„Ich will etwas Dummes tun!“

Ob Leni Freude am Cello Spielen, am Mnemotechnik-Kurs oder dem Orientierungslauf hat, kann sie gar nicht mehr sagen. Sie will nur die Beste sein. Sie muss. Und wäre da nicht Dumpfbacke, wäre das auch alles kein Problem. Von 26.-28. Jänner machte der Dschungel Wien mit „Dumpfbacke“ auf den Leistungsdruck unserer Gesellschaft aufmerksam. Ein Stück ab sechs Jahren, das nicht nur Kinder zum Nachdenken anregt.

„Staubaufwirbler“, so nennen sich Wesen wie Dumpfbacke. Sie stehen für das Spielerische, das Rebellische, für Spaß und Unordnung. Eigentlich habe jeder Mensch einen solchen Staubaufwirbler, erklärt Regisseur Stephan Witzlinger. Im Laufe des Erwachsenwerdens gehen sie jedoch verloren – stattdessen werden wir von Regeln und Leistungsdruck getrieben.

Die Protagonistin Leni (Paula Fraunbaum) ist gerade umgezogen und hat neben Schule und zahlreichen Nachmittagsaktivitäten kaum noch Freizeit. Während sie versucht, alles unter einen Hut zu bringen, mischt Dumpfbacke (Richard Schmetterer) Lenis Alltag mit seinen Blödeleien auf. Denn für alle anderen ist der Staubaufwirbler unsichtbar und seine Stimme klingt für sie wie Lenis. Angefangen mit aufmüpfigen Antworten ihrer Mama (Alexandra Ava Koch) gegenüber, lässt Dumpfbacke das Mädchen auch in der Schule frecher werden, bis Leni sich sogar mit dem Mitschüler Ben (Johannes Brandweiner) prügelt.

Leni (Paula Fraunbaum) hat Ärger mit Dumpfbacke (hier: Franz Quitt, Premierenbesetzung) © Rainer Berson

Aufgebrochen wird die Handlung zwischendurch von Siegbert (Iris Schmid) und Friedbert (Stephan Witzlinger) – zwei weiteren Staubaufwirblern. Mit Gebrabbel aus rhythmischem Nonsens zaubern sie gleichermaßen Lächeln als auch Fragezeichen in die Gesichter des Publikums.

Multifunktional – Multifiktional

Vier würfelförmige Holzkisten, ein Bett und ein Vorhang. Mehr braucht es an Bühnenbild nicht, um die Welt von Leni und Dumpfbacke zu erschaffen. Dynamisch gehen die Szenen ineinander über –  gerade waren die vier Kisten noch Schulsessel, bilden sie gestapelt schon wieder einen Schrank in Lenis Zimmer. Das Zusammenspiel mit Licht- und Soundeffekten versetzt die Zuseher sofort ins jeweilige Setting. Das Konzept dazu entwickelte Witzlinger zusammen mit Markus Schabbing.


Du bist ein Gummlplotz!

Ein Highlight sind die farbigen Post-Its, die ganz vorne am Bühnenrand kleben. Auf jedem steht ein Wort, das die Zuseher vor Beginn der Vorstellung darauf kritzeln konnten. Immer wieder holen sich die Darsteller eines der bunten Zettelchen und bauen das darauf stehende Wort in den Spieltext ein. Geschummelt wird dabei nicht. „Das muss man dann durchziehen. Wenn man den Kindern sagt, ‚Schreib drauf, was du hören willst!‘, dann soll das auch kommen“, erklärt Witzlinger. So wird neben „Du bist ein Gummlplotz!“ auch mal „Das ist ja ganz Sebastian Kurz!“ von der Bühne gerufen.

Doppelt gemoppelt

Das Stück ist eine Produktion des Theater foXXfire! und war an diesem Wochenende bereits in der zweiten Wiederaufnahme im Dschungel Wien zu sehen. Während in der Premierenfassung von März/April 2017 foXXfire! Obmann Richard Schmetterer als Friedbert zu sehen war, schlüpfte er dieses Mal in die Titelrolle. Für Regisseur Witzlinger wurde der Besetzungswechsel zur doppelten Herausforderung, da er selbst nun die Rolle des Friedberts übernahm. „Das war ganz komisch, das habe ich noch nie gemacht. Ich habe es ja Millionen Mal gesehen bei der Entwicklung, aber dann selber zu spielen, war sehr sehr komisch“, so Witzlinger.

Schlicht aber effektiv: Vier Kisten bilden Stühle, die Schulglocke übernimmt Lehrerin Alexandra Ava Koch selbst mit einem lauten „Drrrrr!“. © Rainer Berson

Mehrfach im Einsatz ist auch Autorin Alexandra Ava Koch, die selbst als Darstellerin in den Rollen der Mutter, Lehrerin und Psychologin zu sehen war. Die direkte Zusammenarbeit mit der Autorin beschreibt Witzlinger positiv:

Ich hatte ein bisschen Bedenken im Vorfeld, aber vom ersten Probentag an war sie Schauspielerin. Ich konnte mit ihr über alles reden. Textänderungen hat sie einfach akzeptiert und nicht als Autorin darauf gepocht.

Veränderung kann manchmal weh tun

Während sich Leni anfangs über den Staubaufwirbler ärgert, haben die beiden bald viel Spaß miteinander, bis das Mädchen sogar von sich aus beschließt: „Ich will etwas Dummes tun!“ Je mehr Leni jedoch Dumpfbacke akzeptiert und ihre Meinung offen sagt, desto klarer wird, dass der Staubaufwirbler sie verlassen muss. „Veränderung kann manchmal weh tun“, lernt Leni.

Im Dezember 2018 ist Witzlingers Inszenierung von „Alice im Wunderland“ als Weihnachtsproduktion des Dschungel Wien zu sehen. Auch Schmetterer ist dabei wieder Teil der Besetzung.

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