Wir Staatskünstler-Jahresrückblick: „Legal, illegal, scheißegal“

Vom 27.12 bis 31.12 fand auch dieses Jahr wieder der Jahresrückblick der Staatskünstler im Rabenhof Theater in Wien statt. Die Kabarettgruppe, bestehend aus Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba, ließ zum vierten Mal das politische Jahr in Österreich Revue passieren. Zum ersten Mal wird der Rückblick nicht auf ORF eins ausgestrahlt.

Die Kabarettgruppe Wir Staatskünstler entstand 2011. Damals verlasen die drei Kabarettisten Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba im Audimax-Hörsaal der Universität Wien die Telefonprotokolle aus der BUWOG-Affäre. Darauf folgte eine Sendung auf ORF eins im Rahmen der „Donnerstag Nacht“, dem Vorläufer von „Die.Nacht“. Die Sendung zeichnete sich dadurch aus, dass sich Maurer, Palfrader und Scheuba nicht davor scheuten, Politikerinnen und Politiker direkt zu konfrontieren. 2017 strich der ORF die Sendung aus dem Programm.

Das Rabenhof Theater in Wien-Landstraße
Das Rabenhof Theater im dritten Wiener Gemeindebezirk (c) Astrid Eisenprobst

„Man merkt, dass der ORF nichts mehr zu sagen hat“

Schon im Vorjahr wurde im Zuge des Jahresrückblicks darauf hingewiesen, dass der ORF die Sendung aus dem Programm nehmen wird. Dieses Mal merkt man das vor allem am kahlen Bühnenbild, das nur aus einem alten Sofa, einem alten Sessel und einem kleinen Tisch besteht. Die Bar, die sonst immer fester Bestandteil war, wird am Anfang von Palfrader selbst errichtet, der Sekt in einer Putin-Tasse serviert.

„Man hat irgendwie gemerkt, dass der ORF nichts mehr zu sagen hat,“ meint Julia. Sie ist jedes Jahr dabei, wenn der Jahresrückblick der Staatskünstler im Rabenhof über die Bühne geht, auch wenn sie einen Großteil des Jahres nicht in Österreich verbringt. „Ich gehe schon ein paar Jahre regelmäßig hin und fand es dieses Jahr, politisch gesehen, sehr treffend. Es gab auch schon mal Jahre, da war das nicht so regierungskritisch.“

Die drei Oppositionsparteien SPÖ, Neos und JETZT werden gleich am Anfang von Maurer, Palfrader und Scheuba in einem längeren Video konfrontiert. Nach drei spontanen Besuchen in den jeweiligen Parteizentralen finden sie keine Antwort darauf, was die Opposition eigentlich für Arbeit leistet. Auch die FPÖ wird fleißig kritisiert, vor allem wegen der angeblichen Abhöraffäre rund um Vizekanzler Strache. Wenn dann gegen Ende auch noch Lieder aus dem Liederbuch der Burschenschaft Germania umgedichtet werden, scheint es immer wahrscheinlicher, dass der Jahresrückblick in dieser Form nicht auf ORF eins ausgestrahlt worden wäre.

Banner mit der Aufschrift "Kickl, Du Waldhäusl!"
Eines der beiden Banner, die in der Pause aufgestellt wurden. (c) Astrid Eisenprobst
Banner mit der Aufschrift "HundsKickl? NEIN DANKE!"
Das Publikum wurde dazu angehalten, sie zu fotografieren und auf Social Media zu posten. (c) Astrid Eisenprobst

Grasser und die ÖVP

„Leider kam die ÖVP gar nicht vor, außer ein paar Witze über Grasser,“ zeigt sich Michael* nach der Aufführung enttäuscht. Er hätte sich mehr Kritik an der türkisen ÖVP gewünscht, nicht bloß an der ÖVP der Regierung der Nullerjahre. Denn natürlich spielt Österreichs ehemaliger Finanzminister Karl-Heinz Grasser auch dieses Jahr wieder eine Rolle, da sich die Staatskünstler auch wegen ihm zusammengetan haben. Doch sonst vermisst man Kritik an der ÖVP im diesjährigen Programm.

„Ich fand es war enttäuschend. Ich musste nur manchmal leicht schmunzeln,“ findet auch Michaels Freund Tobias*. Er ist zum ersten Mal bei einem Jahresrückblick der Staatskünstler. Von Julias Begeisterung für das diesjährige Programm fehlt bei ihm jede Spur.

Julia sieht das nicht ganz so kritisch. „Ich finde es schade, dass es nicht so viele Witze über die ÖVP gab, allerdings ist die FPÖ einfach noch ein Stück unverschämter im Vergleich.“

„Ich kann mich überhaupt nicht erinnern an irgendwas“

Der Jahresrückblick der Staatskünstler im Rabenhof ist eine gute Möglichkeit, sich noch einmal in Erinnerung zu rufen, was im vergangenen Jahr alles passiert ist und gewisse Ereignisse mit einer Prise Humor zu verarbeiten. „Ich finde, es ist ein guter Weg zu erfahren, was über das Jahr so war, weil ich manches nicht mitbekommen habe,“ nennt Hannah einen der Gründe, warum sie sich den Jahresrückblick anschaut.

Die Staatskünstler selbst geben ihrem Programm den Untertitel „Ich kann mich überhaupt nicht erinnern an irgendwas“, ein Zitat eines Zeugen aus der BVT-Affäre. Wer sich an das vergangenen politische Jahr in Österreich erinnern will, muss in Zukunft einen der Live-Termine der Staatskünstler wahrnehmen, denn im ORF wird der Rückblick die nächsten Jahre nicht zu sehen sein.

Titelfoto: Die Staatskünstler (c) Chili Gallei/Rabenhof

*Name geändert

 

Weitere Termine im Rabenhof Theater

20. Jänner 2019, 20:30

17. Februar 2019, 20:30