Einmal Vergangenheit und zurück

Die Österreichische Nationalbibliothek feiert ihr 650 – Jahre -Jubiläum. Dieses zelebriert sie mit der Ausstellung „Schatzkammer des Wissens“. Dort lernt man nicht nur die einzelnen Stationen in der Bibliotheksgeschichte kennen, sondern nimmt auch einiges über das jeweilige politische Geschehen mit.

Begonnen hat alles nicht etwa mit dem Bau einer Bibliothek, sondern mit einem einzigen Buch:  dem Evangeliar des Johannes von Troppau. Er stellte dieses 1368 fertig. Es gilt als Gründungskodex der Österreichischen Nationalbibliothek. Die Handschrift, die in Goldlettern geschrieben und reich illustriert ist, stammt aus dem Besitz des Habsburgerherzogs Albrecht III. Es gilt als wahrscheinlich, dass es ein Auftragswerk von ihm war. Noch bis Ende Jänner ist das Evangeliar „Objekt des Monats“ und im Original zu sehen. Dieses Buch ist auch der Ausgangspunkt der Ausstellung „Schatzkammer des Wissens“ im Prunksaal – wobei in der ersten Vitrine Faksimile liegen und das kostbare Original erst am Schluss zu sehen ist. Michaela Pfundner kuratierte die Ausstellung.

Jeden Sonntag gibt um 15.00 Uhr und um 16.00 Uhr  kostenlose Führungen (Eintrittskarte nicht inbegriffen). Der Andrang ist zur Führung am ersten Sonntag nach der Eröffnung am 25. Jänner 18 ist groß. Während die erste Tranche, circa, 40 Leute schon mit der ersten Museumsführerin die Stufen zum Prunksaal hinaufgeht, stehen für die zweite Gruppe noch hoffnungsvolle Leute in der Kassenschlange. Aber nicht alle können mehr mitmachen, die zweite Gruppe ist schnell voll.

Die Ausstellung findet im Prunksaal statt (c) Magdalena Pichler

Dann geht auch die zweite Gruppe in den Prunksaal hinauf und sammelt sich vor einer Infotafel und einer Vitrine mit Büchern. Für die Bibliothek bedeutsam war Maximilian I. (1459 – 1519), er gab Drucke in Auftrag und brachte auch durch seine Ehen wertvolle Bücher mit. Sein autobiografisches Werk „Theuerdank“ und die Geschichte seines Vaters, Friedrich III., „Weißkunig“ sind auch in der Schatzkammer des Wissens zu sehen. Bis es eine eigene Bibliothek und einen Hofbibliothekar (Hugo Blotius) in Wien gab, sollte es aber noch dauern bis zu Maximilian II. (1527-1576) dauern. Unter Maximilian I. waren die Büchersammlung verstreut auf seine verschiedenen Sitze (etwa Wiener Neustadt und Innsbruck).  .

Bevor die Gruppe zu Blotius und Tengnagel kommt, führt der Weg noch am „Mainzer Psalter“, dem weltweit ältestem „Zeugnis eines gedruckten Textes mit mehrfarbig gedrucktem Buchschmuck“, wie es auf der Infotafel heißt. Gebaut wurde die heutige Bibliothek dann 1723 bis 1726 unter Kaiser Karl VI. nach den Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach und Josef Emanuel Fischer von Erlach. Relevant für die Bibliothek waren auch die van Swietens.  Gerhard van Swieten war Leibarzt Maria Theresias (1717 – 1780), Leiter der Zensurkommission und Leiter der Bibliothek. Er förderte als Leiter der Bibliothek den Ankauf wissenschaftlicher Werk und katalogisierte die Bücher im Prunksaal nach einer systemischen Ordnung. Bezüglich der Zensur gab es einen Katalog der verbotenen Bücher, der auch in der Ausstellung zu sehen ist.

