Ein Fest für die Zivilcourage

Die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass veranstaltete der Verein am 21. Jänner eine Matinée im Wiener Burgtheater. Die Stars auf der Bühne hießen Kunst, Politik und Zivilcourage.

Zivilcourage unlimited! Unter diesem Motto feierte SOS Mitmensch am Sonntag im Burgtheater das 25-jährige Jubiläum. Die Organisation wurde 1992 als Antwort auf die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Österreich ins Leben gerufen. Eine Handvoll engagierter Menschen gründete damals den Verein SOS Mitmensch und organisierte ein Lichtermeer rund um den Wiener Heldenplatz. Hunderttausende Menschen reisten im Jänner 1993 aus dem ganzen Land an, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Sie machten das Lichtermeer zur größten Kundgebung der Zweiten Republik. Seither ist der Verein SOS Mitmensch gegen Rassismus und für die Wahrung der Menschenrechte aktiv.

25 Jahre später lassen sich mit Fremdenfeindlichkeit Wählerstimmen gewinnen, die Arbeit von Vereinen wie SOS Mitmensch ist noch immer nicht obsolet.  Zivilcourage und der Einsatz für benachteiligte Menschen seien auch heute wichtig, wie die Veranstalter betonen.

Kunst und Zivilcourage

Den 25. Geburtstag feierte die Organisation mit einer Matinée im ausverkauften Burgtheater. Die Schauspielerin Zeynep Buyrac moderierte eine bunte Mischung aus Reden, Lesungen, musikalischen Einlagen und Gesprächen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren. Auch der Bundespräsident schickte Grußworte. Seine Glückwünsche an den Verein:

„Bleiben Sie unbequem, bleiben Sie wachsam, bleiben Sie kämpferisch.“

Das vielfältige Programm enthielt einerseits ernste und mahnende Beiträge. Die Eröffnungsreden der Veranstalter wiesen auf beunruhigende Entwicklungen in der österreichischen Politik hin und warnten vor einer Spaltung der Gesellschaft. Auf der anderen Seite bot die Matinée aber auch viel Unterhaltung und heitere Momente. Künstlerische Beiträge von maschek oder Christoph & Lollo sorgten für Auflockerung zwischen den ernsten Themen. Mit einer ordentlichen Portion Selbstironie schilderte die Autorin Stefanie Sargnagel  ihre persönlichen Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe.  Auch der Menschenrechtsaktivist und Journalist Elias Bierdel erinnerte daran, dass Zivilcourage Spaß machen kann, selbst wenn die Situationen, die sie erfordern, wenig erfreulich sind.

Auszeichnung für Engagement

Im Zuge der Matinee wurde auch der diesjährige Ute-Bock-Preis für Zivilcourage vergeben. Die Namensgeberin des Preises war zwei Tage zuvor verstorben. Ute Bock hat sich bis an ihr Lebensende unermüdlich für Flüchtlinge eingesetzt und hunderte Menschen vor der Obdachlosigkeit bewahrt.

Der Ute-Bock-Preis für Zivilcourage wird seit 1999 von SOS Mitmensch vergeben. Dieses Jahr ging die Auszeichnung an die Holocaust-Überlebenden Helga Feldner-Busztin und Rudolf Gelbard. Die beiden Zeitzeugen setzen sich dafür ein, junge Menschen über die Verbrechen der Nazizeit aufzuklären. Sie selbst wurden als Kinder in das KZ Theresienstadt deportiert. In Schulen und bei Vorträgen mahnen sie immer wieder gegen das Verdrängen und Vergessen. Über Helga Feldner-Busztin, die in jüngeren Jahren als Ärztin tätig war, sagte der Laudator Doron Rabinovici: „Sie ist eine Herzspezialistin, in allen Bedeutungen des Wortes.“

Doron Rabinovici liest die Laudatio für die Ute-Bock-PreisträgerInnen.
©Julia Geistberger

Zum Abschluss der Veranstaltung brachte MoZuluArt das Publikum noch dazu, sich aus den gepolsterten Theatersesseln zu erheben und zu tanzen. Zeynep Buyrac schloss die Matinée mit den Worten, mit denen der Bundespräsident sie eröffnet hatte:  „Bleiben wir unbequem, bleiben wir wachsam, bleiben wir kämpferisch!“

Bilanz aus 25 Jahren SOS Mitmensch
Fotos zur Veranstaltung 
Ute-Bock-Preis für Zivilcourage

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