"Der Hase mit den Bernsteinaugen" von Edmund de Waal.

Weltberühmter Hase im Jüdischen Museum Wien

Das Jüdische Museum Wien feiert sein 30-jähriges Bestehen mit einer Attraktion: dem „Hasen mit den Bernsteinaugen“, einer Schnitzfigur nach dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Edmund de Waal. 

Die Elfenbeinfigur ist zwar nur wenige Zentimeter groß, gilt aber als der große Fang für das Jüdische Museum Wien. Das Kunstwerk heißt „Hase mit den Bernsteinaugen“ und gehört dem britischen Autor Edmund de Waal. Die klein geschnitzte Figur aus Japan, auch Netsuke genannt, erlangte weltweite Berühmtheit nach dem gleichnamigen Erfolgsroman „Der Hase mit den Bernsteinaugen“.

In dem Bestseller erzählt de Waal die Geschichte seiner Vorahnen, der Familie Ephrussi. Sie gehörten einst zu den wohlhabendsten und einflussreichsten Juden in Europa. Die Ephrussi-Familie hatte Sitze in Odessa, Paris und Wien und ist bekannt für ihre große Netsuke-Sammlung, die heute im Besitz von Edmund de Waal ist. Ein Aushängeschild dieser Sammlung ist „Der Hase mit den Bernsteinaugen“.

Eine große Ehre für das Jüdische Museum Wien

Direktorin Danielle Spera.
Direktorin Danielle Spera. [Foto: © Danielle Spera/Jüdisches Museum Wien]
Anlässlich des 30-jährigen Geburtstags des Jüdischen Museums Wien seit seiner Neugründung kann der „Hase mit den Bernsteinaugen“ noch bis zum 10. Dezember  in der Dorotheergasse bestaunt werden. Besondere Freude bereiten diese Neuigkeiten der Direktorin des Jüdischen Museums Wien, Danielle Spera: „Wir sind unglaublich dankbar und schätzen uns überaus glücklich, dass Edmund de Waal sich von allen Museen der Welt unseres ausgesucht hat und dass wir den Hasen der Öffentlichkeit präsentieren dürfen.“

Die kleine Elfenbeinfigur gilt als Vorgeschmack, denn ab Herbst 2019 wird im Jüdischen Museum Wien die gesamte Netsuke-Sammlung de Waals gemeinsam mit der Archivsammlung der Ephrussi-Familie ausgestellt werden. „Wir freuen uns besonders, dass wir mit dieser Schenkung und Leihgabe eine große Ausstellung über die Familie Ephrussi gestalten können“, sagt Spera.

„Unwissen kann nur durch Bildung entgegengetreten werden“

Der Haupteingang des Jüdischen Museums Wien in der Dorotheergasse.
Der Haupteingang des Jüdischen Museums Wien in der Dorotheergasse. [Foto: HeMei/Wikimedia Commons/CC BY-SA 3.0 AT]
Dass sich das Jüdische Museum Wien zu seinem 30-jährigen Bestehen in einem hervorragenden Zustand befindet, stimmt nicht nur die Museumsdirektorin positiv. „Das Jüdische Museum leistet einen wichtigen Beitrag“, sagt der Generalsekretär für jüdische Angelegenheiten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Raimund Fastenbauer. In dem Jüdischen Museum Wien sieht der Generalsekretär eine bedeutsame Einrichtung. „Es erfüllt eine wichtige Funktion für die Gesamtgesellschaft“, sagt Fastenbauer, „denn auf Vorurteilen beruhendes Unwissen kann nur durch Bildung entgegengetreten werden.“

Vorurteile, unter denen auch der Vater von Edmund de Wall, Viktor, leiden musste. Viktor de Waal war der Sohn von Elisabeth Ephrussi und lebte im Palais Ephrussi im 1. Wiener Gemeindebezirk. Das Palais am Universitätsring wurde 1938 von der Geheimen Staatspolizei gestürmt. Viktor und seine Familie flüchteten nach England. Die Präsentation des „Hase mit den Bernsteinaugen“ im Jüdischen Museum Wien und die Ausstellung im kommenden Jahr sollen die Möglichkeit bieten, sich mit diesem Kapitel in der Geschichte auseinanderzusetzen.

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[Artikelbild: Lostrobots/Wikimedia Commons/CC BY-SA 4.0]