In diesen Katalog wurden die verbotenen Bücher eingetragen (c) Magdalena Pichler

Der Sohn von Gerhard van Swieten, Gottfried, der dem Vater nachfolgte erfand den ersten Zettelkatalog der Bibliotheksgeschichte – doch auch ein bis vor zwei Jahrzehnten gängiger Zettelkatalog hat Eingang in die Ausstellung gefunden. Heute erfolgt die gesamte Recherche online. Und online, kann man nicht nur nach Büchern suchen – ein Projekt, bei dem 600.000 Bücher eingescannt und online verfügbar gemacht werden soll, laut Ö1 Mittagsjournal, heuer fertiggestellt werden.

Auch Karten und Globen gibt es in der Ausstellung – die Globensammlung startete mit Leopold I. Ein Großteil der Sammlung befindet sich im weltweit einzig öffentlich zugänglichen Globenmuseum. Weiter geht es über den kaiserlichen Kunstsammler Kaiser Franz II./I. zur Zensur im Vormärz und Revolution 1848. Zu allem gibt es einen Infokasten und daneben sind Werke die jeweilige Zeit betreffend ausgestellt. So gibt es auch für den Vormärz eine Liste der verbotenen Bücher, zu der unter anderen „Neue Gedichte“ von Heinrich Heine zählten, welches man auch in der Ausstellung sehen kann.  Eigene Punkte der Ausstellung sind „Die Geschichte der Papyrussammlung“ und „Musik sammeln“, so kann man etwa Noten der originalen Symphonie No 7, E-Dur bewundern.

Auch Karten und Globen sind in der Ausstellung zu sehen (c) Magdalena Pichler

Nun wird die chronologische Abfolge der Ausstellung gesprengt und man kann die Romananfänge von Heimito Doderers „Die Strudelhofstiege“, Ingeborg Bachmanns „Malina“ und Peter Handkes „Die morawische Nacht“ sehen. Sie alle sind unter dem Motto „Blick auf die Welt zu sehen, ebenfalls wie Briefe wie etwa einer von Hannah Arendt an Günther Anders.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie, wurde die Hofbibliothek dann in Nationalbibliothek umgetauft. Den Beisatz „Österreichische“ erhielt sie erst nach 1945. Als Nationalbibliothek hatte sie dann eine „deutschnationale Selbstpositionierung“, wie es auf der Infotafel heißt – eine Gegenbewegung bildete jedoch die Integration des Esperantomuseums 1928 in die Nationalbibliothek. Wien entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit „zu einem Zentrum der Esperantobewegung“, heißt es weiter auf der Infotafel. Esperanto ist eine künstliche Sprache, die leicht zu erlernen und zum Frieden und Verständnis beitragen soll.

Mit dem „Anschluss“ 1938 wurde der Leiter der Nationalbibliothek, Josef Bick, inhaftiert, kommissarischer Leiter wurde der Nationalsozialist Paul Heigl. Dieser ging auf Raubzug für die Nazis und beschlagnahmte unter anderem Bestände von Juden bzw. jüdischen Einrichtungen. Bis alles zurückgegeben wurde, sollte es noch lange dauern. 2003 gab es einen Provenienzbericht, der über 52.000 Objekte enthielt.  Mittlerweilen haben die rechtmäßigen Erben oder der Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus nahezu alle Werke zurückerhalten.

Die Ausstellung endet schließlich mit Informationen zur baulichen Erweiterung – in den 1930er Jahren wurde etwa ein utopischer Hochhausturm geplant – Konservierung, Restaurierung, Musealisierung und zu dem aktuellen Digitalisierungsprojekt. Und natürlich dem Objekt des Monats, dem anfangs erwähnten Evangeliar von Johannes von Troppau.

Das Evangeliar von Johannes von Troppau ist das Objekt des Monats Jänner (c) Magdalena Pichler

Mehr Infos gibt es hier.

Die Ausstellung ist von 26. Jänner 2018 bis 13. Jänner 2019 zu sehen. Tickets kosten 8 Euro. Kinder und Jugendlichen unter 19 Jahren zahlen nichts. Jeden Sonntag gibt es um 15.00 Uhr und 16.00 Uhr eine kostenlose Führung

Beitragsbild: Alphabetischer Registrierband zum Gesamtkatalog 1576 (c) Magdalena Pichler

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