„Demokratie & Frieden sind keine Selbstverständlichkeit“

Dieses Jahr feiern viele historische Ereignisse ein rundes Jubiläum. Um diesen Ereignissen angemessen zu gedenken, wurde das Projekt „Österreich 100“ unter der Leitung von Alt-Bundespräsident Heinz Fischer ins Leben gerufen. Von Jänner bis Dezember finden darum vom Bodensee bis zum Neusiedlersee Veranstaltungen statt. Den Auftakt vollzog Heinz Fischer mit einer Eröffnungsrede am 11. Jänner im Wiener Rathaus.

In erster Linie befasst sich das Gedenkprojekt Österreich 100 mit der Republikgründung von 1918. Im Fokus steht die Auseinandersetzung mit der Demokratie an sich. Heinz Fischer betonte in seiner Rede, sie nicht als selbstverständlich zu erachten. Es sei wichtig, die Demokratie wert zu schätzen und auf entgegen gerichtete Entwicklungen zu achten.
Das Gedenkjahr 2018 beschäftigt sich mit weiteren, markanten Ereignissen. Besondere Aufmerksamkeit bekommt der Anschluss Österreichs an das Nazi-Regime 1938, dessen Folgen das Land bis heute einholen. Man bedenke die jüngste Affäre bezüglich des Nazi-Liederbuches der Burschenschaft „Germania“ in Wiener Neustadt.
Aber auch andere Ereignisse, wie der Beschluss der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948, sowie der Prager Frühling 1968 erhalten im Rahmen des Gedenkjahres gebührende Aufmerksamkeit.

Von links: Heinz Fischer, Renata Schmidtkunz, Jan Piskorski & Christa Hämmerle (c) Paul Pibernig

Trotz der Feierlichkeiten: Umgang mit einem schweren Erbe
Die Auftaktveranstaltung, die im Rahmen der Wiener Vorlesungen am 11. Jänner stattfand, besuchten zahlreiche Menschen. Fischer widmete sich sehr stark dem Thema Nationalsozialismus in Österreich. Er brachte ein Zitat von Adolf Hitler ein, der 1938 versprach „aus Wien eine neue Perle“ zu machen. Was aus dieser „neuen Perle“ wurde, war spätestens im Mai 1945 ersichtlich, als Wien völlig zerbombt war und viele seiner BürgerInnen verzweifelt in Luftschutzkellern saßen oder es gar nicht mehr dorthin geschafft hatten.
Nach Fischer hielt der polnische Zeithistoriker Jan Piskorski einen kurzen Vortrag, in dem er die vielschichtigen Entwicklungen Europas der letzten Jahrhunderte beleuchtete. Anschließend gab es noch eine Diskussionsrunde zwischen den beiden Herren und der Historikerin Christa Hämmerle (Uni Wien), die von Renate Schmidtkunz (Ö1) moderiert wurde.

Zukunftsperspektiven aus der Rückschau
Sowohl bei der Eröffnung, als auch bei den kommenden Veranstaltungen stehen Zukunftsperspektiven ebenso im Blickfeld, wie die Rückblicke.
Zeithistoriker Piskorski erwähnte zum Beispiel, dass die Demokratie Erneuerungen und Weiterentwicklungen benötige, um nicht rückständig zu werden. Fischer betonte mehrmals das Bekenntnis zur Europäischen Union. Ein solidarischer Interessenaustausch untereinander sei das Wichtigste, um Europa voranzubringen. Wenn sich Europa weiterentwickle, so würde sich das auch auf die Mitgliedsstaaten auswirken und umgekehrt.
Vor allem aber müsse man aus der Geschichte lernen, um Gefahren und Missstände, die der Demokratie und den Menschenrechten schaden, vorzeitig zu erkennen. Fischer plädierte für einen kritischen Rationalismus, anstelle eines unkritischen Populismus.

Der Festsaal im Wiener Rathaus (c) Paul Pibernig

Ein Jahr voller Events
Um diesen verschiedenen Themen ausreichend Ausdruck zu verschaffen, wird es in diesem Jahr eine Vielzahl an Veranstaltungen geben. Neben Vortragsreihen und Diskussionsrunden sind auch zahlreiche künstlerische und kulturelle Auseinandersetzungen zu erwarten. Ein Höhepunkt wird die Eröffnung vom „Haus der Geschichte Österreich“ im November sein, das wie Fischer sagte „ein Geschenk der Republik an sich selbst“ sei.
Österreich 100 führt eine Homepage und eine Facebook-Seite. Dort kann man sich über aktuelle Veranstaltungen informieren. Auf der Homepage gibt es zudem die Möglichkeit einen Newsletter zu abonnieren.

Gemeinsam individuell
Vergangenheit und Geschichte sind zwei unterschiedliche Dinge. Vergangenheit meint das tatsächlich und statisch Zurückliegende, während Geschichte unser Wissen über diese Vergangenheit beschreibt. Geschichte ist somit ein dynamischer Prozess und eine Verflechtung von individuellen und kollektiven Erinnerungsversionen. Eine solidarische Wechselwirkung von Pluralität und Einigkeit ist wünschenswert.
Österreich 100 tut sein Bestes.

 

100 Jahre Republik Österreich 

Vorwort von Heinz Fischer: www.oesterreich100.at/vorwort

Kontakt - Österreich 100: 
Bundeskanzleramt
Geschäftsstelle des Beirates für das Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018
Telefon: +43 1 53 115-204201
E-Mail: post@geschichte.gv.at

Kontakt - Wiener Vorlesungen: 
MA 7 - Kulturabteilung der Stadt Wien
Wiener Vorlesungen
Friedrich-Schmidt-Platz 5, 1082 Wien
Email: post@vorlesungen.wien.at
www.wienervorlesungen.at
Titelbild: Wiener Vorlesungen "Demokratie in Österreich" (c) Viktoria Tatschl

 

Schreibe einen Kommentar