Swing like it’s hot!

Locker, lustig, Lindy Hop. Jeden Montag Abend verwandelt sich das Lokal Fania Live in einen New Yorker Ballsaal der 1930er-
Jahre. Zumindest musikalisch und tänzerisch. Von Anfänger bis Fortgeschrittene, bei der „Monday Mess Around“ Party trifft sich die Wiener Lindy Hop Szene.

Aus dem verrauchten Lokal dröhnen Trompetenklänge. Es ist Swing Musik, die die ersten Gäste des Abends „willkommen heißt“. Zuerst ein Glas Wein an der Bar, dann Stiefel ausziehen und in die Tanzschuhe schlüpfen. Ein Ablauf, dem viele der Besucher des Socials folgen. Socials – das sind Lindy Hop Parties wie diese.

Das Fania Live © Ada Shagowski

Hop around the clock tonight
Lindy Hop ist ein Partnertanz, der Ende der 1920er-Jahre in den New Yorker Ballsälen zur Musik der Big Bands entstanden ist. Jazz entwickelte sich zu Swing und aus Charleston, gemischt mit Tanzelementen von Stepptanz über westafrikanische Tänze, wurde Lindy Hop. In der Zwischenkriegszeit geriet der ursprüngliche Swing-Tanz in Vergessenheit. Als Vorläufer von Boogie-Woogie und akrobatischem Rock ’n’ Roll beeinflusste er dennoch nachhaltig die Tanzszene. Erst in den 1980er-Jahren wurde der vergessener Tanz-Schatz wiederentdeckt. Besonders in Europa erfreut er sich seither an Beliebtheit. Seit 2005 steigt die Zahl der Tänzer weltweit und  in den westlich geprägten Großstädten entstanden eigene Communities.

Lindy Hop auf Wienerisch
Auch in Wien hat der Tanz Anhänger gefunden. In den letzten Jahren ist das Angebot an Lindy Hop Kursen und Socials gestiegen. Dazu hat unter anderem die Interessengemeinschaft, IG HOP beigetragen. Sie gehört zum festen Bestandteil der Lindy Hop Szene und veranstaltet nicht nur Lindy Hop-Kurse und -workshops, sondern richtet auch wöchentliche Events wie das im Fania Live aus.

„Jedes Jahr, am Ende der Sommer Veranstaltungsreihe Fruity Hop im Volksgarten Pavillon, waren wir sehr zerknirscht darüber unser Wohnzimmer aufgeben zu müssen.“, erklärt Ada Shagowski.

Ada ist Tanzlehrerin bei der IG HOP und Hauptorganisatorin der „Monday Mess Around“ Party. 
„Wir haben beschlossen eine Ausweichmöglichkeit für kältere Monate zu finden. Kurz darauf hat sich das Gürtellokal Fania Live angeboten, mit dem wir seit November 2015 sehr erfolgreich zusammenarbeiten.“, erzählt sie. Mit Tanzspielen, Live-Musik und Schnupperkursen hat die IG dafür gesorgt, dass dieses Social zu ihrem „Zuhause“ wird.

Live Musik bei der „Monday Mess Around Party“ im Fania © Ada Shagowski

Darf ich bitten?
Die Tanzfläche des Fania Lives ist voll. Kleider und Röcke schwingen im Takt zur Musik. Paare wirbeln über die Tanzfläche. Plötzlich verstummen die Trompetenklänge und  werden durch  Saxophonmusik ersetzt. Blitzschnell verlässt ein Teil der Paare die Tanzfläche. Sie werden von anderen Tänzer, die zuvor am Rand der Tanzfläche standen, abgelöst. Männer und Frauen laufen und hüpfen auf die Tanzfläche. Dann formieren sie sich. Aus dem chaotisch wirkendem Gewusel entsteht eine Choreografie.
Es gibt Lieder, zu denen es einen ganz bestimmten Tanz gibt. Wenn das Lied gespielt wird, laufen alle die den Tanz können auf die Tanzfläche. Die anderen müssen sie verlassen“, erklärt eine Zuseherin die das Treiben beobachtet.

Lindy Hop Choreografie im Fania Live © Johanna Hirzberger


Lindy Hop ist Lebensgefühl
Für Tanz-Neulinge sind Socials wie das im Fania Live wichtig, um Routine zu gewinnen. „Man darf sich nicht schämen. Es ist wichtig, dass man so früh wie möglich zu Socials geht“, verrät Blanca, die mit einem Glas Weißwein auf einem Stuhl am Rand der Tanzfläche sitzt. Sie ist Spanierin und tanzt bereits seit fünf Jahren. Lindy Hop ist ihrer Meinung nach ein ideales Hobby um überall auf der Welt Menschen kennen zu lernen und sich schneller zu Hause zu fühlen. Einer von Blancas Tanzfreunden, die sie über Lindy Hop in Wien kennengelernt hat, ist Ferdinand. Nach vier Tänzen in Folge verlässt er die Tanzfläche, stellt sich zu Blanca und nimmt einen großen Schluck von seinem Bier. „In der Regel tanze ich drei Mal in der Woche. Aber ich mach auch anderen Sport“, erklärt er während die Schweißperlen von seiner Stirn entlang seiner Schläfe rinnen.

„Es bereitet mir so viel Freude. Egal wie schlecht es mir geht, nachdem ich beim Tanzen war geht’s mir immer gut.“ – Ferdinand ein Tänzer.

Spontanität und Improvisation sind bei Lindy Hop gefragt. Die Tänzer lassen sich auf die fröhliche Musik ein. Es ist eine Symbiose aus Intuition und Erfahrung. Anfänger werden herzlich in die Lindy Hop Community aufgenommen, allerdings sollte man entweder einen Kurs besuchen oder besucht haben. Sonst kann es schnell eng auf der Tanzfläche werden.

 

Hier gibt es Infos zu den Tanzkursen der IG HOP. Die nächsten Kurse beginnen im Februar.