“Der Mensch ist ein Volltrottel”

Mit “HOMO IDIOTICUS – Eine Kulturgeschichte des Trottels” füllt Michael Niavarani seit vergangenem November wieder das “Globe Wien” in der Marxer Halle. Im knapp dreistündigen Programm untersucht Niavarani die Entstehung des “homo idioticus”. Er begibt sich “auf die Suche nach dem größten Trottel und hofft sehr, dabei auf keinem Selbstfindungstrip zu sein.”

Beim lockeren Einstieg erklärt der Kabarettist zunächst die Unterschiede zwischen einem Trottel, Volltrottel, Sautrottel, Wappler und Koffer. Er spricht über sein Älterwerden, sein Essverhalten, über Nahrungsergänzungsmittel.

Niavaranis Kabarettprogramm füllt das „Globe Wien“ in der Marxer Halle. ©Anja Malensek

Von urlustig zu todernst

Auch für ernste Themen nimmt sich Niavarani in seinem Solo-Kabarettprogramm die Zeit. Er kritisiert die Massentierhaltung als den größten von Menschen verursachten Beitrag zur globalen Klimaerwärmung.

“Nur dem Strache ist nicht so klar, ob der Klimawandel von Menschen gemacht ist,” sagt  Niavarani. “Das ist ihm nicht ganz klar. Er ist nicht ganz klar.”

HOMO IDIOTICUS sei in vielen Punkten biographisch. Der 50-Jährige erzählt unter anderem von seiner Schulzeit: “Ich bin aus der Schule ausgetreten, nachdem ich zweimal sitzengeblieben bin. Ja, es war eine Glaubensfrage.” Vor allem habe es ihn gestört, dass kein Lehrer seine Frage nach “Warum” beantworten konnte. Niavarani brach die Schule mit 16 ab. Jahre später verlieh ihm sein Ex-Gymnasium eine Ehrenmatura.

HOMO IDIOTICUS ist noch bis Ende Jänner 2019 in Wien zu sehen. ©Anja Malensek

Mit drei Romys gekrönter “halber Perser, halber Österreicher” (wie er sich selbst bezeichnet) ist auch Schauspieler und Autor mehrerer Romane und eines Theaterstücks. 2011 wurde Niavarani zum “Lustigsten Österreicher” gewählt.

„Die Regierung ist eine Love-Story“

Die österreichische Regierung nimmt er schonungslos ins Visier: “Es gibt wunderschöne Erzählungen. Es ist die beste Show, die es jemals gegeben hat.” Ein großes Problem sieht Niavarani vor allem in der fehlenden Streitkultur. “Die Regierung streitet nicht. Meine Damen und Herren, in der Politik ist es das Wichtigste, zu streiten.” Die Regierung, hingegen, sei eine Love-Story. In der sich alle nur bedanken, sich zunicken und sich tief verbeugen.

Nur sein “Liebling” Heinz-Christian Strache wirke mit der neuen Brille ohne Rand oft etwas verloren, “weil alles, was er sagen wollte, schon Kurz gesagt hat.”

Der Akademikerball wird in der niavaranischen Sprache zum “deutschnationalen Volltrotteltreffen”, bei dem “Camembert-Schachterl am Kopf” getragen werden. Die Burschenschafter „fühlen sich so verfolgt wie die neuen Juden, das haben sie wirklich so gesagt. Das tut uns so leid.“

Auch zum Einsatz der Polizeipferde macht sich der Kabarettist Gedanken. Er fragt sich, ob der Begriff “berittene Polizei” nicht etwa verkehrt ist. „Man reitet ja ned aufm Kiwara!“ Er versteht auch nicht, wie man mit Pferden gegen den Islamismus kämpfen kann.

“Opposition haben wir ja auch. Das sind die, die in Diktaturen in Gefängnissen sitzen und nix sagen“, so Niavarani. “Bei uns machen sie das im Parlament.“ Die SPÖ habe sich per Notruf eine Ärztin zur Rettung geholt.

Die beste Zeit, die es je gegeben hat

Niavarani kritisiert die –  seiner Ansicht nach – unberechtigte Ängstlichkeit von Menschen. Wir würden immer und überall Angst haben, es gebe unzählige Allergien und Unverträglichkeiten. „Wir nehmen den Kindern das Vertrauen ins Leben,“ warnt er. „Dabei leben wir in der besten Zeit, die es für die Menschen jemals gegeben hat. „

Im Schnitt gebe es heute weniger Kriege, Gewalt und Armut als je zuvor – auch wenn das gegen unser subjektives Empfinden spricht. „Wir haben es so weit geschafft. Vielleicht ist der Mensch also doch kein Volltrottel.“

Foto: „Homo Idioticus“ Michael Niavarani © Jan Frankl

http://www.niavarani.at/

https://tv.orf.at/highlights/programmschwerpunkt/niavarani102.html

https://www.lovelybooks.de/autor/Michael-Niavarani/