ich maße mir nicht an, politische Äußerungen zu tätigen“, geht Strobel auf die von Seiten des Publikums oft zu erkennen geglaubten Parallelen im gegenwärtigen Europa ein, „die Sachen, die in dem Stück vorkommen, sind so eindeutig menschenrechtswidrig und generell unwürdig, ich hoffe einfach, dass intelligente Leute da reingehen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Wir müssen einfach aufpassen, dass so etwas nie wieder passiert.“ Seine Kollegin Sienczak knüpft an, darauf angesprochen, wie wichtig es ist, die Vergangenheit aufzubereiten – zum Beispiel in Form von Theater: „Wir wollen nicht auf der Stelle treten, wir wollen uns verbessern. Wir wollen wertschätzen, was wir haben, um es nicht wieder zu verlieren.“ – „Lernen entsteht durch Erfahrung und Erfahrung entsteht durch Geschichte,“ fällt ihr ihr Kollege ins Wort, „also wollen wir, dass die Menschheit was dazugelernt hat. Und unterhalten wollen wir natürlich auch“. – „Wir wollen alles!“, lachen die beiden.

Eine der wichtigsten Botschaften des Stückes ist es wohl, nicht zu lange warten, um aufzustehen. Die Geschwister Scholl erkannten das wahre Gesicht der sich ausbreitenden Gesinnung erst, als es zu spät war. Mit ihren Abschiedsworten: „Es lebe die Freiheit!“, haben sie sich allerdings für immer in unser Gedächtnis gebrannt. Stücke wie „Die Weiße Rose“ erinnern auf ewig an sie.

 

Titelbild: © Rita Newman

Die Weiße Rose
Regie: Petra Wüllenweber
Ort: Theater im Zentrum, Liliengasse 3, 1010 Wien
Aufführungsrechte: Theater der Jugend, Wien
Zeitraum: 09. Januar 2018 - 21. März 2018

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