Koloman Moser: ein Mann der tausend Künste

Koloman Moser ging seinen eigenen Weg, erfand sich immer wieder neu und war alles, nur kein Mitläufer: Zu Ehren seines 100. Todesjahres widmet das Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) dem Universalkünstler eine Ausstellung. Seine vielfältigen Werke sind dort noch bis zum 22. April 2019 ausgestellt.

Der Künstler Koloman Moser gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Wiener Moderne und als einer der einflussreichsten Künstler des Wiener Jugendstils. Er war Mitbegründer der Secession (Vereinigung bildender KünstlerInnen und Ausstellungsgebäude zeitgenössischer Kunst in Wien, Anm.) und beschäftigte sich als Universalkünstler mit Malerei, Grafik, Mode, Bühnenbildern, Innenraumgestaltung und war im Kunstgewerbe tätig. Zu seinem 100. Todesjahr zeigt das Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) rund 500 Exponate, wovon viele der Öffentlichkeit zum ersten Mal zugänglich sind.

Seinen Weg gehen

Mosers Werke sind in der Ausstellung nach fünf Etappen seines Werdegangs angeordnet. In chronologischer Reihenfolge wird zusätzlich auf roten Plakaten sein Lebenslauf beschrieben.

MAK-Ausstellungsansicht, 2018 I KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann I
MAK-Ausstellungshalle I
© Aslan Kudrnofsky/MAK

Moser ging in seinem Leben stets seinen eigenen Weg. Geboren 1868 in Wien, zeigte er schon in seiner Schulzeit Interesse an künstlerischen Tätigkeiten: Er band seine Bücher selbst, baute seine Hasenställe selber und lernte vom Schneider nähen. Nach seiner Grundschulzeit besuchte er die Handelsschule im 1.Bezirk in Wien, sollte dann auf Wunsch seines Vaters eine Anstellung in einem Seifen- und Parfümeriegeschäft annehmen.

 

„Natürlich war ich von der Seifenzunft nicht sehr entzückt, umso mehr, als sich künstlerische Anlagen bescheiden zu regen begannen“


Koloman Moser (1916),“Vom Schreibtisch und aus dem Atelier. Mein Werdegang“ in Velhagen & Klasings Monatshefte

 

Heimlich nahm er  Zeichenunterricht, bestand die Aufnahmeprüfung an der Akademie der Bildenden Künste und wandte dem Seifenverkauf den Rücken zu – sein Vater akzeptierte die Entscheidung. Was folgt sind künstlerische und lehrende Tätigkeiten in den Bereichen Grafik, Kunsthandwerk und Malerei, wobei er immer wieder überraschte.

Der Tausendkünstler

Die von Elisabeth Schmuttermeier und Christian Witt-Dörring kuratierte Ausstellung gibt einen Einblick in Mosers verschiedene Tätigkeiten. Sie zeigt in der einen Hälfte zahlreiche Illustrationen und Entwürfe Mosers, unter anderem für Bücher, Briefpapier, Werbeplakate und Stoffe.

Koloman Moser, Stoffmuster Palmenblatt, 1898 I Ausführung: Joh. Backhausen & Söhne I
© MAK/Katrin Wißkirchen

„Bei dieser Ausstellung haben wir das Glück, dass wir aus einer Fülle von zeichnerischem Entwurfsmaterial auswählen können. Das MAK hat nach dem Tod Mosers aus dessen Nachlass ungefähr 2500 Zeichnungen erwerben können und anhand dieses Bestandes können wir den künstlerischen Entwurfsprozess nachvollziehen“, sagt Christian Witt-Dörring in einem vom MAK veröffentlichten Video zur Ausstellung.

1897 ist Moser Mitbegründer der Wiener Secession, einer Vereinigung bildender Künstler in Wien. Das Wiener Secessionsgebäude ist bis heute ein wichtiges Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst in Wien. Vom Konzept des Gesamtkunstwerks der Secession inspiriert widmete sich Moser dann ausschließlich der Ausstellungs-, Bühnen- und Innenraumgestaltung sowie der Mode. Es entstanden in Zusammenarbeit mit dem Architekten und Designer Josef Hoffmann Innenraumkonzepte, die als Wiener Raumkunst international bekannt wurden.

