Ferien-Messe Wien: Durch 80 Länder in vier Tagen

Über 800 Aussteller aus 80 Ländern präsentierten sich vom 10. bis 13. Jänner 2019 auf der Ferien-Messe Wien. Neben bekannten Urlaubszielen konnten die Besucher hier auch außergewöhnliche Reisen buchen, etwa in die Antarktis oder in die afrikanische Savanne.

Fast neun von zehn Österreichern wollen laut Ruefa Reisekompass 2019 dieses Jahr mindestens einmal verreisen. Inspirationen dafür lieferte wie jedes Jahr die Ferien-Messe Wien, die gemeinsam mit der Vienna Autoshow stattfand. 2019 verzeichnete die Messe-Kombi einen Besucherrekord:  Über 150.000 Menschen besuchten die Veranstaltung. Fast 50% der Besucher waren Stammkunden. Doch wieso besuchen so viele Menschen eine Reise-Messe anstatt einfach im Internet zu buchen?

Vielfältiges Angebot

Über 800 Aussteller informierten auf der Ferien-Messe Wien über die richtige Buchungszeit und beliebte Urlaubsziele. Das Außenministerium gab Tipps für sicheres Reisen und verteilt dazu kleine Broschüren mit aktuellen Länderinformationen.  Zusätzlich gab es noch eine Showbühne, ein Reisekino und die Genusswelt mit Showküche. Dort bereiteten mehrmals täglich Köche, unter anderem aus dem diesjährigen Partnerland Indonesien, traditionelle Speisen aus ihrer Heimat zu.

Doch welche Reiseländer waren auf der Messe zu finden? Neben Klassikern wie Spanien oder Italien gab es auch Außergewöhnliches: Reisen, die man eher nicht schnell im Internet bucht.

„Das Nordkap ist uns bereits zu südlich“

Heiner und Rosamaria Kubny vom Schweizer Unternehmen „PolarNEWS“ haben sich auf Reisen in polare Gebiete spezialisiert. Dabei gehe es „wirklich tief in die Arktis. Nordkap zum Beispiel ist für uns zu wenig Arktis, das ist bereits zu südlich,“ sagt Heiner Kubny. Das Unternehmen mit fünf Mitarbeitern setzt bewusst nicht auf Massentourismus. Mittlerweile gebe es große Kreuzfahrtschiffe mit mehreren tausend Passagieren.  Kubny empfiehlt jedoch Reisen im kleineren Rahmen. „Wir bieten nur Schiffe bis zu 100 Passagieren, weil es eine Regelung gibt, die besagt, dass nicht mehr als 100 Passagiere gleichzeitig [Anm. in polaren Gebieten] an Land  sein dürfen,“ so Kubny.  Bei größeren Schiffen könne so immer nur ein Teil der Passagiere das Schiff verlassen. Viele Naturschutzgebiete würden von den großen Kreuzfahrtschiffen folglich auch gar nicht angefahren.

Angeboten werden Reisen bis zum geographischen Nord- und Südpol. Das würden allerdings nur ein bis zwei Personen pro Jahr buchen, so Kubny. Stärker gefragt seien „weniger extreme“ Reisen, etwa an die Küste der Antarktis. Für den kleinen Geldbeutel sind diese Reisen allerdings nichts: Eine 16- bis 24-tägige Reise an die Küste der Antarktis kostet zwischen 10.000 und 14.000 €.

Messestand von „PolarNEWS“ © Anja Maria Dax

Für Einsteiger empfiehlt Kubny die Umrundung von Spitzbergen. „Es ist nicht weit, man kommt von Europa relativ einfach hin; Spitzbergen gehört ja zu Europa. Man braucht weniger Zeit und Finanzen. So sieht man mal, ob das das Richtige ist und man vom ‚Polarvirus gebissen‘ wird.“ Zwischen zehn und zwölf Tage dauert eine solche Reise. Kostenpunkt: Ab 6.000€.

