Der „Robin Hood der Gebührenzahler“ erobert die Bühnen

Reportage und Kabarett sind zwei Sachen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein Kabarettist hat es geschafft beides zu verbinden. Peter Klien, der Schrecken der Politiker und Stars, zieht seit November im Rabenhof Theater im dritten Wiener Gemeindebezirk Bilanz über knapp zwei Jahre als Reporter für die ORF-Late Night Show „Willkommen Österreich“.

Peter Klien wird im Off spektakulär von den Comedy-Kollegen Stermann und Grissemann angekündigt wie ein Schwergewichtsboxer in einem Millionen-Dollar-Kampf. Klien betritt dann die Bühne unter Applaus und setzt sich in sein sehr minimalistisch eingerichtetes Büro. Ein Schreibtisch, ein Flachmann und eine Zimmerpflanze aus Plastik reichen da völlig aus. Der „Robin Hood der Gebührenzahler“, wie er sich selbst nennt, gibt den BesucherInnen einen Einblick hinter die Kulissen seiner unzähligen Reportagen. Die Berichte werden auf einer Leinwand projiziert und anschließend von ihm kommentiert. Die Bühne wird währenddessen in den Farben der Partei beleuchtet, über die er dann gemeinsame Erlebnisse erzählt. Das Prinzip der Objektivität ist für Klien sehr heilig: Er behandelt alle Parteien gleich schlecht.

Peter Klien auf der Bühne (c) Souha Khemiri

Der Jedi-Ritter der Berichterstattung

Bewaffnet mit dem „Lichtschwert des österreichischen Journalismus“ (damit ist das ORF-Mikro gemeint), zieht er als „Jedi-Ritter“ von Parteitag zu Parteitag, von einer Wahlkampfveranstaltung zur nächsten bis hin zum Opernball. Da wo sich die Persönlichkeiten des Landes treffen, findet man auch Peter Klien. Knallhart und mit todernster Miene stellt er seine Fragen, die an Absurdität nicht zu übertreffen sind. Weil Klien den Prominenten ein ORF-Mikro unter die Nase hält, rechnen sie damit, dass es sich um eine(n) seriöse(n) JournalistIn handelt. Nach der ersten Frage fliegt die Tarnung auf. Es folgt die Überraschung oder die Ernüchterung. Mit seiner Interviewtechnik, seiner direkten Art, einem Hauch Penetranz und seinem grauschwarzen 0815-Anzug, von dem er sich nicht trennen kann, hat Klien in der Comedy-Szene Kultstatus erreicht.

Kliens Schreibtisch samt „Lichtschwert“ und Flachmann (c) Souha Khemiri

„Catch me if you can“

Inzwischen hat sich Peter Klien bei der Polit-Elite einen Namen gemacht. Daher laufen PolitikerInnen nun vor ihm weg, wenn sie ihn sichten. Peter Klien bleibt trotzdem hart und rennt ihnen hinterher. FPÖ-Politiker Robert Lugar sucht panisch nach einer Toilette und Sebastian Kurz weiß nun, „wie es sich anfühlt, ein Flüchtling zu sein“, vermutete Klien.

Darum haben sich die Antworten auf die Fragen im Laufe der Zeit geändert. Der Überraschungseffekt ist weg. Die InterviewpartnerInnen wissen nun bewusst, wie sie auf Klien’sche Fragen antworten und gehen auf den Humor ein, wie es Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) mit Selbstironie gemacht hat. Das Video ist zum Internet-Hit geworden. Andere, die ihn nicht kennen, nehmen seine Fragen ernst. So ernst, dass es eventuell eng werden könnte. Bei der Angelobung von Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen hat Klien einen ranghohen Bundesheeroffizier Folgendes gefragt: „Das Bundesheer steht hier bei minus ein Grad Celsius. Befinden wir uns schon im Kalten Krieg?“ Der Offizier wollte daraufhin die Militärpolizei verständigen.

Von den einen geliebt, von den anderen gehasst

Ein weiterer Teil der Show war auch das Witzeln über Social-Media-Kommentare, die man unter den Beiträgen von Peter Klien findet. Vom Großteil der UserInnen erhält er Zustimmung, von einigen anderen eher weniger. Klien erzählt auch, dass es nur ein einziges Mal während eines Einsatzes fast zu einem tätlichen Angriff gekommen wäre. Gedroht wurde ihm von einem betrunkenen FPÖ-Anhänger. Und auch nur einmal wurde dezidiert ein Beitrag Kliens vom Programm gestrichen. Auch da hat es einen FPÖ-Bezug gegeben.

Screenshots aus der „Willkommen Österreich“ Facebook-Seite

Der Name der Show „Reporter ohne Grenzen“ ist Programm und könnte nicht passender gewählt sein. Peter Klien kennt weder Grenzen des guten Geschmacks noch der Moral oder gesellschaftlicher Hierarchien, Stichwort: Prinz Charles‘ Wien-Besuch. Spätestens nach der Show weiß man, dass die Grünen Kliens Frage an Ex-Parteichefin Eva Glawischnig, ob „nicht doch alles besser gelaufen wäre, wenn sie als Schülerin Herbert Kickl geküsst hätte“ (Anm. : In Kärnten waren sie im selben Gymnasium), als sexistisch empfunden haben. Seine direkte Art kann man mögen, oder nicht. Gerade deswegen wird er von seiner Anhängerschaft geliebt. Fans von Satire und Politik kommen in Kliens Kabarettshow voll auf ihre Kosten.

Wer sich Kliens Show nicht entgehen lassen möchte, kann nur darauf hoffen eine Karte zu finden. Die Aufführung im Rabenhof-Theater ist bis zum 25. Mai 2018 ausverkauft. Ab dem 30. Jänner 2018 macht Klien auch Shows in den Bundesländern.

Weitere Termine:

2. Feb. 2018, 20:00 
3. Feb. 2018, 20:00
6. Feb. 2018, 20:00
7. Feb. 2018, 20:00
8. Feb. 2018, 20:00
9. Feb. 2018, 20:00
10. Feb. 2018, 20:00

Infos: 
https://www.rabenhoftheater.com/
http://www.peterklien.at/termine/
telefonisch unter :01 7128282