„Raw Matters“ – Unvollkommen schön

Am 15. Januar hat im Schikaneder Raw Matters – Ein ungeschliffener Tanz- und Performanceabend stattgefunden. Bei dieser Veranstaltung bekommen Künstler einmal im Monat die Möglichkeit, auf kleiner Bühne ihre unfertigen Ideen vorzustellen. Ein experimenteller Rahmen, der  Raum gibt – Raum für Versuche. Raum für Fehler. Raum zur Entfaltung. Ganz ohne Zwang zur Perfektion.

Die Türen öffnen sich kurz nach halb acht. Am Eingang verteilt Nanina Kotlowski, die Veranstalterin, das kleine Programmheft, das durch den Abend führen soll. Bekannte Gesichter werden mit Freude begrüßt und freiwillige Eintrittsspenden eingesammelt. Wie immer stehen vier Projekte am Programm.  Bei Raw Matters kann man ausprobieren. Hier darf man scheitern. Hier muss man nicht perfekt sein.

„Perfektion ist keine Notwendigkeit.
Sometimes the right moment is when you are not ready.
Urgency is the necessity.“ – rawmatters.at

Langsam füllt sich der überschaubare Kinosaal des Schikaneder. Ein buntes Publikum hat sich an diesem Abend eingefunden. Bei Raw Matters lassen sich nicht nur die Besucher überraschen, sondern auch die Künstler selbst begeben sich auf eine Reise. Ihnen wird hier eine Plattform geboten, um zu experimentieren. „Manchmal hat man eine vage Idee, aber bevor man es nicht ausprobiert hat, weiß man nicht ob es sich lohnt daran zu arbeiten“, erklärt Kotlowski.

Ohne Urteil nach Inspiration streben

Raw Matters wurde 2010 von Nanina Kotlowski und Deborah Hazler ins Leben gerufen. „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem man ausprobieren kann und wo es in Ordnung ist zu scheitern“, erzählt Kotlowski. Zu Beginn wollten sie für ihre eigenen künstlerischen Arbeiten einen Rahmen schaffen. Das Format stieß allerdings schnell auf großes Interesse und erfreut sich bis heute stetigen Andrangs. Mittlerweile wurden schon über 50 solcher Tanz- und Performanceabende veranstaltet.

EGO – Veronika Kulcsar und Alex Valdés I (c) Aline Hölldampf

Für Kotlowski ist es wichtig, nicht zu urteilen ob eine Performance gut oder schlecht war, sondern aktiv an der Entwicklung verschiedener Ideen teilzunehmen. „Viel zu oft erwarten wir, Perfektion zu sehen, ohne Fehler. Uns ist wichtig, dass das Publikum die Künstler unterstützt. Es geht darum, den künstlerischen Prozess mitzuerleben, zu sehen wie die Arbeiten entwickelt werden und zu erfahren was dahintersteckt. Und nicht darum, ob eine Performance gut oder schlecht ist.“

GARDEN OF DESIRES – Andrea Maria Handler und Martyna Lorenc I (c) Aline Hölldampf

Ein Abend voller Ideen  

Nach etwas mehr als einer Stunde ist der erste Teil von Raw Matters vorbei, alle Künstler haben ihre Ideen auf die Bühne gebracht. Der Abend geht allerdings noch weiter. Bei einem selbstzubereiteten Buffet kommen Besucher und Künstler ins Gespräch über die Hintergründe der Darbietungen. „Ego“, eine spontane  Tanz- und Musikimprovisation, stellt Fragen zur Authentizität im Tanz und  Vielschichtigkeit des eigenen Egos. Die Idee hinter „Garden of Desires“ basiert auf langjähriger Forschung und erkundet Schnittpunkte von kognitiver Wissenschaft und Bewegungsforschung. „Still kann man sein“ ist ein musikalisches Experiment, dass sich mit innerlich aufgestauter Wut auseinandersetzt.

STILL KANN MAN SEIN – Katharina Arnold und Mira Gregorič I (c) Aline Hölldampf

 

Weitere Termine:                   

Mo, 19.02.2018, 19:30
Mo, 19.03.2018, 19:30
Mo, 16.04.2018, 19:30

Kontakt:office@rawmatters.at

SCHIKANEDER 
Margaretenstraße 22-24 
1040 Wien

Beitragsbild (c) Alexander Petschnig