Seit über 20 Jahren spezialisiert sich das Ehepaar Kubny auf Reisen in Polargebieten. „Jeder Mitarbeiter von uns war schon mehrmals dort, meine Frau und ich waren zum Beispiel über 30-mal in der Antarktis. Im Norden sind wir ständig unterwegs, jedes Jahr eigentlich zweimal,“ erzählt Heiner Kubny. Das Ehepaar wird sich mit Ende des Jahres jedoch zurückziehen. Das deutsche Unternehmen Ikarus wird dann übernehmen.

Hakuna Matata!

Wem polare Regionen zu kalt sind, der konnte sich ein paar Stände weiter eine Reisen nach Afrika buchen. Unzählige Safari Anbieter tummelten sich auf der Ferien-Messe. Einer der Anbieter ist „Pinto“ aus Tirol. Der Safari-Spezialist bietet Reisen ins südliche und östliche Afrika an. Das 2015 gegründete Unternehmen beschäftigt fünf Mitarbeiter. Einer von ihnen ist Luke Evans. Evans kommt aus Sambia und hat dort selbst ein kleines Camp mit acht Betten eröffnet. Das Unternehmen setzt auf Individualität: „Wir haben kein Prospekt für unsere Reisen, weil wir alles individuell für unsere Kunden planen“, erklärt Evans. Konkrete Preisangaben gibt es folglich auch nicht. Eine 14-tägige Reise durch sein Heimatland Sambia würde aber ca. 4.000 € pro Person kosten, schätzt Evans.

Luke Evan von „pinto“ © Anja Maria Dax

Auf der Website des Unternehmens finden sich einige Reiserouten mit ungefähren Preisangaben. Neben bekannten Reisezielen wie Kenia oder Südafrika sind auch exotische Länder, die (noch) kaum touristisch besucht sind, Teil des Angebots. Evans empfiehlt neben seinem Heimatland Sambia auch Botsuana. Es sei laut ihm „das beste Safari-Erlebnis, da es so viele Tiere und so wenige Menschen gibt. Es ist nicht so touristisch, bietet aber viel , da die Regierung sehr viel in Tourismus investiert hat.“

Mit dem Pferd durch Kirgisistan

Auch für begeisterte Reiter – oder solche, die es noch werden wollen – waren zahlreiche Angebote vertreten. Das Unternehmen „Pferd & Reiter“ bietet Reiterreisen weltweit an. Das größte Angebot besteht in Deutschland, aber auch hier sind exotische Ziele dabei. Bettina Riemann nennt „Eine Expedition per Pferd durch Kirgisistan“ als eine eher ungewöhnliche Reisedestination. „Auf einem ähnlichen Level und sehr gefragt ist auch der Yukon-Trail in Kanada oder die Anden-Überquerung.“ Um teilzunehmen, muss man kein Profi sein. Und auch eine Altersgrenze gibt es nicht: „Unser ältester Reiter ist 80 Jahre alt,“ so Riemann.

Bettina Riemann von „Pferd & Reiter“ © Anja Maria Dax

Neben den hier genannten Anbietern gab es noch zahlreiche andere Aussteller. Mit dabei waren unter anderem die ÖBB, die Austrian Airlines, zahlreiche Reisebüros und auch das österreichische Außenministerium. Außerdem gibt es jedes Jahr ein Partnerland sowie eine Partnerregion – 2019 waren das Indonesien und das Burgenland. 2020 wird die Dominikanische Republik als Partnerland auf der Ferien-Messe Wien vertreten sein.

Die Ferien-Messe Wien fand vom 10.-13. Jänner in der Messe Prater statt. Die Eintrittskarte für Erwachsene kostete € 14,90 (online € 12) und galt auch für die zeitgleich stattfindende Vienna Autoshow. Die Ferien-Messe Wien ist laut Veranstaltern die größte Reisemesse ihrer Art in Österreich. 

 

Titelbild Copyright:  © FABER PHOTOGRAPHY