Fassade des Hauptgebäudes der Universität Wien.

23.000 Studenten müssen künftig Gebühren zahlen

Erwerbstätige Studenten müssen ab Herbst für ihre Studien zahlen. Schuld ist das Auslaufen eines Gesetzes, das sie bisher von Gebühren befreite. Das ist Manchen ein Dorn im Auge – Andere finden das nur fair.


Wer als Student über 5683,72 Euro im Jahr verdient, muss ab dem kommenden Wintersemester für das Studium zahlen. Das betrifft österreichweit rund 23.000 Studenten, die bisher gesetzlich auch nach zwei Toleranzsemstern noch von Studiengebühren befreit waren. Ab Herbst kostet sie jedes Semester gut 360 Euro.

Alina* ist eine dieser 23.000. Sie hat 2013 ihr Bachelorstudium in Politikwissenschaft begonnen. Damit liegt sie schon jetzt über der Toleranzgrenze von sechs plus zwei Semestern. Neben dem Studium arbeitet sie sich als Kellnerin „den Hintern wund“, wie sie sagt. Wodurch auch ihr Einkommen über der Toleranzgrenze liegt.

Ihr Studium muss Alina jetzt abbrechen. Durch ihr Zweitstudium an einer Fachhochschule zahlt sie ohnehin schon jedes Semester Studiengebühren. Diese Summe mal zwei würde es ihr unmöglich machen, das Bachelor-Studium weiterzuführen.

Bei Felix*, einem Publizistik-Studenten, der ebenfalls kurz vor dem neunten Semester steht, ist die Situation anders. Er zahlt schon seit einem Jahr Studiengebühren, durch einen neuen Job würde er in der derzeitigen Gesetzesregelung also nun davon befreit werden. Sein Studium wird er, auch nach dem Auslaufen dieser Regelung, dennoch beibehalten. „Ich werde versuchen, mehr zu arbeiten“, sagt er. Für ihn ist die Gebühr eher eine Motivation als ein Hindernis: „Ich will ja nicht ewig zahlen“, sagt Felix.

Studenten im großen Lesesaal der Hauptuniversität Wien. Lizenz: gemeinfrei.
Für manche der Studenten, die nach dem Lernen in der Hauptbibliothek noch arbeiten müssen, kommen finanziell schwierige Zeiten.

Keine Reparatur des Paragraphen

Hintergrund der Änderungen, ist eine gesetzliche Regelung, die mit Juni 2018 auslaufen wird. Nachdem der Verfassungsgerichtshof im Dezember 2016 den Paragrafen 92, Absatz 1, Ziffer 5 des Universitätsgesetzes (UG 02) wegen Gleichheitswidrigkeit aufgehoben hatte, bekam das Bildungsministerium die Gelegenheit, den Paragraphen zu reparieren. Und hat sich dagegen entschieden.

„Mit dieser Maßnahme wird nicht auf erwerbstätige Studierende abgezielt, sondern eine Ungleichheit zwischen erwerbstätigen und nicht erwerbstätigen Studierenden repariert“, sagte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) dazu zur APA.

Diese Argumentation will Alina nicht gelten lassen. „Die, die arbeiten, um sich ihr Studium leisten zu können, müssen nun aufhören, um sich ihr Leben leisten zu können“, sagt sie. Für sie sei die Kürzung von Sozialleistungen keine Form der Gerechtigkeit. Felix hingegen findet es nicht ungerecht, dass er sein Studium weiterhin zahlen muss. „Ich bin ja quasi selber schuld“, sagt er.

*Namen von der Redaktion geändert

Beitragsbild: © Bwag/CC-BY-SA-4.0