Die oberösterreichische Band Insört präsentierten sich auf der Bühne in Kostümen. (C)Gerold Stocker

„Alle Regeln sind scheiße“

Der Protestsongcontest 2018 sucht dein Protestlied. Weil dagegen sein wichtiger denn je ist“, mit diesen Worten wurde der 15. FM4-Protestsongcontest auf der Seite des Radiosenders eingeleitet. Am 26. Jänner ging das Halbfinale über die Bühne. Von Rock, über Rap, bis hin zu Liedern über Scheiden (das weibliche Geschlechtsorgan, nicht die eheliche Trennung) war – musikalisch zumindest – alles dabei.

Jede Zeit hat ihre Proteste. So heißt es zumindest. Man kann aber auch kaum verleugnen, dass die Protestliederkultur ihren Höhepunkt in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte. Der österreichische Radiosender FM4 versucht deshalb zum mittlerweile  15. Mal, das – wenigstens für Österreich – zu ändern. Wie jedes Jahr gab es einen „Call to Songs“ in dem Musiker aufgefordert wurden, ihre Protestlieder einzureichen. Begrenzungen gibt es keine, erlaubt ist alles, wogegen man protestieren kann. Sei es eine politische Einstellung, Sexismus oder einfach nur, dass der 11A wiedermal viel zu spät kommt. Das wurde zwar nicht angesprochen, wäre aber theoretisch möglich.

Über 200 Lieder wurden dieses Jahr eingereicht, die besten 25 wurden dann am 26. Jänner im Halbfinale im „Haus der Begegnung“ von den Interpreten vorgetragen. Zumindest in der Theorie, praktisch tauchten dann zwei Künstler nicht auf. Ihre Protestsongs wurden daher kurzerhand vor leerer Bühne eingespielt.

Bereits zum 14. Mal zuscht FM4 das beste Protestlied. (C)FM4
Bereits zum 14. Mal sucht FM4 das beste Protestlied. (C)FM4

Regierung, Sexismus und Afrika

Man kann ja gegen alles sein, auffallend war allerdings die überdurchschnittliche Präsenz der Regierung in den Texten der Sänger. Gleich sieben Lieder beschäftigten sich mit der frisch gebackenen Regierung. Sechs kritisieren entweder direkt oder indirekt den „globalen Kapitalismus“ oder die Zustände in Afrika, für die die Konzerne und die menschliche Gier verantwortlich seien. Abgesehen davon gab es auch musikalische Kommentare gegen Social-Media und die generelle zunehmende Politikverdrossenheit. Das Duo Lupin kritisierte in ironischer Weise den täglichen Sexismus dem Frauen ausgesetzt seien und die Band Gomax war der Meinung das grundsätzlich „alle Regeln scheiße“ seien.

„Es liegt an meiner Scheide.” – Refrain des Duos Lupin

Das Auftreten der Musiker war auch so unterschiedlich, wie die Thematiken der Lieder. Da saß man einmal mit seiner Wandergitarre auf einem Stuhl, ein anderes Mal wurde halbplayback zum selbstgemachten Tape gerappt und die oberösterreichische Band Insört kamen kostümiert als Alien, Superheld, Skelett und Hippie auf die Bühne.

Am Ende des Abend wählte die dreiköpfige Jury dann ihre zehn Favoriten ganz Contest mäßig eine Runde weiter und damit ins Finale. Das findet wie jedes Jahr am 12. Februar im Wiener Rabenhoftheater statt. Um 20 Uhr wird da wieder versucht, den besten Protestsong zu finden. Bis nächstes Jahr halt.

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