„Wir haben nichts zu verlieren.“

Die „Omas gegen Rechts“ haben Geburtstag. Bereits seit einem Jahr mobilisieren sie gegen die österreichische Regierung.  Im Stadtkino Wien wurde am sechsten Dezember mit dem Filmklassiker „Madame Rosa“ gefeiert.

Kein Geburtstag ohne Ständchen. Das lassen sich auch die KinobesucherInnen des Stadtkinos nicht nehmen. Sie besingen das einjährige Bestehen der „Omas gegen Rechts“ und eröffnen damit die Geburtstagsfeier. Diese findet erstmalig im Rahmen des Widerstandkinos statt. Eine monatliche Veranstaltungsreihe zu aktuellen Themen, moderiert von Anja Salomonowitz und Miriam Unger.

Alt sein heißt nicht stumm sein!

Seit bereits einem Jahr treten die Omas gegen Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Faschismus und Menschenverachtung ein. Die Sorge, dass unter der ÖVP-FPÖ-Regierung die Demokratie abgebaut wird, ist groß. Man muss die Probleme erkennen, benennen und konkret politischen Widerstand organisieren, so die Gründerinnen Monika Salzer und Susanne Scholl.

Genau das tun Salzer und Scholl auch seit bereits einem Jahr. Mit ihrem Motto „Alt sein heißt nicht stumm sein!“ erheben sie bewusst die Stimme der älteren Frau. In dem Grundsatztext der Omas findet man ihre Beweggründe: Ältere Frauen sind in unserer Öffentlichkeit unterrepräsentiert. Sie wollen daher als Gruppe auftreten und gemeinsam für die Zukunft ihrer Kinder und Enkelkinder eintreten. „Unsere Töchter arbeiten und sind  mit ihren Familien beschäftigt. Sie haben oft gar keine Zeit sich auch noch um die großen gesellschaftlichen Probleme zu kümmern.“, meint Monika Salzer im Interview mit Miriam Unger. „Wir haben die Zeit und  nichts zu verlieren.“

Monika Salzer und Susanne Scholl im Interview (Foto: Selina Holešinsky)

Die Mütze zum Widerstand

Die Omas nehmen sich kein Blatt vor den Mund. Sie setzen sich höchstens eine rosa Strickmütze auf. Die Mützen sind mittlerweile zum Symbol des Widerstandes geworden. Sie helfen den Omas, aufzufallen, selbst wenn sie alleine auftreten. Doch die Sorge, dass die Omas zu Einzelgängern werden könnten, ist unbegründet. Immer mehr stoßen dazu. Auch Opas und Jüngere fühlen sich willkommen. Mittlerweile zählt die Facebook-Gruppe bereits mehr als 3.500 Mitglieder und fast 10.000 Facebook-Fans. Selbst in Deutschland organisieren sie sich bereits.

Omas, Omas, uns braucht das Land

Gemeinsam gehen die Omas auch jeden Donnerstag auf die Straße um gegen die Regierung zu demonstrieren. Sie wollen für ihre Werte einstehen. Dafür haben sie auch einen Song geschrieben. Das Oma-Lied. Es ist zu ihrer Hymne geworden und sorgt gleichzeitig für Aufsehen. Genau das wollen sie erreichen. Die Aufmerksamkeit der Medien und Menschen hilft ihnen, ihren Botschaften Gehör zu verleihen. Vor allem internationale Medien berichteten bereits ausführlich über die Omas.

Die Omas, wünschen sich was

Zum Geburtstag der Omas im Stadtkino durften die beiden Gründerinnen einen Filmwunsch äußern. Ihre Auswahl fiel auf „Madame Rosa“. Ein französischer Filmklassiker aus 1977. Darin kümmert sich eine ehemalige Prostituierte und Überlebende des Holocaust, trotz schwerer gesundheitlicher Probleme, um die Kinder von jungen Prostituierten. Sie versucht die Kleinen nach ihren eigenen Vorstellungen und Werten zu erziehen. Bis zu ihrem Tod hofft Madame Rosa auf eine bessere Zukunft.

Titelbild: Offizielle Fanseite