Black Friday: Zwischen Kaufrausch und Konsumkritik

Wenn sich tausende Menschen heute freiwillig in den Shoppingzentren des Landes tummeln, hat das einen Grund: Unschlagbar günstige Preise. Mit dem Black Friday nimmt auch in Österreich der Vorweihnachtsverkauf richtig Fahrt auf. Über die Billigaktionen scheiden sich allerdings die Geister: Bei einer Protestaktion auf der Wiener Mariahilferstraße stoßen Kritiker auf Verteidiger der Rekordrabatte, bis schließlich die Polizei einschreiten muss.

Gegen den Kaufrausch

Gegen die billigen Preise wehrt sich eine Gruppe rund um den Unternehmer Robert Kmenta. Er initiiert heute in Wien den ersten Trauermarsch gegen den Black Friday. Mit einem Sarg und Trauergemeinde in Schwarz schreiten sie die Mariahilferstraße hinunter, um auf einen Missstand aufmerksam zu machen. „Der Preis wurde in letzter Zeit als wichtigstes Kaufkriterium in den Vordergrund gerückt. Das gefährdet Arbeitsplätze, der Service wird immer schlechter und die Qualität ebenfalls“, warnt Kmenta.

Der Trauerzug trägt Qualität und Nachhaltigkeit zu Grabe – Foto (c) Eva Wackenreuther

Er fürchtet, dass Black-Friday-Aktionen oft schlecht durchdacht sind und die dadurch entstandenen Kosten von den kleinen Unternehmern oder den Kunden getragen werden. Lohnen würde sich das Preisschleudern nur für große Discounter.

 

Protest trifft auf Protest

Der Sargumzug bleibt nicht unbemerkt. Nach wenigen Metern umzingelt eine weitere Aktionsgruppe die Demo gegen die billigen Preise. Das Onlineportal blackfridaysale.at, das in Österreich den Black Friday organisiert und Angebote rund um den Aktionstag sammelt, setzt auf eine raffinierte PR-Aktion. Auf ihren Bannern werben sie damit, „die billigen Preise zu Grabe zu tragen“.  Mit den ähnlich gestalten Bannern versuchen sie die Plakate des Trauerzuges von den Kameralinsen der anwesenden Reporter fern zu halten. (Teilweise gelingt das, die Botschaften werden von manchen verwechselt.)

Das lässt sich die Demogruppe nicht gefallen – sie ruft die Polizei. Die PR-Aktion behindere ihr Demonstrationsrecht, sie seien im Gegensatz zur Gruppe um blackfridaysale.at eine angemeldete Demonstrationsveranstaltung, meinen die Veranstalter des Trauerzugs.

Konflikt zwischen Verkaufsportal und Black-Friday-Kritikern – Foto (c) Eva Wackenreuther

Nach einigen Diskussionen mit den anwesenden Polizeibeamten ist schließlich alles geklärt: Die Gegengegendemo von blackfridaysale.at darf den Trauerzug nicht weiter behindern und zieht ab. Das sei ohnehin nur ein Versehen gewesen, sie hätten die Botschaft falsch verstanden und hätten nur mitdemonstrieren wollen, sagt der Verantwortliche von blackfridaysale.at gegenüber der Polizei.

Win-Win oder Rabattfalle?

Der Trauerzug schreckt viele Händler nicht ab. Für sie ist der Black Friday einer der wichtigsten Einkaufstage des Jahres. Heute wird so viel ausgegeben wie kaum an einem anderen Tag. Rund 300 Euro lässt eine Person am Wochenende um den Black Friday in Österreichs Läden. Zwei Drittel aller Befragten einer Studie des Handelsverbandes wollen den Black Friday nutzen. Deshalb fällt es vielen Unternehmen schwer, sich dem Rabatttag zu entziehen. Immerhin sind bereits 66 Prozent der Onlinehändler Teil der Aktion. Das führe zu einem Druck, unbedingt mitmachen zu müssen, befürchtet Roman Kmenta. Ohne zu rechnen würden viele Unternehmen in einen Verkaufsrausch verfallen. „Das ist nicht nachhaltig.“

Der Black Friday ist für viele Händler einer der umsatzstärksten Verkaufstage. – Foto (c) Eva Wackenreuther

Alternative Ideen

Viele Unternehmen haben aber andere Lösungen gefunden, um auch ohne drastische Rabatte beim Black Friday dabei zu sein. Manche Händler dekorieren ihre Auslagen schwarz, der Strumpfverkäufer Huber reduziert nur die schwarzen Socken. Die Drogeriekette DM inszeniert als Gegenentwurf einen Giving Day und spendet einen Teil des Tagesumsatzes. Sie haben damit einen Weg gefunden, am Black Friday mitzumachen, ohne einzig auf Tiefpreise zu vertrauen.
Als Gegenentwurf zum Black Friday gibt es seit 1992 in den USA auch den Buy Nothing Day. Der kanadische Künstler Ted Dave hat ihn initiiert, um gegen ausbeuterische Produktions- und Handelsstrategien internationaler Konzerne und Finanzgruppen zu protestieren. Mittlerweile gibt es die Gegenaktion in über 60 Ländern. Roman Kmenta hingegen hat nichts gegen Konsum an sich: „Ich konsumiere selber gerne. Aber es ist besser, nachhaltig zu kaufen.“

Unzählige Kunden strömen am Black Friday in die Kaufhäuser. – Video (c) Eva Wackenreuther

 

Veranstaltungstipp zum Thema

Ab 23. November kann man im Stadtkino Wien den Film Welcome To Sodom ansehen, der sich mit den Konsequenzen des westlichen Konsums auseinandersetzt. Besonders technische Geräte werden am Black Friday gekauft. In Ghana landen diese dann auf einer Müllhalde mit dem Namen Sodom. Martin Grob hat einen Bericht über den Film verfasst.

 

Titelbild: (c) Mario Pampel