Ute Bocks Vermächtnis

Prominente Beileidsbekundungen, ein Lichtermeer am Heldenplatz und eine Petition für einen Ute-Bock-Platz – der Tod der Wiener Flüchtlingshelferin Ute Bock löst viele Reaktionen aus. Der Verein ‚Flüchtlingsprojekt Ute Bock‘ kämpft unbeirrt weiter für die Rechte Geflüchteter.

Am Vormittag des 19. Januar gab der Verein ‚Flüchtlingsprojekt Ute Bock‘ bekannt: „Tief betroffen bestätigen wir, dass uns Frau Bock heute verlassen hat.“ Die öffentliche Anteilnahme war enorm, insbesondere auf Facebook und Twitter. Verschiedene Politiker der Grünen, SPÖ, Liste Pilz, NEOS und ÖVP würdigten Frau Bock als „überzeugte Humanistin“ oder „Ikone der Zivilcourage“. Bundespräsident Alexander Van der Bellen schrieb auf Twitter: „Ute Bock hat uns gezeigt, was Menschsein bedeutet. In ihren Projekten wird ihr Engagement weiterbestehen.“

Auch der Bundespräsident kondoliert auf Twitter | Screenshot: Alexander Polt

Öffentliche Würdigungen

Eine Petition auf der Plattform ‚Change.org‘ fordert die Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Platzes in Ute-Bock-Platz. Ute Bock sei eine „moralische Instanz, deren bedingungslose Menschenliebe und stoischer Altruismus vielen Hoffnungslosen wieder eine Perspektive gegeben hat“, heißt es in der Petition. Bis zum 30. Januar wurde sie mehr als 33.000-mal unterzeichnet. Die Stadt Wien steht einer Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Platzes kritisch gegenüber – begrüßt aber die Idee, eine Verkehrsfläche nach Ute Bock zu benennen.

Am 2. Februar organisiert der Verein ‚Flüchtlingsprojekt Ute Bock‘ zum Gedenken an seine Gründerin ein Lichtermeer am Wiener Heldenplatz. Bereits 8000 Menschen haben auf Facebook zugesagt, 22.000 weitere sind an einer Teilnahme interessiert. Auch in Innsbruck, Bregenz und Klagenfurt finden Gedenkveranstaltungen statt. „Der Erfüllung ihres größten Wunsches, eines Tages überflüssig zu werden, sind wir gerade in Zeiten wie diesen ferner denn je.“, schreiben die Veranstalter.

Auch vor dem Eingang des Ute-Bock-Hauses stehen Kerzen und Blumen zum Andenken an die Verstorbene | Alexander Polt

„Alles geht weiter wie geplant“

Der Verein ‚Flüchtlingsprojekt Ute Bock‘ führt das Engagement der Verstorbenen fort. „Alles geht weiter wie geplant, ihre Projekte laufen ganz normal weiter“, sagt Katja Teichert, Mitglied der Geschäftsführung des Vereins. Eine Reihe von Initiativen und Projekten trägt Ute Bocks Namen: ‚Bock auf Punsch‘, ‚Bock auf Kultur‘, der ‚Ute Bock Cup‘ oder die Ausbildungs- und Produktionswerkstätte ‚bockwerk‘. Ihr Name ist zu einer Marke geworden, die für Menschlichkeit und Respekt gegenüber Geflüchteten steht. „Sie hat immer getan, was in ihrer Macht stand“, sagt Teichert. Mittlerweile betreuen rund 20 Mitarbeiter und über 400 ehrenamtliche Helfer die Veranstaltungen und Deutschkurse des Vereins oder helfen bei Arbeiten, die im ‚Ute-Bock-Haus‘ in Wien-Favoriten anfallen.

Im Ute-Bock-Haus in der Zohmanngasse leben derzeit 100 Menschen | (C) Alexander Polt.

„Der Bedarf ist leider da“

„Im Haus sind derzeit knapp 100 Personen untergebracht“, sagt Geschäftsführerin Teichert. Insgesamt sind 700 Personen hier gemeldet – Personen ohne festen Wohnsitz und offizielle Meldeadresse. Sie nutzen den Post- und Meldeservice des Vereins. „Der Bedarf ist leider da“, sagt Teichert. In angemieteten Wohnungen hat der Verein 250 weitere Personen untergebracht, die meisten davon sind Familien. „500 Leute machen derzeit bei uns Alphabetisierungs- und Deutschkurse“, sagt die Geschäftsführerin. Um die Nachfrage stillen zu können, wurde im September 2017 ein neues Bildungszentrum in der Inzersdorferstraße 64 eröffnet.

Geschäftsführerin Katja Teichert in ihrem Büro in der Zohmanngasse | (C) Alexander Polt

Links:
Petition
Lichtermeer

Titelbild: (c) Felicitas Kruse/Verein Flüchtlingsprojekt Ute Bock

Zur Person:
Ute Bock (1942-2018) wurde in Linz geboren und war ab 1969 Erzieherin im Gesellenheim Zohmanngasse, Wien-Favoriten. 1976 übernahm sie hier die Leitung und entwickelte das Haus ab den 1990er-Jahren zur Anlaufstelle für junge Zuwanderer. 2000 ging sie offiziell in Pension, gründete den Verein 'Flüchtlingsprojekt Ute Bock' und kümmerte sich fortan ehrenamtlich um Geflüchtete. Ihr aufopferndes Engagement machte sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt. 2012 wurde ihr das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen. Seit einem Schlaganfall im Jahr 2013 konnte sie nur mehr eingeschränkt arbeiten.
Kontakt: 
Verein Flüchtlingsprojekt Ute Bock
Zohmanngasse 28, 1100 Wien
Tel.: +43 1 929 24 24 -24 | E-Mail: info@fraubock.at 
Web: https://www.fraubock.at/
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Hier finden Sie die Öffnungszeiten der verschiedenen Einrichtungen des Vereins

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