Online-Karrieretag: Persönlichkeit wichtiger als Qualifikation

Sie ist die schnellst wachsende Branche und sucht dringend junge Fachkräfte. Im Wiener Museumsquartier drehte sich gestern alles um die digitale Arbeitswelt. Wer darin Fuß fassen möchte, braucht vor allem Persönlichkeit und Teamgeist.

Zugegeben, die Messehalle war mit insgesamt 13 Ausstellern aus der Digital-Branche, überschaubar. Jobsuchenden in den Bereichen Business, Online-Marketing, Webdesign, Technik, Softwareentwicklung und Programmierung wurde dennoch einiges geboten. Personalberater und Start-up-Gründer sprachen über ihre Erfahrungen, was sie sich von Bewerbern erwarten und warum flache Hierarchien die Zukunft sind.

Insgesamt 13 Aussteller waren vertreten / © Online-Karrieretag

Mit Persönlichkeit überzeugen.

„Bewerber sollen selbstbewusst auftreten und ihr Wissen in vollem Umfang präsentieren“, erklärte die Personalberaterin Sylvia Huber. Der Auftritt beim Bewerbungsgespräch ist für die meisten Personalentscheider der wichtigste Entscheidungsfaktor. Mutig und frech sein. Wenn die Persönlichkeit überzeugt, sind Qualifikation und Vorbildung nicht so wichtig. „Lieber dreimal falsch abbiegen, aber dafür das Richtige finden“, sagte Fabian Köster von Facebook.  Von künftigen Mitarbeitern wird erwartet, dass sie flexibel und motiviert sind. Viel Wert wird auch auf die Bereitschaft gelegt, sich mit dem Unternehmen mit zu entwickeln.

Ohne technischem Basiswissen wird es aber schwierig. Dieses kann man schon beim Umgang mit den Bewerbungstools zeigen, wie Leonie Welp von Xing riet.

Lücken im Lebenslauf? Die mehrmonatige Weltreise oder das Aussteigerjahr sind für die meisten Unternehmen kein Problem. Solange die Unterbrechungen schlüssig erklärt werden können. Der Schlüssel zum persönlichen Bewerbungsgespräch ist das Motivationsschreiben. Es soll möglichst aussagekräftig und authentisch sein.

„Mutige Unternehmen schaffen flache Hierarchien.“

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und schafft damit ganz neue Arten von Jobs. Dieser Herausforderung müssen sich auch etablierte Branchen und Unternehmen wie die BAWAG stellen. Sie sieht sich nicht mehr als klassische Bank, sondern als Technologie-Unternehmen. Ähnlich sah das auch Ralf Schweighöfer von DHL und sagte: „Mutige Unternehmen schaffen flache Hierarchien. Das ist die Zukunft.“

Diese Form der Unternehmenskultur ist von Start-up-Unternehmen bekannt. „Wir arbeiten jetzt Start-up-mäßig. Das heißt, wir bauen Strukturen ab und arbeiten in flachen Hierarchien“, erklärte Claudia Oeking von Philipp Morris. Das Know-How wird direkt von den Start-ups eingeholt. Dazu zählt auch die Design-ThinkingMethode. Dabei werden Produkte und Lösungen aus Kundesicht erarbeitet. Übernommen wird nur, was sich bewährt. Für Oeking ist dies aktuell die beste Arbeitsweise, weil man schnell auf Veränderungen reagieren kann.

Um mit dieser Arbeitsweise erfolgreich sein zu können, braucht es „Teamplayer“. Mitarbeiter müssen gut im Team und abteilungsübergreifend zusammenarbeiten können.

„Tägliches Scheitern auf strukturierter Basis“

Wer vom eigenen Start-up träumt, sei gewarnt. Start-up-Gründer erzählten von ihren Erfahrungen.

Kambis Kohansal Vajargah (Moderator), Lukas Brunbauer (Changemycompany), Daniel Horak (CONDA), Gerrit Michael Kerkmann (adrule GmbH), Bettina Steinbrugger (erdbeerwoche), Bernd Sternberger (Startup Live), Christoph Cemper (LinkReserach Tools) / © Online-Karrieretag

Selbstständigkeit sei für die wenigstens von Ihnen das Ziel gewesen, sondern ein Mittel zum Zweck. Schlaflose Nächte, viel Risiko und jede Menge Ärger sind der Preis dafür. Spaß macht es ihnen trotzdem. Auch wenn es sich wie „Tägliches Scheitern auf strukturierter Basis“ anfühlt, wie Daniel Horak, der Gründer der Crowdinvesting Plattform CONDA erzählte.

Gerrit Kerkmann von der Onlinemarketingfirma adrule GmbH riet hingegen ganz vom eigenen Start-up ab: „Kann ich keinem empfehlen, das ist krasser Scheiss. Man ist 20 Stunden wach und verdient kein Geld.“ und appellierte an das Publikum: „Wir haben das ja jetzt für euch gemacht, bewerbt euch bei uns!“


Nähere Infos zum Programm und dem Termin für 2019 sind auf der Homepage oder auf Facebook zu finden.

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