„Satire muss weh tun, sonst ist es keine Satire.“

Er ist einer der erfolgreichsten Kabarettisten im deutschsprachigen Raum. Urban Priol, der Bayer mit Stromfrisur war gestern mit seinem satirischen Jahresrückblick im Wiener Stadtsaal zu Gast. Auch abseits der Bühne engagiert sich Priol politisch, die Wirkung seiner Arbeit sieht er aber eher bescheiden.

Die Haare, als hätte er gerade in einen Stromkreis gegriffen, rote Brille, das Hemd gewohnt farbenfroh und ein großes Glas Weizenbier in der Hand. Allein optisch bietet Urban Priol schon unterhaltungswert. Das Bühnenbild im ausverkauften Stadtsaal war mit einem Stehtisch schlicht gehalten. Dafür war sein politischer Rundumschlag umso heftiger. Der Programmbeginn um 20:00 Uhr, hatte ihn zunächst verwirrt: „Der Wiener steht doch vor 18:00 Uhr nicht auf.“ Die erste Spitze gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Es sollte nicht die letzte bleiben.

Urban Priol als Angela Merkel © Prisma

Der Satire-Vorschlaghammer

Seit 2002 präsentiert Urban Priol jährlich von November bis Jänner seinen satirischen Jahresrückblick „TILT“. Eine gewohnt harte Abrechnung mit der deutschen Politik. Vor allem die große Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel sowie die CSU aus seiner Heimat Bayern, bekamen eine saftige Abreibung. „Satire muss weh tun, sonst ist es keine Satire,“ erklärte er einst in einer Talk-Show im Nord-Deutschen-Rundfunk. Die deutsche Bild-Zeitung sei nur ein „Gossenblatt“ und ein „Axel-Springer-Preis für seriösen Journalismus“ ist für ihn reinster Hohn. Die Opfer seiner bissigen Pointen, ließ er auch selbst zu Wort kommen. Parodien der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren Innenminister Horst Seehofer, Schlagersänger Heino, US-Präsident Donald Trump oder auch Bundeskanzler Sebastian Kurz, sorgten für Lacher.

Ausverkaufte Premiere im Stadtsaal © Robert Weissenbacher

An die knapp drei Stunden unterhielt Priol das Publikum. Für seinen ersten Wienbesuch wurde das Programm extra angepasst. Dafür hatte er sich die österreichische Politik genauer unter die Lupe genommen. Jeder Aufritt wird akribisch vorbereitet, keiner gleicht dem anderen. Vor Auftritten versucht er immer noch etwas hineinzunehmen. Das hält ihn unter Spannung und vermeidet Routine wie er dem Bayrischen Rundfunk verriet. Dafür schaut er täglich das ZDF-Morgenmagazin, liest mehrere Tageszeitungen und sieht sich an was im Internet gerade aktuell ist.

Begonnen hat alles auf der Kleinkunstbühne Kochmühle 1988 im bayrischen Obernburg. Das Kabarett wurde schnell zu seiner großen Leidenschaft. Dafür brach er sein Lehramtstudium für Englisch, Russisch und Geschichte ab. Bereut hat er bis heute nie. Seit 1998 ist er Inhaber des Kabaretts im Hofgarten und gewann über 20 Auszeichnungen und Preise.

Mit seiner Politik-Satiresendung „Neues aus der Anstalt“ erreichte er monatlich über 3 Millionen Menschen. Sie gilt bis heute als die erfolgreichste Kabarettsendung im deutschen Fernsehen.

Zum Nachdenken anregen

Die Unzufriedenheit mit der Politik treibt Urban Priol auch auf die Straße. Im Juli vergangen Jahres, trat er bei der Demo „Ausgehetzt – gemeinsam gegen die Politik der Angst“ auf. Das war nicht das erste Mal, dass sich der Bayer abseits der Bühne engagierte. Er war auch schon auf einer Demo gegen das Bahnhofprojekt Stuttgart 21 und er ist Mitglied bei Attac. Die Demonstrationen und das Engagement geben ihm Hoffnung. Es sei ein starkes und wichtiges Zeichen der Zivilgesellschaft erzählte er der Münchner Abendzeitung.

Mit seinen scharfen Kommentaren auf der Bühne will er nicht bevormunden, sondern Diskussionen anregen. „Du kannst vielleicht dafür sorgen, dass sich die Leute morgens beim Bäcker mal über was anderes unterhalten als darüber in welchem europäischen Königshaus gerade wieder gekalbt wird. Das sind so die kleinen Dinge, die gehen,“ sagte er im Bayrischen Rundfunk über seine Arbeit.

Kurz vor 23:00 Uhr war dann gestern Schluss. Für sein Publikum hatte er am Ende noch einen Rat parat: „Die Türken, äh die Türkisen stehen vor Wien. Seid tapfer, gegen die Türken hat es ja auch geklappt.“

Wer gestern im Stadtsaal nicht live dabei sein konnte, für den gibt’s hier die gekürzte TV-Fassung:

https://www.zdf.de/comedy/urban-priol-tilt-tschuessikowski-2018

Weitere Infos über Urban Priol sowie die weiteren Tourdaten gibt es auf:

http://www.kulturagenten.de/?kuenstler=Urban&seite=urban_start