Der Krieg mit den Molchen

Ein Stück tschechischer Kultur

Wer denkt, Figurentheater wäre reine Kindersache, irrt. Die Inszenierung von „Der Krieg mit den Molchen“ am Wiener Schubert Theater beweist das Gegenteil. Auf unterhaltsame Weise erzählt das Stück eine düstere Parabel über den Verfall der Menschheit. Erstmals aufgeführt wurde die Eigenproduktion des Ensembles am 19. Jänner – zu sehen ist sie vorerst noch bis Ende Februar.

„Der Krieg mit den Molchen“ basiert auf dem gleichnamigen Satire-Roman des tschechischen Schriftstellers Karel Capek aus dem Jahre 1936. Thematisch ist das Stück dennoch brandaktuell: Es handelt von wüster Zerstörung der Umwelt zugunsten des Kapitalismus, strategischer Ausbeutung billiger Arbeitskräfte und dem ewigen Streben nach maximalem Gewinn.

Die Inszenierung ist Teil der 11. Theatersaison des Schubert Theaters mit dem Themenschwerpunkt Literatur. Märchen, zeitgenössische Literatur, aber auch Klassiker wie „Faust“ stehen dabei auf dem Spielplan. Mit „Der Krieg mit den Molchen“ bringt das Ensemble unter der Regie von Martina Gredler auch ein weniger bekanntes Werk auf die Bühne.

Molche zu Geld machen

Auf einer abgelegenen Insel nahe Sumatra, entdeckt Kapitän van Toch, gespielt von Aleksandra Corovic, eine bisher unbekannte Molchart. Der Kapitän erkennt seine Chance „big business“ zu machen und geht mit den intelligenten Tierchen ein Tauschgeschäft ein: Er liefert den Molchen Messer zur Verteidigung gegen Haie, im Gegenzug tauchen die Tiere für den Kapitän nach Perlen. Gemeinsam mit dem Geschäftsmann Bondy, gespielt von Christoph Hackenberg, weitet er das Perlengeschäft auch auf andere Inseln aus.

Der Geschäftsmann Bondy berät sich mit seinen Aktionären © Barbara Pálffy

Doch die wirtschaftliche Prognose für den Perlenmarkt ist düster: Perlen sind nun überall verfügbar und interessieren niemanden mehr. Der Geschäftsmann Bondy sucht gemeinsam mit seinen Aktionären nach einer erträglicheren Beschäftigung für die Molche. „Finden Sie nicht auch, dass jeder Molch einen gewissen Wert repräsentiert? Den Wert einer Arbeitskraft, die nur darauf wartet ausgenützt zu werden?“, fragt der Geschäftsmann seine Aktionäre, die eifrig zustimmen.

Einem Molch begegnet Bondy in seiner ganzen Geschäftszeit nicht: „Ich weiß nicht was ein Molch ist, ich kenn nur seinen Preis!“. Inzwischen verkauft sein Unternehmen Millionen Molche als billige Arbeitskräfte. Während Bondy neue Geschäftsmodelle entwickelt, entwickeln sich jedoch auch die intelligenten Tierchen weiter. Schließlich werden sie ihren Ausbeutern zur Gefahr: „Ihr habt uns gemacht, jetzt müsst ihr mit uns rechnen!“, verkündet ein Molch über das Radio und leitet einen düsteren Stimmungswechsel auf der Bühne ein.

Ein Molch wird von einem Menschen mit Maske gehalten
Ein Molch kündigt den Menschen Widerstand an © Barbara Pálffy

Abseits der Handlung

Durch ihre Puppenspieler erwachen die kunstvollen Figuren, gefertigt von Christoph Bochdansky, zum Leben. Die Puppen der Hauptfiguren bestehen aus Kopf, Hals und Rumpf und sind den Puppenspielern an den Körper gegurtet. Dadurch haben sie freie Hand, um Arme und Mund der Puppen zu bewegen. Die Mimik der Puppenspieler vermittelt Emotionen und ihre Beine werden zu den Beinen der Figuren.

Die Zeit bis zum Vorstellungsbeginn können sich die Besucher bei einer kleinen Ausstellung im Foyer vertreiben. Dort liefern Poster und Fotos Hintergrundwissen zum Leben des Autors Karel Capek und dem historischen Kontext seiner literarischen Werke.

Mitveranstaltet wird „Der Krieg mit den Molchen“ vom Tschechischen Zentrum Wien. Im Auftrag des tschechischen Außenministeriums vermittelt das Institut tschechische Kultur in Österreich. Neben Theaterinszenierungen organisiert das Tschechische Zentrum auch Ausstellungen, Filmvorführungen und Sprachkurse.

 

 

Titelbild: © Barbara Pálffy

Weiter Informationen:

Schubert Theater
Währingerstraße 46
1090 Wien

Der Krieg mit den Molchen
Spieltermine: 18.01.,19.01., 20.01. 27.01., 28.01., 30.01., 25.02., 26.02. und 27.02 – weitere Vorstellungen im April
Vorstellungsbeginn: 19:30

Kartenpreis: 22€ – Ein limitiertes Kontingent ermäßigter Karten (5€ und 10€) ist online Verfügbar.