Hauptstadt der Clowns

Das Clowntheater Olé feiert seinen zehnten Geburtstag mit einem internationalen Clownfestival. Aus Städten wie New York, Barcelona und London kommen Clownkünstler von 9. bis 15. November nach Wien, die in der Stadt zuvor noch nie zu sehen waren.

Das Clowntheater Olé im dritten Wiener Gemeindebezirk ist das einzige Theater im deutschsprachigen Raum, das sich ausschließlich der Clownkunst widmet – und das schon seit zehn Jahren. Zur Feier dieses Jubiläums veranstalten die Theaterdirektoren Verena Vondrak  und Hubertus Zorell das erste internationale Clownfestival in Wien. Vom 9. bis 15. November treten unter dem Motto „Das Leben feiern“ etwa 40 Clowns im Theater Olé, dem Theater Lilarum und dem Marx Palast auf. Die Höhepunkte im Programm sind der Auftritt von Hilary Chaplain (Samstag, 10. November) aus New York und von Nola Rae (Donnerstag, 15. November) aus London.

Verena Vondrak steht in „Retterin der Tafelrunde“ auch selbst auf der Bühne. Fotocredit: Agnes Zorell

Nola Rae ist für viele junge Clowninnen und Clowns das ultimative Vorbild. Königin Elisabeth II. verlieh ihr einen Ritterorden, die BBC dokumentierte ihr Leben in einem Film und sie ist Mitglied der „International Clown Hall of Fame“. Ihre Show „Upper Cuts“ ist das große Finale des ersten internationalen Clownfestivals in Wien. Mit den Veranstaltern Vondrak und Zorell verbindet Nola Rae nicht nur die roten Nasen. Sie hat in London  in den 1970er-Jahren – wie Vondrak und Zorell es heuer in Wien machen – das erste Clowntheater und das erste Clownfestival gegründet.

Clowns dürfen nicht perfekt sein

Mit der Neuauflage des Horrorfilms „Es“ war rund um Halloween die Figur des Horrorclowns wieder in allen Medien.  Das Festivalmotto „Das Leben feiern“ lässt sich mit Horrorclowns nicht verbinden und das soll es auch nicht, sagt Veranstalterin Verena Vondrak: „Horrorclowns gehen uns nichts an. Wir verstehen, dass manche Autoren und Filmemacher aus dramaturgischen Gründen aus einer positiv besetzten Figur eine negative machen wollen.“ Die naive Figur des Clowns bleibe aber eine sympathische Identifikationsmöglichkeit für Zuschauer.

Aus New York kommt Hilary Chaplain für „A life in her day“. Fotocredit: Stefan Smidt

Die Clownerie sei in diesem Aspekt so aktuell wie nie zuvor, sagt Vondrak: „Das Clowntheater hält sich seit zehn Jahren, weil unser Publikum offenbar eine Sehnsucht nach Alternativen zum allgegenwärtigen Perfektionszwang hegt. Das Festival  hält sich die nächsten zehn Jahre aus  demselben Grund.“  Deshalb tritt auch der Schriftsteller Franz Schuh im Theater Olé auf und lädt zu einem „Diskurs zum Thema Humor“ (Samstag, 10. November).  Denn ein richtiger Clown setzt sich mit ernsten Themen auseinander und mache eine Geschichte daraus, über die man lachen kann. „Ein Clown nimmt die Ernsthaftigkeit, diesen Zwang des ständigen Funktionierens heraus“, sagt Zorell.

Mit Humor durch die absurden Zeiten

Dieses „ständige Funktionieren“ kennen auch Studenten. Dass die Jobaussichten schlecht stehen und man von einem Praktikum zum nächsten eilt, soll ihnen den Humor nicht nehmen, empfehlen die Veranstalter: „Einerseits die eigenen Interessen zu vertreten und die Welt zu verbessern, auf der anderen Seite einen lebendigen Humor zu pflegen – das schließt sich gegenseitig nicht aus.“ Das sei ohnehin das wichtigste im Leben, denn Humor helfe durch „diese absurden Zeiten“.

Programm und Tickets

„Hänsel und Gretel“ bekommen bei den Clowns Lore &Leo rote Nasen. Fotocredit: Lore & Leo