Dünger für die Podcast-Wüste

Im Gegensatz zu Deutschland gleicht die Podcast-Landschaft in Österreich einer Wüste. Patrick Swanson und Michael Mayrhofer haben die Szene mit ihrem wöchentlichen Podcast „Was soll das?“ aufgemischt. Am Dienstag waren die beiden bei der „Aufmacher“-Medienrunde zu Gast, um ihre Erfahrungen mit angehenden Podcastern zu teilen.

8.000 Zuhörer hatte die 27. und letzte Folge von „Was soll das?“. Eine Reichweite, mit der Patrick Swanson und Michael Mayrhofer nie gerechnet haben. Eintausend haben sich die beiden beim Start ihres Podcasts im Mai vorgenommen. Trotz des Erfolgs beendeten die beiden ihr Projekt Ende des vergangenen Jahres, denn neben ihren Hauptberufen sei das Podcasten einfach zu zeitaufwendig geworden. Swanson leitet das Social-Media-Team bei der „Zeit im Bild“ und ist Lektor an der FH Wien, Mayrhofer arbeitet bei der Rechercheplattform „Addendum“.

Interessante Menschen statt Berufspolitiker

Unter den Interviewgästen waren auch bekannte Stimmen wie Armin Wolf oder Heinz Fischer. Sie waren aber die Ausnahme, denn „Was soll das?“ wollte ein Erklärpodcast sein, wie Mayrhofer sagt. „Die Gäste sollten Zeit und Platz haben, um sich zu erklären.“ Es ging darum, vor allem junge Menschen mit wenig Medienerfahrung einzuladen, die zu wenig interviewt werden. Um aktive Politiker haben die beiden einen Bogen gemacht. „Ein Experte will zeigen, dass er ein Experte ist. Ein Politiker hat andere Motive“, sagt Swanson.

Zum Podcasten braucht man natürlich zuerst einmal Gäste. Wie man an diese kommt? „Einfach anschreiben“, raten die beiden – ganz egal ob per Instagram, Facebook oder E-Mail. Die Terminvereinbarung sei bei einem Interview-Podcast zwar das Aufwändigste, abgesagt habe aber kaum jemand.

Bei einem Podcast geht es natürlich auch um gute Audioqualität. Deshalb haben die „Was soll das?“-Macher am Anfang 500 Euro in Mikrofone, Mikrofonständer und ein Mischpult investiert. Später kamen noch Ausgaben für mobiles Equipment dazu, weil „Heinz Fischer nicht in unsere Wohnung kommen wollte“, wie Swanson lachend anmerkt.

Bei der ersten Folge haben die beiden gleich viel gelernt. Als sie ihre erste Folge mit dem Datenschutzaktivisten Max Schrems aufnahmen, starteten sie an einem Nachmittag in Mai. Eine Stunde später saßen die drei schweißgetränkt und im Dunkeln in der 35 Grad heißen Dachzimmerwohnung. Warum sie nicht einfach das Fenster geöffnet und das Licht eingeschaltet haben? Man wollte den Podcast eben ungeschnitten veröffentlichen und nicht verfälschen. „Am Anfang waren wir eben perfektionistisch“, sagt Swanson. Später haben die beiden Störgeräusche wie Hustenanfälle herausgeschnitten, inhaltlich aber kaum gekürzt.

Podcasten als Full-Time-Job

Swanson und Mayrhofer betrieben „Was soll das?“ zwar als Hobbyprojekt. Wenn man will, könne man mit Podcasts aber auch Geld verdienen. Für Interviewvorbereitung, Terminsuche, Gespräch und Nachbearbeitung investierten die beiden ungefähr acht Stunden pro Woche. Wenn eine einzelne Person wöchentlich zwei Episoden produzieren würde, wäre man bei einer 40-Stunden-Woche. Mit Werbeeinschaltungen und Spendenaufrufen könnte ein Podcast schon genug Geld zum Leben abwerfen. „Das ist ein Job, den jemand in Österreich machen kann“, resümiert Swanson.

Ob kommerziell oder nicht – die beiden hoffen, dass möglichst viele neue Podcast-Projekte entstehen. „Wenn selbst wir das schaffen, kann es nicht so schwer sein“, geben sie den Anwesenden mit.

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Alle Folgen von „Was soll das?“ zum Nachhören auf Soundcloud

Die „Aufmacher“-Medienrunde auf Facebook

Die Aufmacher-Medienrunde veranstaltet einmal monatlich eine Podiumsdiskussion, um über Medien und Journalismus zu reden – und zwar positiv. Denn die Organisatoren Andreas Sator („Standard“), Christoph Schlemmer (APA) und Bettina Figl („Wiener Zeitung“) haben sich am Journalismusfestival in Perugia kennengelernt, wo positive Stimmung den teilweise schlechten Aussichten in der Branche trotzen. Die gute Atmosphäre wollten sie aus Italien nach Österreich bringen. Inzwischen sind auch Anna Goldenberg („Falter“) und Nora Laufer („Standard“) mit an Bord.

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