WILLKOMMEN AUF PLANET VEGAN: Paradies für Pflanzen(fr)esser

Ganz ohne Fleisch, Milch und Ei – für viele unvorstellbar, dass es einem als Veganer trotzdem an nichts fehlen muss und warum die pflanzliche Lebensweise nicht bei der Ernährung aufhört, erfährt man auf der zweitägigen Messe „Vegan Planet“ im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK).

Österreichs größte vegane Messe, die Vegan Planet, fand am 1. und 2. Dezember im MAK mit einem abwechslungsreichen Programm und über 50 Ausstellern statt. Neben dem Verzehr von kulinarischen Köstlichkeiten konnten die Besucher mehr über die pflanzlichen Aspekte von Mode, Gesundheit, Kosmetik und das Thema Tierschutz erfahren.

Süß: mit oder ohne Zucker

Cupcakes, Torten und Kekse – sind auch vegan möglich – das beweist der Stand der Konditorei Zuckero – hier ist der Name Programm! Für Zuckerbäckerin Laura Dlabaja ist veganes Backen gar nicht schwer. „Zu beachten ist nur, dass der Fettgehalt von Eiern ersetzt wird, weil das Ganze hat auch eine gewisse Bindefunktion – wir verwenden stattdessen Sojamilch und Zucker“ erklärt Dlabaja.

Ganz ohne Zucker kommt das Start-Up FabFoods aus. Das junge Unternehmen produziert Smoothies zum Löffeln in drei Variationen. „Perfekte Ergänzung zum Work-Out und vollgepackt mit Superfoods“, beschreibt Mitbegründerin Laura Kastelein die Produkte.

Vegan von Kopf bis Fuß

Dass die pflanzliche Lebensweise nicht bei der Ernährung aufhört zeigen zahlreiche Messestände. Das polnische Kosmetikunternehmen Yope hat auch Haushaltsprodukten im Sortiment, „deren Inhaltsstoffe zu 90% natürlich sind und deren Verpackungen biologisch abbaubar sind“ erklärt Unternehmensgründer Feda Kovacevic. Die auf den Verpackungen abgebildeten Tiere stehen symbolisch dafür, dass weder tierische Inhaltsstoffe verwendet werden noch, dass die Produkte an Tieren getestet wurden.

Schneidermeisterin und Designerin Katharina Schattauer stellt ihre rein aus Biobaumwolle bestehende Yoga-Bekleidung unter dem Label handmade by CUT aus. „Es wird kein Plastik verwendet, es sind alles Einzelstücke, welche von mir in Salzburg hergestellt werden.“ sagt Schattauer.

Auch das italienische Unternehmen Bella Storia ist auf der Vegan Planet vertreten. Fabio Derosa produziert vegane Schuhe, welche sogar als Spezialanfertigungen für den jeweiligen Wunsch des Kunden hergestellt werden können. „Für die Schuhproduktion verwenden wir recycelte Materialien wie zum Beispiel Sicherheitsgurte oder Airbags von kaputten Autos, aber auch natürliche Materialien wie Brennnessel oder Hanf“, so der Schuhmacher.

Der Publikumsliebling

Ein weiterer Aussteller ist Dominik Gräf alias der Dattelbär. Er stellte seine Ernährung schon als Kind auf fleischlos um und ernährte sich irgendwann sogar hauptsächlich rohvegan. Ein Film prägte ihn als Junge und fortan wollte er, dass keine Tiere mehr für ihn leiden müssen.

Der Dattelbär zeigt, dass gesundes Naschen möglich ist! © AC Kainz

Eine optimale Energiequelle für diese Art der Ernährung sind Datteln – die erlesene Sukkari Dattel aus Saudi Arabien überzeugte Gräf mit ihrem honigartigen Geschmack: „Ich habe einfach gemerkt wie lecker das schmeckt und dann habe ich den Dattelbär gegründet.“ 

Angehenden Veganern rät Gräf sich zuerst theoretisch mit dem Thema zu befassen: „Es gibt viele tolle Youtuber, überhaupt viel guten Online-Content und auch Bücher, welche beweisen, dass sich da eine Welt auftut, die so vielfältig ist“. Das Unternehmen gewann dieses wie letztes Jahr auf der Messe den Vegan Award in der Kategorie Publikumsliebling.

Stimme für die Stimmenlosen

Magdalena Weber setzt sich politisch beim Tierschutz-Volksbegehren für einen besseren Umgang mit Tieren ein. Es soll hauptsächlich gegen die Intensivtierhaltung vorgegangen werden.

