KHM entrance

Wes Anderson wirkt in Wien

Wes Anderson und Juman Malouf gestalteten im Kunsthistorischen Museum Wien die Ausstellung Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures. Noch bis 28. April 2019 kann man die Ausstellung besichtigen. 

Es ist die dritte Ausstellung einer Reihe, in der renommierte Künstler eine Auswahl aus der Sammlung des KHM präsentieren. Parallel zur Ausstellung zeigt das Votivkino alle Wes Anderson Filme im Rahmen einer Werkschau in chronologischer Reihenfolge.

Wes Anderson, Juman Malouf und die Spitzmaus im Sarg © KHM-Museumsverband
Foto: Rafaela Proell

Wes Anderson und Juman Malouf erkunden das Kunsthistorische Museum

Seit 2012 präsentiert das Kunsthistorische Museum Wien Ausstellungen, die in Zusammenarbeit mit berühmten Künstlern erstellt werden. Nach dem amerikanischen Maler und Zeichner Ed Ruscha und dem britischen Keramikkünstler und Schriftsteller Edmund de Waal fiel die Wahl für die dritte Ausstellung des Programms auf den sechsfach Oscar-nominierten Filmemacher Wes Anderson und seine Partnerin Juman Malouf.

Zu Wes Andersons Werken gehören Filme wie The Fantastic Mr. Fox oder The Royal Tenenbaums. Für seinen Film The Grand Budapest Hotel ließ er sich von Stefan Zweigs Werken inspirieren. Die im Libanon geborene und in London aufgewachsene Juman Malouf arbeitet als Designerin für Theater, Film und Mode. Sie veröffentlichte 2015 den Roman The Trilogy of Two.

Spitzmaus im Sarg und mehr als 400 andere Exponate

„Während Juman Malouf und ich nicht das Verdienst in Anspruch nehmen können, auch nur eines der in dieser Ausstellung gezeigten Werke ersonnen und geschaffen zu haben, hegen wir doch den bescheidenen Wunsch, dass die unkonventionelle Zusammenstellung und Anordnung der präsentierten Werke auf die Auseinandersetzung vieler künftiger Generationen mit Kunst und mit der Antike auf geringfügige, vielleicht sogar belanglose, aber auf jeden Fall feststellbare Weise Einfluss nehmen wird“, sagt Wes Anderson selbst zur Ausstellung.

Für Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures wählten er und Juman Malouf 423 Ausstellungsstücke aus dem gesamten Bestand des Kunsthistorischen Museums aus. 350 Stücke stammen aus den Depots, einige davon werden zum ersten Mal ausgestellt. Die Auswahl der Objekte trafen Anderson und Malouf intuitiv und bewusst ohne grundlegendes Wissen über Wert oder historische Bedeutung. So fehlen in der Ausstellung auch Titel und Beschreibungen zu den Exponaten. Wer nicht selbst rätseln will, wieso die Stücke in gerade dieser Auswahl und Reihenfolge gewählt wurden oder wer genau erfahren möchte, welche Exponate ausgestellt sind, muss auf Begleitheft oder Audioguide ausweichen.

Ausstellungsansicht
Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband

Viel Instinkt und wenig Wissenschaft

Während Wes Anderson und Juman Malouf Konzepte für die Auswahl entwickelten, sind diese für den Kurator Jasper Sharp nicht immer nachvollziehbar. „Es stimmt, dass einer der längst gedienten Kuratoren des Kunsthistorischen Museums (der seine Ausbildung bezeichnenderweise an der Universität Heidelberg erhalten hatte) anfangs einige der unserer Ansicht nach offenkundigsten Verbindungen nicht sehen konnte. Und auch nachdem wir ihn auf die meisten davon hingewiesen hatten, zieht er ihre kuratorische Gültigkeit in wohl allen Fällen weiterhin in Zweifel“, sagt Wes Anderson selbst zur Auswahl.

Diese instinktive Entscheidung ist das Konzept der Ausstellung. Laut Kurator Jasper Sharp stammt die Idee von einer Ausstellung, die Andy Warhole 1969 und 1970 kuratierte. Damals kamen die Fragen auf, was geschieht, wenn ein zeitgenössischer Künstler eine Ausstellung zusammenstellt und instinktiv auswählt, was ihm gefällt und ob es möglich sei, durch die Auswahl dem gezeigten eine eigene Note zu verleihen.

Die Kunstgeschichte wird durchgemischt

Dass Wes Anderson und Juman Malouf die aktuelle Ausstellung gestalteten, ergab sich zufällig, nachdem Kurator Jasper Sharp die beiden kennengelernt hatte. Die Ausstellung unterscheidet sich von Warholes Ausstellung und folgt dennoch der Grundidee: „In fernen Gegenden der Welt von unbekannten Händen hergestellte Objekte werden neben Werken einiger der größten Meister der europäischen Kunstgeschichte zu sehen sein.“, führt Jasper Sharp aus. Wes Anderson nennt ein Beispiel: „Ein Smaragdgefäß aus dem 17. Jahrhundert zeigen wir in einem beengten Raum gegenüber dem leuchtend grünen Kostüm aus einer Aufführung von Hedda Gabler im Jahr 1978, um auf die molekularen Ähnlichkeiten zwischen sechseckigen Kristallen und Shantung-Seide hinzuweisen.“

exhibition room green
© KHM-Museumsverband

Auch wenn das Konzept der Auswahl nicht für jeden ersichtlich sein mag, hoffen Anderson und Malouf, dass sie mit der Ausstellung Licht in einige Ecken richten, die bislang zu düster waren, um sie bequem in Augenschein zu nehmen. Wo Exponate aus anderen Ausstellungsräumen des KHM geborgt wurden, finden sich an der ursprünglichen Stelle Zeichnungen der Exponate von Juman Malouf. Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures endet somit nicht, wenn man den eigentlichen Ausstellungsbereich verlässt und lädt dazu ein, auch die weiteren Räume des KHM zu erkunden.

Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures entstand in einer Zusammenarbeit zwischen Kunsthistorischem Museum Wien und der Fondazione Prada. Ab Herbst 2019 wird die Ausstellung in der Fondazione Prada in Mailand zu sehen sein.

Weiterführende Links:

Kunsthistorisches Museum Wien

Votivkino

Wes Anderson in der Imdb