„Wir Staatskünstler“-Jahresrückblick: „Legal, illegal, scheißegal“

Vom 27.12 bis 31.12 fand dieses Jahr wieder der Jahresrückblick der „Staatskünstler“ im Rabenhof Theater in Wien statt. Die Kabarettgruppe, bestehend aus Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba, ließ zum vierten Mal das politische Jahr in Österreich Revue passieren. Zum ersten Mal wird der Rückblick nicht auf ORF ausgestrahlt.

Im Herbst 2017 verkündete der ORF, dass der Jahresrückblick der Kabarettgruppe „Wir Staatskünstler“ nicht mehr ausgestrahlt werden würde. Demnach sollte die Aufführung im Rabenhof Ende 2017 auch die letzte sein, die im Fernsehen zu sehen sein werde. Der Rückblick auf das Jahr 2018 war dann nur mehr exklusiv auf den Theaterbühnen Österreichs zu erleben.

Das Rabenhof Theater in Wien-Landstraße
Das Rabenhof Theater im dritten Wiener Gemeindebezirk (c) Astrid Eisenprobst

ORF gegen „Staatskünstler“

Die „Staatskünstler“ entstanden 2011. Damals verlasen die drei Kabarettisten Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba im Audimax-Hörsaal der Universität Wien die Telefonprotokolle aus der BUWOG-Affäre. Darauf folgte eine Sendung auf ORF eins im Rahmen der „Donnerstag Nacht“, dem Vorläufer von „Die.Nacht“. Die Sendung zeichnete sich dadurch aus, dass sich Maurer, Palfrader und Scheuba nicht davor scheuten, Politikerinnen und Politiker direkt zu konfrontieren. 2017 strich der ORF die Sendung aus dem Programm.

Ihre direkte Art, auf Personen des öffentlichen Lebens zuzugehen, könnte möglicherweise ein Grund dafür gewesen sein, warum der ORF die Sendung absetze. Beim Jahresrückblick 2017 erklärten die „Staatskünstler“, dass das plötzliche Aus der Übertragung in direktem Zusammenhang zu ihren Ermittlungen rund um die Dr.-Erwin-Pröll-Privatstiftung stünde. Sie hatten sich dabei filmen lassen, wie sie sich auf die Suche nach deren Büroräumlichkeiten begaben. Angeblich ging das dem ORF zu weit.

Laut der Facebook-Seite der Kabarettisten hat die Streichung ihrer Sendung etwas damit zu tun, die „Message Control im Bereich politische Satire und unbotmäßige Fragen zu straffen.“ Das habe sich kurz nach der Nationalratswahl 2017 so ergeben. In einem Video auf Facebook verkündet Maurer: „Wenn Sie, voll Vorfreude, auf den ‚Staatskünstler‘-Jahresrückblick am 21. Dezember ORF eins um 21:50 anschalten, dann …“, bevor Palfrader enhüllt, „… werden Sie schauen, aber nix sehen, weil uns ‚Staatskünstler‘ gibt’s im ORF nicht mehr“.

Alte Sofas und Putin-Tassen

Beim diesjährigen Auftritt im Rabenhof gibt es nur einen kurzen Hinweis darauf, dass der Rückblick nur auf der Bühne gezeigt wird. Sonst merkt man die Abwesenheit des ORFs vor allem am kahlen Bühnenbild. Der große, weiße Schriftzug „Im Namen der Republik“ und die modernen, hellen Möbel werden durch ein abgewetztes Sofa, einen schäbigen Sessel und einen unscheinbaren Tisch ersetzt. Die Bar, die sonst immer fester Bestandteil des Bühnenbilds war, wird am Anfang von Palfrader selbst errichtet, der Sekt in einer Putin-Tasse serviert.

Maurer, Scheuba und Palfrader vor dem alten Bühnenbild
Maurer, Scheuba und Palfrader vor dem alten Bühnenbild, (c) Ingo Pertramer

Während der ersten Hälfte des Programms zeigen die „Staatskünstler“ ein Video, in dem sie die drei Oppositionsparteien SPÖ, NEOS und JETZT konfrontieren. Sie statten den jeweiligen Parteizentralen unangemeldet einen Besuch ab. Dabei suchen sie nach Antworten auf die Frage, was die Opposition eigentlich für Arbeit leiste. Die Suche ist erfolglos.

Auch die FPÖ wird kritisiert, vor allem wegen der angeblichen Abhöraffäre rund um Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Nach der Wanze ist nun eine Überwachungskamera in seinem Büro installiert. Ein weiteres Video zeigt, wie Vizekanzler Strache seinen Tag verbringt: Er starrt in die Luft, beantwortet Emails und versucht, sich telefonisch zu Bundeskanzler Sebastian Kurz durchstellen zu lassen.

Über den Tellerrand hinaus

In der zweiten Hälfte des Abends wird der Kommentar der „Staatskünstler“ internationaler. Es geht um Asylwerber und Salisbury, wo ein ehemaliger russicher Doppelagent und seine Tochter im März 2018 vergiften worden waren. Auch die BVT-Affäre wird groß aufgerollt, es wird aus Einvernahmen von Zeugen zitiert, unter anderem Anton H., Belastungszeuge: „Ich kann mich überhaupt nicht erinnern an irgendwas.“ Laut Maurer der perfekte Titel für einen Jahresrückblick.

Der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser spielt eine kleinere Rolle als erwartet. In den Jahren davor war die zweite Hälfte des Abends immer ihm und der BUWOG-Affäre gewidmet gewesen, da sich die Staatskünstler deswegen zusammengetan hatten. Dieses Jahr ist Grasser fast nur noch eine Fußnote im Programm.

Die ÖVP findet im Jahresrückblick sonst keine Beachtung. Am Ende des Abends entwerfen Maurer, Palfrader und Scheuba in einem Video eine Uniform für Innenminister Kickl. Dann verkleiden sie sich als Mitglieder der Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt und spielen einen Sketch vor. Inhalt ist die Liederbuch-Affäre rund um Udo Landbauer, Abgeordneter zum niederösterreichischen Landtag. Wenn sie dann die Lieder vorsingen, wirkt es so, als ob sich die drei Kabarettisten mehr trauen würden, als noch vor einem Jahr. Wenigstens laufen sie nicht mehr Gefahr, vom ORF abgesetzt zu werden.

Titelfoto: Die Staatskünstler (c) Chili Gallei/Rabenhof

Weiterführende Links:

Facebook-Seite der „Staatskünstler“ 

Das Rabenhof Theater

Weitere Termine im Rabenhof Theater:

20. Jänner 2019, 20:30

17. Februar 2019, 20:30

Die Jahresbilanz im Globe Wien:

24. Februar 2019, 18:30