Geirun Tino im Pygmalion Theater

Ein Best-Of deutscher Theaterkunst auf engem Raum

Auch ein unrunder Geburtstag muss ordentlich gefeiert werden, wie ein kleines Theater im Alsergrund zeigt. An zehn Tagen sind auf der Bühne des Pygmalion Theaters elf verschiedene Stücke zu sehen. Wer sich für die deutschsprachige Literatur des 20. Jahrhunderts interessiert, sollte hier vom 11. bis 20. November auf jeden Fall vorbeischauen.

Ein Theater, das nur Stücke des vergangenen Jahrhunderts aufführt, muss nicht langweilig sein. Das kleine Pygmalion Theater im neunten Wiener Bezirk beweist das seit 23 Jahren. Einst von einem politischen Flüchtling aus Rumänien gegründet, machte es sich in der heimischen Theaterszene einen Namen. Aus der Idee von damals wurde das Lebensprojekt von Theaterdirektor Geirun Tino. Nun lädt er zum Feiern ein und zeigt ab Sonntag auf der Bühne ein Best-of.

Kafka im Mittelpunkt

Los geht es am 11. November mit Gabriel Baryllis „Puff“. Als Finale gibt es zehn Tage später den „Prozess“ von Franz Kafka. Aber warum zeigt ein Theater heute noch Kafka? Geirun Tino hat eine klare Antwort auf diese Frage: „Er ist ein großartiger und sehr interessanter Schriftsteller, der woanders in Wien nicht zu erleben ist“, sagt er. Deshalb zeigt Tino in der Jubiläumswoche gleich drei seiner Werke.

Neben dem „Prozess“ werden auch „Amerika“ (14.11.) und „Ein Bericht für eine Akademie“ (18.11.) aufgeführt. Daneben sind unter anderem Stefan Zweigs „Schachnovelle“ (15.11.) und „Die Suffragetten“ (13.11.), eine Eigenproduktion des Theaterdirektors, zu sehen. Die Linie von Geirun Tino ist also klar – er will das 20. Jahrhundert Revue passieren lassen.

Der Saal des Pygmalion Theaters
Der Saal des Pygmalion Theaters – jede Vorstellung findet vor maximal 40 Zuschauern statt, Quelle: Wikipedia

Und das vor einem sehr begrenzten Publikum. Nur 40 Zuschauer finden rund um die Bühne einen Platz, wobei es gar keine wirkliche Bühne gibt. Die Schauspieler nutzen oft den ganzen Raum. Interaktionen mit dem Publikum sind da keine Seltenheit. Sowas gibt es in keinem größeren Theater.

Keine Förderung durch die Stadt

Geirun Tino weiß aber auch, dass die Vorstellungen trotzdem nur selten ausverkauft sind. Laut ihm aus einem einfachen Grund: „Wir können nur mit einer tollen Leistung und durch Mundpropaganda mehr Zuschauer bekommen“, sagt er. Geld zum Werben in Zeitungen oder im Radio bleibe keines übrig. Denn auch die Stadt Wien habe keine Budget, um kleinere Kulturstätten zu fördern.

Das gefährde laut ihm die „Demokratie unter den Theatern“. Während die Großen ihre Restkarten für kleines Geld an Studenten und Schüler vergeben können, sei sein Theater auf jeden einzelnen Zuschauer angewiesen. Deshalb hofft Geirun Tino besonders in der Jubiläumswoche auf viele begeisterte Besucher, die auch in Zukunft wieder kommen und das Pygmalion Theater weiter leben lassen.

Geirun Tino bei der Probe zum Stück "Puff"
Geirun Tino beobachtet die beiden Schauspieler bei einer Probe des Stücks „Puff“

Das genaue Programm für die Jubiläumswoche gibt es auf der offiziellen Homepage des Pygmalion Theaters. Tickets kosten wie bei jeder normalen Aufführung 22 Euro bzw. 10 Euro für Studenten. Es wird empfohlen den Online-Ticketshop zu nutzen, um garantiert eine Eintrittskarte zu bekommen. Bei den meisten Stücken gibt es ab einer Stunde vor Aufführungsbeginn aber auch eine Abendkasse.