Europäische Gemälde treffen japanische Holzschnitte

Die Ausstellung „Faszination Japan“ zeigt, was die Maler Monet, Klimt, Van Gogh und weitere europäische Künstler um 1900 von „Ukiyo-e“, also japanischen Holzschnitten, und anderen japanischen Werken in ihren Gemälden übernahmen. Bis zum 20. Jänner läuft die Ausstellung im Kunstforum der Bank Austria in Wien.

Gemälde von Claude Monet und zahlreichen weiteren Malern um 1900 und Ukiyo-e (japanische Holzschnitte) vom Meister der Holzschnitte Utagawa Hiroshige und seinen Zeitgenossen hängen in der Ausstellung „Faszination Japan“ im Kunstforum in Wien einander gegenüber und nebeneinander. So sehen Besucherinnen, welche japanischen Motive und Stile die europäischen Maler wie in ihren Werken weiterverwendeten.

Ukiyo-e-Stil in europäischen Gemälden

Das Schlüsselgemälde „Orchestermusiker“ des Malers Edgar Degas nutzt den Ukiyo-e-Stil, indem es einen Mittelpunkt vermissen lässt, einen Musiker halbiert im Bild präsentiert und hart Vordergrund vom Mittelgrund trennt.

Edgar Degas: "Orchestermusiker“
Edgar Degas: „Orchestermusiker“ | (c) Bank Austria Kunstforum Wien

Der Maler Paul Gauguin wiederum verwendete nach japanischem Ukiyo-e-Vorbild keine Schattierung in seinem Gemälde „Die rote Kuh“. Stattdessen setzte er leuchtend, kräftige Farben ein, um vereinfacht die Kuh und die Landschaft in der Bretagne darzustellen.
Der Maler Paul Klee auf der anderen Seite übernahm das hohe Format der japanischen Rollenbilder in seinen Gemälden von der „Aaare-Flusslandschaft“. Darin schichtet es die Flächen wie in Ukiyo-e übereinander.

Paul Klee: "Aaare-Flusslandschaft"
Paul Klee: „Aaare-Flusslandschaft“ | (c) Bank Austria Kunstforum Wien

Motive nach japanischem Vorbild

Abgesehen vom Stil haben diese europäischen Maler auch japanische Motive übernommen. So zeigt „Die Morgentoilette“ von Degas als eines der ersten Werke um 1900 eine einfache Frau, die keine Adligen ist, im Alltagsmoment.
Apropos Frauen: Die Ausstellung enthält auch Werke von Künstlerinnen wie etwa von der Malerin Marianne von Werefkin. Ihr Gemälde „Schneewirbel“ übernimmt die Form der Brücke aus dem Gemälde „Die Trommelbrücke beim Teijin-Schrein“ des Malers Katsushika Hokusai. Auch das Vorsatzpapier der Künstlerin Maria Zeiller findet sich in der Ausstellung.

Gewänder, Plakate, Paravents im Japan-Stil

Europäische Künstler und Künstlerinnen um 1900 haben nicht nur in Gemälden japanische Motive rezipiert. Auch ein Festgewand für das Haus Wittgenstein mit schwarzweißen Ranken im Stil der japanischen Papierschablonen „Katagami“ zum Einfärben von Kimonostoffen enthält die Ausstellung. Dort finden sich auch französische Werbeposter des Malers Henri de Toulouse, die im Steindruckverfahren hergestellt sind, und der Paravent „Der Spaziergang der Amme“ von dem Maler Pierre Bonnard. Der Paravent zeigt europäische Kutschen und Menschen in Fellmänteln in japanischen Kompositionen.

Pierre Bonnard: „Der Spaziergang der Amme“
Pierre Bonnard: „Der Spaziergang der Amme“ | (c) Evangelista Sie

Europas Begeisterung von Japan

Auch von der japanischen Geisterwelt borgten sich die europäischen Künstler Motive. So enthält das Gemälde „Großes Nachtpfauenauge“ des Malers Vincent van Gogh das Gesicht eines Naturgeistes. Das Gemälde „Nixen – Silberfische“ des Males Gustav Klimts hingegen erinnert an die schlangenartige Geisterfrau aus dem Fass von Hokusais „Tellerhausgespenst“.
Dabei war Klimt – wie auch viele seiner Zeitgenossen – niemals in Japan! Er lernte aus Büchern und von seinen Ukiyo-e-Sammlungen. Damit habe er, wie andere europäische Maler um 1900, ein Bild von Japan als Sehnsuchtsort gemalt, den es in der Realität nicht gäbe, sagt die Kuratorin der Ausstellung, Evelyn Benesch.
Insgesamt zeigt also die Ausstellung „Faszination Japan“, wie Klimt und andere europäische Künstler um 1900 Japan gesehen und rezipiert haben. Die Ausstellung läuft noch eine Woche täglich bis zum 20. Jänner 2019 im Kunstforum Wien.

Mehr Informationen gibt es unter www.kunstforum.at.