Jazz made in Austria

Das Kick Jazz Festival bot jungen österreichischen Jazzkünstlern am 18. und 19. Dezember 2017 im Porgy&Bess eine Bühne. Das Festival soll zeigen, was die österreichische Jazzszene zu bieten hat und jungen Musikern zu größerer Bekanntheit verhelfen.

Das Kick Jazz Festival feierte 2016 Premiere und fand nun bereits zum zweiten Mal statt. Die Organisatoren des Festivals, das Porgy&Bess und der Verein mica – music austria, haben dazu auch internationale Booker eingeladen, um auf die österreichischen Talente aufmerksam zu machen. Unter dem Motto „Vorhang auf für die junge österreichische Jazzszene!“ durften an zwei Abenden insgesamt sechs Bands ihr Können unter Beweis stellen.

Am 19. Dezember spielten drei Gruppen im gut besuchten Porgy&Bess: das Klarinetten-Quartett Woody Black 4, das Akkordeon-Duo Dinovski&Schuberth sowie die fünfköpfige Band Luzid Chaos.

Klarinetten in der Hauptrolle

Eröffnet wurde der Abend von dem Klarinettisten-Quartett Woody Black 4, bestehend aus Daniel Moser, Leonhard Skorupa, Stefan Dickbauer und Oscar Antoli. Der Name des Quartetts kommt vom Instrument, denn die Klarinetten sind schwarz und zum Großteil aus Holz gefertigt.

Schon nach wenigen beschwingten Stücken geht die Bassklarinette von einem der Musiker kaputt. Einige Augenblicke später kommt prompt jemand durch das Publikum zur Bühne und reicht ihm ein Ersatzinstrument. „Das nenn ich mal einen Jazzclub!“ zeigt sich Stefan Dickbauer erfreut.

Politische Kunst

Für zwei Nummern wurde das Quartett vom Rapper Jahson The Scientist begleitet. Das erste dieser beiden Stücke, „Woody Black“, ist als Hommage an die Klarinette zu verstehen. Das zweite trägt den Titel „The Fire This Time“ und ist eine Referenz auf das 1963 erschienene Buch „The Fire Next Time“ des afroamerikanischen Autors James Baldwin, das sich mit der Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung in den USA auseinandersetzt. Während die fünf Musiker das Stück vortragen, werden hinter ihnen Szenen von Demonstrationen und Bilder von Ikonen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung an die Wand projiziert.

Nach dem Gastauftritt von Jahson The  Scientist spielte das Quartett wieder alleine weiter, doch es blieb politisch. Die Musiker leisteten sich auch einen Seitenhieb auf die neue österreichische Regierung: Bei einem Stück wurde immer wieder ein Zitat des nunmehrigen Vizekanzlers eingespielt, in dem dieser sich über die „links-linke, rot-grüne Kulturschickeria“ echauffiert.

Wer die Klarinette für ein unscheinbares Instrument hielt, das allenfalls eine Nebenrolle in einer Blasmusikkapelle zu spielen vermag, wurde eines Besseren belehrt: Die vielseitigen Stücke der Klarinettisten begeisterten das jazzaffine Publikum.

„Es hat keinen Sinn mehr, Lieder zu machen“

Nach einer kurzen Pause kamen die nächsten Musiker auf die Bühne: Das Akkordeon-Duo Atanas Dinovski und Paul Schuberth.

Die beiden Akkordeonisten spielten einen abwechslungsreichen Mix von Eigenkompositionen und Stücken aus den verschiedensten Ecken der Welt. Interpretationen von mazedonischen Volksliedern oder argentinischem Tango wurden ebenso zum Besten gegeben wie französische Trinklieder oder ein Stück einer finnischen Akkordeonistin. Die beiden Musiker verwendeten ihr Akkordeon und ihre Stimmen auch als Perkussionsinstrumente und entführten das Publikum auf eine Reise durch die Musikwelt.

Auch Schuberth nutzte die Bühne für ein politisches Statement. Mit Verweis auf die internationalen Gäste im Publikum verlieh er seiner Sorge über die neue Regierung auf Englisch Ausdruck, stimmte daraufhin das „Vorletzte Lied“ von Georg Kreisler an und zeigte, dass er neben dem Spielen auch singen kann.

Luzides Chaos?

Der dritte und letzte Auftritt des Abends gehörte der fünfköpfigen Gruppe Luzid Chaos.

Mit Trompete, Piano, Synthesizer, Bass, Schlagzeug und der mal kräftigen, mal sanften Stimme von Anna Anderluh, forderte die Band die Ohren des Publikums heraus. Experimentell und unruhig, aber mit voller Wucht breitete sich die Musik im Raum aus – der Name war hier Programm.

Der zweite Abend des Kick Jazz Festivals bot in der gemütlichen Atmosphäre des Porgy&Bess einen Einblick in die vielfältige österreichische Jazzszene. Manche der Musiker hielten sich am Tag nach der Angelobung der konservativen Regierung mit politischen Statements nicht zurück – der Fokus des Abends lag aber dennoch auf den progressiven, künstlerischen Seiten Österreichs.

Text: Julia Geistberger
Titelbild: (c) Woody Black 4 /Johanna Bugkel

 

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