House of Shards – Scherben machen glücklich

Neues Jahr. Neues Glück. Seit Anfang Jänner kann man im „Happy Shards“ (dt. „Glückliche Scherben“) in Meidling seiner Wut freien Lauf lassen. Die einen haben es in Ausnahmesituationen schon getan, die anderen würden es vielleicht gerne einmal tun: Teller und Gläser an die Wand werfen, es einmal richtig scheppern lassen.

Was in Amerika seinen Anfang nahm und mittlerweile in vielen Ländern der Welt praktiziert wird, ist nun auch in Wien angekommen. Im „Happy Shards“ im 12. Bezirk ist Geschirr werfen erwünscht. Die einen wollen damit Aggressionen abbauen, die anderen sehen eher den positiven Aspekt, frei nach dem Motto „Scherben bringen Glück“. So auch Geschäftsführer Raffael Tannheimer, der das Geschäft gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Kerstin Ehrengruber eröffnet hat. „Natürlich ist naheliegend, dass man hier seinen Aggressionen, seiner Wut, freien Lauf lassen kann. Ich persönlich mag den positiven Aspekt lieber und auch bei uns ist es möglich seine Gedanken, seine Glückwünsche auf Teller zu schreiben und den dann an die Wand zu werfen. Scherben sollen ja bekanntermaßen Glück bringen.“

Es können auch Botschaften oder Glückwünsche auf die Teller geschrieben werden. © Happy Shards

Wut rauslassen oder nicht?

Schon der Vater der Psychoanalyse, Sigmund Freud, war der Meinung, dass es sich bei Aggressionen um einen angeborenen Trieb handelt, der nach Entladung verlangt. Seiner Meinung nach führe es auf Dauer zu seelischen Störungen, wenn dieser Trieb immer wieder unterdrückt wird. Dieses Konzept scheint sich in den Köpfen der Menschen verankert zu haben und sich in Floskeln wie „Dampf ablassen“ widerzuspiegeln. Manche Psychologen sind auch heute der Meinung, dass Wut die Ursache mancher psychischer Krankheiten sein kann. Wissenschaftliche Studien zeigen darüber hinaus durch Wut hervorgerufene Symptome wie Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinspiegel. Kritiker des „Wutrauslassens“ sehen die Gefahr einer Enthemmung, wenn mutwillig Dinge zerstört werden, es irgendwann „normal“ ist und möglicherweise auch Zuhause dann einmal ein Teller fliegt.

Poltern ohne Hochzeit

Das Konzept des Geschirrzertrümmerns ist nicht neu. Viele kennen es von den Polterabenden vor Hochzeiten. Die Bräuche haben teilweise vor Hunderten von Jahren ihren Ursprung. Das Sprichwort „Scherben bringen Glück“ geht auf den Begriff „Scherbe“ zurück, der aus dem Töpferhandwerk stammt und ursprünglichen alle aus Ton gefertigten Gefäße bezeichnete, nicht nur die zersprungenen. In vielen Kulturen wird der Ritus des Zerstörens von Altem als Übergang zu Neuem, also einem Neuanfang, gesehen. Im „Happy Shards“ kann man auch Gläser an die Wand werfen. Im Brauchtum der Polterabende ist das allerdings verboten, da Gläser für Glück stehen, welches man nicht zerstören sollte. Wer an Glückssymbole oder Spruchformeln glaubt, sollte sich also vom „Gläser Special“ besser fernhalten.

Wie funktioniert‘s?

Nach Terminvereinbarung kann man vor Ort verschiedene Geschirr-Pakete kaufen und darauf los werfen. Vorher ist eines aber noch besonders wichtig: Schutzkleidung! Das Kleinste, das „Starter Paket“ kommt auf 9 Euro und das Größte, die „Happy Box XL“ auf 49 Euro. Auch individuelle Pakete können auf Anfrage zusammengestellt werden. Wer also schon immer einmal mit einem Baseballschläger einen Fernseher zertrümmern wollte, „Happy Shards“ macht es möglich. Für alle, die noch einmal Kind sein wollen und denen zuhause verboten wurde mit ihrem „NERF Blaster“ auf Dinge zu schießen, gibt es das Paket „Nerf Action“ um 19 Euro. Derzeit wird die „Happy-Box Small“ und die „Happy-Box XL“ auf Daily Deal zum halben Preis angeboten.

Ist das nicht Verschwendung?

Das Team von „Happy Shards“ hat sich Gedanken um den Aspekt der Verschwendung gemacht und bezieht das Geschirr aus Fehlproduktionen, Altbeständen oder nutzt Gebrauchtware. Darüber hinaus werden die entstandenen Scherben zum Teil Künstlern oder Kunstschulen gespendet, die daraus dann Neues kreieren. Doch nicht für alle ist dieser Ansatz ausreichend. Die Hortpädagogin und Jungmutter Katrin findet das Konzept von „Happy Shards“ zwar witzig, aber „Geld für Geschirr bezahlen, das ich anschließend wieder zertrümmere“ findet sie etwas dekadent. Sie stellt gebrauchtes Geschirr nämlich meistens in ihrem Haus auf den Briefkasten, zur freien Entnahme, und „es hat sich jedes Mal jemand darüber gefreut“. Der Erfolg von „Share und Care“-Gruppen auf Facebook und Plattformen wie willhaben.at zeigen, dass viele Menschen Gebrauchtware bewusst nutzen oder tatsächlich brauchen.

Happy Shards
Füchselhofgasse 6/1
1120 Wien

Öffnungszeiten:
Termine von Montag - Samstag 
zwischen 10.00 und 19.00 Uhr 
Termine nur mit Voranmeldung!

Weiterführende Links:
Happy Shards
Daily Deal
Share and Care Wien Facebookgruppe

Beitragsbild: (c) Happy Shards

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