Mit Hoffmann und dem Unternehmer Fritz Waerndorfer zusammen gründete Moser im Jahr 1903 die Wiener Werkstätte. Sie war eine Produktionsgemeinschaft bildender Künstler. In der Wiener Werkstätte angefertigte Innenräume und Möbel sind in der zweiten Hälfte der Ausstellung zu sehen.

MAK-Ausstellungsansicht, 2018 I KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann MAK-Ausstellungshalle I © Aslan Kudrnofsky/MAK

Gegen Ende seines Lebens und bis zu seinem Tod 1918 widmete sich Moser fast ausschließlich der Malerei. Gezeigt werden in der Ausstellung mehr als 20 Gemälde Mosers, unter anderem das erstmals präsentierte Werk Männlicher Akt. In dieser Zeit erscheint auch seine Autobiografie Vom Schreibtisch und aus dem Atelier. Mein Werdegang, in der er sich über die Gleichgültigkeit der Kunst gegenüber beschwert.

 

„Es ist jetzt wieder eine träge und stille Zeit und man sehnt sich nach einer stürmischen Bewegung wie vor fünfzehn, zwanzig Jahren. An Unzufriedenheit fehlts auch heute gewiss nicht, aber vielleicht an einer Jugend, die es laut und heftig ausspricht.“


Koloman Moser (1916), „Vom Schreibtisch und aus dem Atelier. Mein Werdegang“

 

Koloman Moser, Männlicher Akt (gelb und blau), um 1913 Privatbesitz I © Belvedere, Wien Vienna/Johannes Stoll

 

Sturm und Drang nach Veränderung

In seinen jüngeren Jahren war es alles andere als träge und still und war er unzufrieden, handelte er. Zusammen mit einigen anderen Malern und Architekten gründete er den Siebener-Club und trat in die Genossenschaft der Bildenden Künste Wiens ein – nur um ein gutes halbes Jahr später wieder auszutreten und mit 19 weiteren Künstlern die Secession zu gründen:

„Den Anlass gab, außer verschiedene grundsätzliche künstlerische Fragen, das damals unleidlich gewordene Kliquenwesen im Künstlerhause.“


Koloman Moser (1916), „Vom Schreibtisch und aus dem Atelier. Mein Werdegang“

 

Im Rahmen der Secession beteiligte sich Moser an vielen Ausstellungen und gründete wenig später mit Hoffmann und Waerndorfer die Wiener Werkstätte.

„Die Erfolge des Wiener Kunstgewerbes führten schließlich zur Gründung der Wiener Werkstätte. Die Wiener Werkstätte sollte ein kunstgewerblicher Brennpunkt für vernünftiges und geschmackvolles vor allem aber ehrliches Arbeiten in den verschiedenen Stoffen sein“


Koloman Moser (1916), „Vom Schreibtisch und aus dem Atelier. Mein Werdegang“

 

Nach acht Jahren trat Moser dann aufgrund Interessenskonflikte aus der Secession aus, nach fünf Jahren aus der Wiener Werkstätte. Seine Kritik galt vor allem der teuren Herstellung und der Priorität des Kundenwunsches.

Zwischen all seinen Gründungs- und Künstlertätigkeiten unternahm er viele Reisen und ließ sich von anderen Künstlern und Kunsttechniken inspirieren. So war er auf Ausstellungen in Rom und Düsseldorf anzutreffen und verwendete japanische Färbschablonen auf seinen Stoffentwürfen. Seinen Lebensweg begleiteten unter anderem Künstler wie Gustav KlimtOtto Wagnerund Egon Schiele. Am 18. Oktober 1918 starb er. Das bewegte Leben eines Tausendkünstlers fand sein Ende.

 

Tipp: Besucher der MAK-Ausstellung zu Koloman Moser erhalten mit dem MAK-Ticket ermäßigten Eintritt zur Ausstellung Anwendungen. Koloman Moser und die Bühne im Theatermuseum (bis 22. April 2019), die erstmals Mosers Theaterarbeiten in ihrer Gesamtheit zeigt.

Weiterführende Links:

Theatermuseum Wien

Digitale Bibliothek Wien : Moers Schriftverkehr und Aufzeichnungen 

Titelbild: Anonym, Porträtfotografie Koloman Moser, um 1903
© MAK