SOFAR – Zurück zur Intimität des Wohnzimmerkonzerts

In 398 Städten weltweit organisiert die Sofar-Community monatlich geheime Wohnzimmerkonzerte. Pro Sound Session treten drei Acts auf. Als Konzertlocation dienen dabei Wohnungen, Büros, Dachterrassen, kleine Läden und Coworking-Spaces.

Sofar steht für „Songs from a room“. Der Name ist Programm. Das Publikum sitzt am Boden und teilt selbstmitgebrachte Getränke. Während der Gigs ist die Menge absolut still. Der Fokus liegt ganz auf der Musik. Die Künstler genießen volle Aufmerksamkeit. Obwohl sich nur ein Bruchteil des zirka 50-köpfigen Publikums kennt, herrscht eine intime Atmosphäre. Genau das ist das Ziel der Sofar-Gigs. Sie sollen Publikum und Artists bei Live-Events näher zusammenbringen.

„Be still and listen“

Ein Schild im Stiegenhaus weist den Weg zur richtigen Wohnung. Im Vorraum stehen gut 50 Paar Schuhe. Nur wer auf der Gästeliste steht hat Zutritt. Nachdem jeder einen Sitzplatz gefunden hat eröffnet Itta, selbst begeistertes Mitglied von Sofar Vienna, den Abend und erklärt das Konzept der Sofar-Gigs. Es ist ein Aufruf zur Stille und dazu die Smartphones in der Tasche zu behalten. Selfies haben bei diesen Konzerten nichts zu suchen.

Singer-Songwriter Mark Campbell zieht die Zuseher in seinen Bann © Benedikt Weiss | www.benediktweiss.com

„Sofar Sounds was founded to bring back that magic.“

Gegründet wurde Sofar mit der Ambition „die Magie eines Live-Konzerts zurückzubringen“. Was 2009 als Hobby zweier Londoner begann, wuchs schnell zu einer weltweiten Gemeinschaft aus Künstlern und Musikliebhabern. „Wir sind auf jedem Kontinent vertreten nur auf der Antarktis nicht“, erzählt Itta. Obwohl sich das Konzept mittlerweile quer über den Globus verbreitet hat, konnte die ursprüngliche Idee der Familiarität und Intimität bewahrt werden. Die Gigs versprechen „an oasis of calm in the busy city“ und laden zum Entspannen in fremden Wohnzimmern ein. „Step into someone’s very own private home – grab a spot on the couch, explore in the kitchen, scare the cat“, so bewirbt Sofar die Einzigartigkeit der Locations.

How to be part of it

Es gibt vier Möglichkeiten an einer Sofar Sounds Show teilzunehmen. Man kann sich als Gast, Host oder Artist online bewerben oder Volontär im Sofar-Team werden. Abhängig von der Location gibt es meist zwischen 40 und 60 Karten zu ergattern. Bewerben kann man sich bis eine Woche vor der Show online und das umsonst, es sei denn, das Konzert ist vorzeitig ausverkauft. Bei durchschnittlich 350 Anmeldungen sei dies so gut wie immer der Fall, verrät Itta. Je öfter man es probiert desto höher ist die Wahrscheinlichkeit ausgewählt zu werden. „Es wird darauf geachtet, dass im Publikum neben Sofar-Neulingen immer genügend Sofar-Kenner sitzen.“ Wer ausgewählt wurde, erhält zwei Tickets und wird am Tag vor der Veranstaltung per Mail über den Veranstaltungsort informiert. Welche Bands den Abend gestalten werden, erfährt man erst vor Ort.

26. Sofar Sounds Session mit Lana Janjanin Trio © Benedikt Weiss | www.benediktweiss.com

Host eines Sofar-Konzerts kann man ebenfalls per Online-Formular werden. Zusätzlich kann, wer schon einmal auf einer Sofar-Session war, sich direkt vor Ort in die Host-Liste eintragen. Das jeweilige Regionalteam kümmert sich dann um Organisation, Aufbau und Abwicklung der Veranstaltung. Wer sich als Artist bewerben möchte braucht ein entsprechendes musikalisches Portfolio und wird je nach Genre vom Sofar-Team ausgewählt. „Neben heimischen Künstlern bewerben sich auch immer wieder internationale Künstler die durch Österreich touren. Oft sind es italienische oder tschechische Bands,“ erzählt Itta.

Jedes Line-up wird vom Team bedacht zusammengestellt, um dem Publikum eine abwechslungsreiche Show zu bieten. Da sich die Sofar-Community rein durch Spenden finanziert, für Ton- und Filmequipment aber viel Geld benötigt wird, bleibt für Künstler-Gagen wenig übrig. Die Bands können zwischen einer pauschalen Aufwandsentschädigung oder einem professionellen Video der Session entscheiden.

„In der Wohnung der schönen Blondinen“

Anfang des Jahres ging in Wien die 26. Sofar Sounds Session über die Bühne. Gastgeber waren drei Studentinnen, die im Sofar-Gästebuch als „die schönen Blondinen“ verewigt wurden. Sie wollten ihre frisch bezogene Wohnung mit einem Wohnzimmerkonzert einweihen. „Ein bisschen nervös war ich schon davor. Wir wussten nicht, ob alle Leute Platz haben werden. Zum Glück ist sich dann alles ausgegangen, nur vorm Klo gab es in den Pausen immer eine lange Schlange.“

Maria Thornton bei ihrem ersten Sofar-Konzert © Benedikt Weiss | www.benediktweiss.com

Zu den Acts zählten an diesem Abend der irische Singer-Songwriter Mark Campbell, das Lana Janjanin Trio und die Steirerin Maria Thornton. Das Line-up reichte somit von Jazzpiano-Stimmung à la Norah Jones über Bob Marley und Johnny Cash Covers bis hinzu Ed Sheeran-Sounds, womit das sechsköpfige Wiener Sofar-Team den hohen musikalischen Anspruch der Sofar Sounds Shows unter Beweis stellte.

Im Mai feiert Sofar Vienna sein vierjähriges Bestehen. Auch in Graz gibt es bereits eine Community. Nach diesen beiden Vorbildern entsteht derzeit außerdem ein Sofar-Netzwerk in Linz. Am 16. Februar wird die erste Session der neuen Gemeinschaft stattfinden, wo ist noch geheim.

Und das Risiko? 


Das Sofar-Team übernimmt die gesamte Verantwortung rund um die Veranstaltungsreihe vom Aufbau bis zu den Aufräumarbeiten. Ernste Probleme mit Nachbarn oder der Polizei gab es bisher noch nicht. „Die verstehen den Sofar-Spirit eigentlich immer. Außerdem wird es nie später als 22:00“, versichert Itta.

 

Die nächste Wiener Sofar Sounds Show wird am 14. Februar stattfinden. Geplant ist ein Valentinstag-Special. Anmelden kann man sich hier.