„Mea Culpa“: neues Album von Bilderbuch

Ohne viel Wirbel präsentiert die österreichische Band Bilderbuch ihr neues Album „Mea Culpa“.  Stilistisch ruhiger, aber genauso ausgefallen, wie man es von Bilderbuch kennt, ist es Teil eines Doppelalbums. Die zweite Hälfte heißt „Vernissage my Heart“ und soll im Februar 2019 folgen.

Der Schaffensdrang der vier Musiker hört nicht auf:  Gestern Nacht veröffentlichte die österreichische Band Bilderbuch überraschend ihr neues Album „Mea Culpa“ mit vorweihnachtlichen Gruß.  Es ist das fünfte Studioalbum nach „Magic Life“, welches Anfang 2017 erschienen ist. Dieses Mal sparte sich die Band aber die Promotion-Tour. Nur auf den Social Media-Kanälen erschienen in den letzten Tagen immer wieder Hinweise auf neue Musik und vermeintliche Songtexte. Mit der digitalen Veröffentlichung von „Mea Culpa“, erhältich bei Itunes, Spotify und Co., kam zeitgleich die Ankündigung eines weiteren Albums namens „Vernissage my Heart„.  Dieses kann man schon auf Amazon im voraus bestellen und wird ab 22. Februar 2019 erhältlich sein.

Ab da ist das Doppelpack dann auch in physischer Form im Handel. Bis dahin gibt es ein Skiopening-Konzert in Zell am See am 08. Dezember. Im nächsten Jahr folgt eine ausgiebgie Tour im deutschsprachigen Raum von 06. April bis 24. August.

Gelassen in der „Lounge 2.0“

Bilderbuch bleiben auf dem neuen Album unkonventionell und experimentierfreudig. Dass Musikexperten gerade das Albumsformat regelmäßig für tot erklären, ist der Band egal. Denn die neun Lieder mit einer Gesamtlänge von nur 34:50 Minuten folgen einem stimmig-schlüssigen Erzählbogen. Dieser verläuft entspannter als das Vorgängeralbum, aber nach gleicher Methodik. So operiert Bilderbuch wie gehabt mit Musik-Referenzen, Synthesizer und verzerrten Soundschnipsel. Neben 70er Popfunk gibt es auf dem musikalischen Flickenteppich Ähnlichkeiten zu US-amerikanischen Hip-Hop und R&B-Musikern wie Kanye West und Frank Ocean.

So lädt zu Beginn ein grooviges Gemisch aus Acid Jazz, Trance und bluesigen Gitarren ein in die schwummrige Bilderbuch-Lounge. Hörbar ist das in der dritten Nummer mit dem passenden Titel  „Lounge 2.0“. Der Übergang des jazzigen Interludiums „Emotion“ mündet ins romantisch-melancholische Sehnsuchtslied „Mein Herz bricht“. Mit der Nummer „Megaplex“ kommt dann mehr Energie rein, gefolgt vom gitarrenlastigen „Memory Card“ in klassischer Bilderbuch-Manier. „Checkpoint (Nie Game Over)“ markiert den dramaturgischen Höhepunkt, bis man über das Abschlusslied „Aloe Vera“ geschmeidig zum Ende gleitet.

Bandmitglieder (v.l.n.r.) Maurice Ernst, Peter Horazdovsky, Philipp Scheibl und Michael „Mizzy“ Krammer © Maschin Records

Und ich such‘ nach etwas Liebe hier im Internet“

Inhaltlich behandeln die losen, deutsch-englischen Wortspiele überwiegend die Einsamkeit und Suche nach Liebe in einer digitalisierten Welt. „Sie ist online, immer online, aber kein Wort, nein“ heißt es in „Taxi, Taxi“, nachdem Sänger Maurice Ernst nüchtern die Glaubenssätze des benommen Protagonisten in Ich-Form besingt: „Ich glaube an Speed, ich glaube an Weed, Ich glaub‘ mir wird schlecht“. Begleitet von Lust („29 und ich brauch deinen Sex“) und Wehmut („Oh gib mir das Gefühl, dass ich etwas fühl“) führt die virtuelle Reise über Apps und Internet zum Kinocenter Hollywood Megaplex, „da wo sich das Licht in die Augen flext“. Schlussendlich landet man beim „Checkpoint“, welcher die Resignation relativiert: „Wir sind so oft gestorben, doch wir sind wieder da.“ Denn trotz der schwermütiger Erkenntnis, dass „No Love on LED Screen“ zu finden ist, vergeht der Trübsal auch schnell wieder in unbefangenen Nonsense-Lauten von Ernst.

Songtext aus „Taxi, Taxi“ © Bilderbuch

Grund zur Vorfreude

Bilderbuch entwickeln weiter ihren Stil, ohne sich von ihrem unverkennbaren Kern zu entfernen. In „Mea Culpa“ haben sie einen Gang zurückgeschalten. Ob sie das Tempo wieder hochfahren und die skizzenartigen Ideen des neuen Albums weiter ausformulieren, erfahren wir erst Ende Februar mit „Vernissage my Heart“. Eines ist jetzt schon sicher: Genug Stoff für die kommende Tour gibt es allemal.

Das Albumcover von „Vernissage my Heart“, erhältlich ab 22.Februar © Maschin Records

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Titelbild: Albumcover „Mea Culpa“ © Maschin Records