Magdalena Weber & Gerda Ulrich machen im Rahmen der Messe auf das Tierschutz-Volksbegehren aufmerksam © AC Kainz

„In Österreich gibt es zwar keine Legebatterien mehr, jedoch werden die Eier etwa aus Polen für die hiesige Gastronomie geliefert und wir wollen, dass auch die Kennzeichnungen diesbezüglich verbessert werden. Das betrifft auch Fleisch und wir gehen davon aus, dass, wenn mehr Menschen wüssten woher das Fleisch kommt, würden weniger Leute es essen wollen“, ist Weber überzeugt.

Der Tierschützerin ist bewusst, dass das vielen Veganern noch zu wenig ist, jedoch muss man die Mehrheit der Menschen bei dem Thema ansprechen damit sich etwas ändert. Das Volksbegehren soll unter anderem auch Missstände in der Hundezucht behandeln. Ab März kann man das überparteiliche und spendenfinanzierte Volksbegehren unterzeichnen. Bis die genauen Rahmenbedingungen dazu bekanntgegeben werden, kann man sich auf der Seite tierschutzvolksbegehren.at auf dem Laufenden halten.

Master of Body, Mind & Spirit

Mit seinem Vortrag  begeisterte der Natural-Bodybuilding-Weltmeister Patrick Reiser das Messe-Publikum mit seiner Philosophie über das Zusammenspiel von Körper, Verstand und Geist. Beim Natural-Bodybuilding wird gänzlich auf leistungssteigernde Medikamente verzichtet und es werden nur mittels gesunder Ernährung Muskeln aufgebaut.

„Wenn man sich selbst ändert – dann ändert man automatisch auch ein bisschen die Welt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit stehen wir vor drei globalen Herausforderungen, die früher oder später dazu führen könnten, dass der Mensch sich selbst abschafft: erstens der atomare Krieg, zweitens ökologische Katastrophen und drittens die technologische Destruktion“, so der Weltmeister.

All diese Herausforderungen können für ihn nur mit „Bewusstsein“ gelöst werden. Eine pflanzliche Ernährungsumstellung ist für Reiser die wichtigste Maßnahme gegen den Klimawandel. Des Weiteren fährt er kein spritvernichtendes PS-Monster, sondern ein reines Elektrofahrzeug: einen Tesla Model X.

Patrick Reiser beweist, dass der Bizeps vom Salat nicht schrumpft! © AC Kainz

Der 32-jährige Züricher war vor seiner athletischen Karriere als Versicherungsmakler tätig. Sport war für ihn jedoch immer schon ein Thema – er wollte seinen Körper von Anfang an durch gesunde Ernährung statt Doping aufbauen. Sein Wettkampfgewicht beträgt aktuell 76 Kilo bei unter 6 Prozent Körperfett und das bei einer Körpergröße von 1,76 Metern.

Reiser ernährt sich seit über drei Jahren rein pflanzlich. Sein bester Freund und Geschäftspartner hat ihn damals dazu bewegt einen Monat lang probeweise vegan zu leben. Dem Weltmeister wurde dabei klar, dass man auch mit einer pflanzlichen Ernährung sehr gut Muskeln aufbauen kann. Eine der größten positiven Veränderungen war für ihn eine verkürzte Regenerationszeit nach dem Training – für einen Profisportler ist das essentiell.

Je nachdem ob sich Reiser im Aufbau oder in einer Diät befindet, nimmt er unterschiedlich viel Protein zu sich. Während einer Aufbauphase versucht er auf 140 Gramm Protein pro Tag zu kommen. Seine präferierten Proteinquellen sind Linsen, Bohnen, Tofu, Quinoa, Hirse und Brokkoli. Als Nahrungsergänzungsmittel fügt Reiser Reis- oder Erbsenprotein in seinen Speiseplan ein.

 

Egal ob Veganer oder Allesfresser auf der rein pflanzlichen Messe gab es für die Besucher viel zu sehen und zu lernen. In allen Lebensbereichen ist es möglich, seinen Beitrag zu einer moralischeren und nachhaltigeren Welt zu leisten.  Die Vegan Planet zeigt wie vielfältig eine solche Lebensphilosophie sein kann.

 

Weitere Infos zum veganen Lebensstil:

https://www.vegan.at

 

Titelbild © AC Kainz