„Mein Nestroy steht neben dem Bügeleisen“

Felix Hafner hat es geschafft. Oder zumindest scheint es, dass es nichts gibt, was der Steirer nicht kann. Mit 24 wird er jüngster Regisseur am Wiener Volkstheater, auf der Hauptbühne inszeniert er Molières „Der Menschenfeind“, ein Jahr später dann der Nestroy-Preis. Eine Erfolgsgeschichte. Warum er nicht mit Sebastian Kurz verglichen werden will, erklärt er im Interview.

FH: Noch so jung, und schon so erfolgreich. Dasselbe sagt man über Sebastian Kurz.

Felix Hafner: Ich hoffe ja, dass ich meine Position nicht nur spiele, sondern sie auch tatsächlich erfülle. Kurz tut so als wäre er Politiker, in Wirklichkeit führt er uns an der Nase herum. Das mache ich nicht.

FH: Politische Äußerungen am Theater. Geht das?

Felix Hafner: Das geht, noch. Im Moment gilt: Jeder kann sagen, was er will. Die Gedanken sind frei, trotzdem trägt man Verantwortung. Ich weiß, dass ich in der Öffentlichkeit stehe und ich Wege finden muss, um mich auszudrücken. Vieles wird sich ändern. Die neue Regierung hat Pläne für die Theater- und Kulturszene – die sind nicht schön.

FH: Setzen Sie mit Ihren Stücken ein Zeichen dagegen?

Felix Hafner: Es ist eine Illusion, dass auf Inszenierungen politische Konsequenzen folgen. Die Menschen, die meine Stücke besuchen, sollen denken: „Was könnte er damit gemeint haben?“ Wenn das passiert, habe ich schon ein großes Ziel erreicht. Ich lasse Dinge offen, meine Haltung möchte ich aber auch nicht verschweigen.

FH: Am Samstag wurde Ihre Dramatisierung von Joseph Roths „Die Flucht ohne Ende“ in St. Pölten uraufgeführt. Auf der Bühne sieht man eine Welt, die auseinanderbricht. Und einen Protagonisten, der sucht, wo es nichts mehr zu finden gibt.

Felix Hafner: Ja, das stimmt. Ich beschäftige mich schon länger mit der Zwischenkriegszeit. Vieles, was Roth geschrieben hat, war sehr prophetisch. Der Nationalismus hat Europa in Trümmern zurückgelassen. Das muss auch die Hauptfigur lernen. Egal, wohin er geht – da ist nichts mehr. Er findet keinen Halt. Ich habe versucht, einen Zustand zu schildern, den ich heute wiedererkenne.

FH: Sie haben am Max Reinhardt Seminar in Wien Regie studiert. Dann folgte der erste Auftrag am Volkstheater, bald darauf kam der nächste und der übernächste. War das geplant?

Felix Hafner: Ich hatte viel Glück. Hätte mir jemand vor zwei Jahren gesagt, dass ich 2017 einen Nestroy-Preis gewinne für ein Stück, das ich am Volkstheater aufgeführt habe, ich hätte geantwortet: Bist du deppert!

FH: Und dann hält man den Nestroy in Händen und denkt?

Felix Hafner: Das, was jeder über Preise denkt: Es ist schön, sie zu kriegen. Wenn Preise dotiert sind – und das ist der Nestroy nicht – ist das eine große Hilfestellung, vor allem für freischaffende Künstler. Der Nestroy ist für den Lebenslauf. Es war ein toller Moment. Jetzt steht er in meinem Zimmer neben dem Bügeleisen und ich weiß nicht recht, wohin damit.

FH: Wissen Sie, wohin mit Ihnen?

Felix Hafner: Im Februar starten die Proben für Huxleys „Schöne neue Welt“ am Münchner Volkstheater. Das ist ein großer Schritt weg von dem Stempel, den man mir im Moment vielleicht geben möchte. Ich bin sicher nicht der junge Österreicher, der nur österreichische Sachen macht.

FH: Wann gibt es die nächste Lesung von Germany’s Next Topmodel?

Felix Hafner: Wenn ich wieder nach Wien komme.

Zur Person:
Felix Hafner (25) wurde in Maria Lankowitz geboren. Nach der Schule in Deutschlandsberg studierte er Regie am Max Reinhardt Seminar in Wien. 2017 wurde er mit dem Nestroy-Preis in der Kategorie Bester Nachwuchs männlich als Regisseur für Der Menschenfeind ausgezeichnet. Am Volkstheater inszenierte er auch A Tribute to Germany´s Next Topmodel – Eine szenische Lesung.

Titelbild: APA/Hans Punz

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