"Aufbruch ins Ungewisse" Haus der Geschichte

Haus der Geschichte eröffnet: Nach 100 Jahren wurde gefeiert

Knapp 100 Jahre hat Österreich auf ein zeitgeschichtliches Museum gewartet. Am 10. November, kurz vor dem Jahrestag der Ausrufung der Republik, startete das Haus der Geschichte mit der Eröffnungsausstellung „Aufbruch ins Ungewisse – Österreich seit 1918“.

Nach jahrzehntelanger Diskussion, ob und in welcher Form es ein zeitgeschichtliches Museum geben soll, wurde das Haus der Geschichte (HdGÖ) am Samstag endlich eröffnet. Zehn Stunden dauerte das Eröffnungsfest am Heldenplatz. Auf dem Programm standen musikalische und literarische Beiträge, darunter die Swing-Band Marina & the Kats, der Kabarettist Thomas Maurer und die Poetry Slammerin Mieze Medusa.

Viel Inhalt auf wenig Raum

Um zur Eröffnungsausstellung zu gelangen, mussten Interessierte vor allem eines mitbringen: Geduld. Rund ein bis zwei Stunden warteten die Museumsbesucher darauf, eingelassen zu werden.  Grund dafür war neben dem Eröffnungsandrang der mangelnde Ausstellungsraum. Nur 750 Quadratmeter stehen dem Haus der Geschichte in den derzeitigen Räumlichkeiten zur Verfügung. Der Platzmangel wurde bereits im Vorhinein kritisiert.

Museumsbesucherin Nina Palackovic findet die Ausstellung trotzdem gelungen: „Es ist chronologisch geordnet, als auch in Themenschwerpunkten, man hat sich super ausgekannt.“ Sie besuchte das Museum, weil sie selbst ein Video zur Ausstellung beigetragen hat. Nachdem sie 2017 den Jugendredewettbewerb in Wien gewonnen hatte, wurde sie vom Haus der Geschichte angefragt.

Nina Palackovic
Nina Palackovic nach dem Museumsbesuch

Der eher kleine Ausstellungsraum fiel auch dem Kabarettisten Thomas Maurer bei einer Vorab-Besichtigung der Räumlichkeiten auf. Die Ausstellung wird er sich am Eröffnungstag nach seinem Auftritt ansehen. „Ich bin neugierig, was da ist, wie es präsentiert ist, was das Konzept dahinter ist. Ansonsten ist gerade wieder einiges im Fluss, man wird warten müssen, vielleicht ist es auch ein kleines Pflänzchen, das noch wächst“, sagt Maurer.

Thomas Maurer beim Eröffnungsfest Haus der Geschichte
Thomas Maurer nach seinem Auftritt beim Eröffnungsfest

Ob das Pflänzchen noch wächst, ist unklar. Das Museum des Bundes ist wie der Name der Eröffnungsausstellung ein Aufbruch ins Ungewisse. Ob dem Museum zum Jahrestag der Republik mehr Ausstellungsfläche geschenkt wird, ist ebenso unsicher wie die von Gernot Blümel vorgeschlagene Anbindung ans Parlament. Für Direktorin Monika Sommer ist jedenfalls klar, dass sie mehr Geld und Platz braucht, um mit internationalen Standards mitzuhalten.

„Es woa da scho amoi scheena“

Nathalie Luftensteiner und Paul Huemer warten bereits seit eineinhalb Stunden auf den Einlass ins Museum. Von der Ausstellung erwarten sie sich in erster Linie neue Denkanstöße und eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte. Paul Huemer ist gespannt auf den Zugang des Museums bei der Aufarbeitung der Geschichte: „Viele Zeitspannen der österreichischen Geschichte sind ja noch immer umstritten – Stichwort Austrofaschismus vs. Ständestaat – und da schauen wir, ob sie es allen recht machen wollen oder es kritisch angehen.“

Zwei Besucher Haus der Geschichte
Nathalie Luftensteiner und Paul Huemer warten auf den Einlass
Warteschlange Haus der Geschichte
Der freie Eintritt lockte viele Interessierte ins Museum

Für alle, die nach dem Anblick der Warteschlange sofort umkehren wollten, stellte das Haus der Geschichte ein Zelt mit Fotobox auf.  Dort konnten Besucher ein Foto von sich mit selbst gestalteten Sprechblasen anfertigen lassen.

Eröffnungsfest Haus der Geschichte
Das Zelt von innen mit Blick auf die Hofburg
Erich Mayer im Zelt am Heldenplatz
Erich Mayer im Zelt am Heldenplatz

Erich Mayer nutzte dieses Angebot gerne, da er beim Herbstwetter nicht lange draußen warten wollte. Das Museum wird er sich an einem anderen Tag ansehen. Er erhofft sich neue Informationen, gerade über die Zwischenkriegszeit. Sein Motto ist: „Wenn i mehr weiß, is es nie schlecht.“