BACK TO HOGWARTS ⚯͛

Egal ob Muggel oder Magier, jeder war bei der Eröffnungsveranstaltung des Harry Potter Re-Reading Clubs am 22. Jänner 2019 in der Buchhandlung Hartlieb im 9. Bezirk willkommen. Heidi Lexe, Expertin für Kinder– und Jugendliteratur tauschte sich mit Fans über das Phänomen „Harry Potter“ in zauberhafter Atmosphäre aus.

Harry Potter – die Fantasy-Romanreihe der britischen Schriftstellerin Joanne K. Rowling – erzählt die Geschichte des titelgebenden Protagonisten, welcher an seinem elften Geburtstag von seiner wahren Identität erfährt. Als Schüler des Zaubererinternats Hogwarts durchlebt er jedes Schuljahr viele Abenteuer und wird, wie es im ersten Band heißt, weltberühmt:

„Wohin man auch kommt in unserer Welt, jedes Kind wird seinen Namen kennen“

Dieses Zitat aus den ersten Seiten des Romans lässt sich durch dessen globalen Erfolg auch auf die Welt der Muggel (den Nicht-Magiern) zuschreiben und auch mehr als 20 Jahre nach der Erstausgabe ist der Zauber nicht verflogen. Die sogenannten Potterheads (Fans von Harry Potter) sind eine große bunte Community und lieben es, in die magische Welt von Hogwarts einzutauchen.

„Platz für alle Potterheads“

Buchhändlerin Nicole List von Hartliebs Bücher ist selbst Hogwarts-Fan und will „einen Platz für alle Potterheads in Wien schaffen, damit sich diese besser kennenlernen, Freundschaften bilden und sich eine Gruppe gründet, welche sich einfach über Harry Potter austauschen kann“. Die Buchhändlerin kam somit auf die Idee, einen Re-Reading Club zu gründen, welcher sich zu jedem Buch einmal im Monat trifft.

Es wird nicht, wie bei einem herkömmlichen Lesezirkel ablaufen, dass man nur über das Gelesene spricht, es wird auch bei jedem Treffen ein Special geben. Beim nächsten Mal, so viel sei verraten, wird es ein Quiz zum ersten Band geben. Die Teilnehmer werden stilecht vom sprechenden Hut in Teams, in die Hogwarts-Häuser Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin eingeteilt. Zu gewinnen wird es wie in Buch und Film den Hauspokal geben.

Zu der Eröffnungsveranstaltung wurde Germanistik-Lehrende und Leiterin der STUBE – Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur, Dr. Heidi Lexe, zum Talk eingeladen.

Lehrerin gegen die Verteidigung der Nichtlesenden-Künste Heidi Lexe & Buchhändlerin aus dem Haus Slytherin Nicole List © AC Kainz

Für Lexe zeichnet sich das Phänomen Harry Potter unter anderem durch J.K. Rowlings Idee der Hybridformen aus: „unsere Welt wird verknüpft mit dem Magischen und es wird etwas Neues daraus – wie eine Zeitung, bei der sich die Bilder bewegen oder bei einem Sport wie Quidditch. Deswegen sind die Figuren auch „menschlicher“ als in den anderen Fantasy-Reihen.“ Des Weiteren etablierte Rowling mit ihrem Aufbau der Bücher und dem roten Faden, welcher sich durch alle Bände zieht, ein neues Literaturformat: „außerdem gab es davor noch kein Format wie dieses – wo Figuren etabliert werden, welche älter werden; wo im ersten Band klar ist, da gibt es Geheimnisse, die erst sehr viel später aufgeklärt werden – das war einfach etwas komplett Neues“ erklärt die Expertin.

Aller Anfang ist schwer

Lexes Begeisterung für Kinder- und Jugendliteratur begann in ihrer Studienzeit durch ein Proseminar (welches sie später selbst leitete) zu genau diesem Thema. Als sie damals Kinder- und Jugendliteratur als Forschungsschwerpunkt für ihre Diplomarbeit vorschlug, war das im Vergleich zu heute noch ein kurioses Vorhaben. Es hat eine Weile gedauert, bis sie eine Betreuerin dafür gefunden hat – diese hat sie dann auch schlussendlich für eine universitäre Laufbahn begeistern können.

Die Aufbruchsstimmung in der Kinder- und Jugendliteratur in den 1990er Jahren wurde durch Harry Potter wesentlich, beschleunigt, da man zuvor Kindern keine Bücher die mehr als 150 Seiten umfassten, zumuten wollte – J.K. Rowling hingegen widersetzte sich der Annahme, dass Kinder keine dicken Bücher lesen und der Erfolg gab ihr recht.

„Harry Potter hat sehr vieles geändert in der Kinder- und Jugendliteratur – diese Gattung wurde dadurch zum Bestandteil des literarischen Betriebs: Zum ersten Mal wurde in Fernsehnachrichten und Tageszeitungen ein Kinderbuch ernsthaft thematisiert – Kinder- und Jugendliteratur war davor einfach nicht gesellschaftsfähig.“ bekräftigt Lexe.

Die Covers der Fantasy-Reihe bekamen letztes Jahr ein neues Design und stehen in Reih und Glied mit den neuen Geschichten aus dem Potter-Universum wie „Fantastische Tierwesen“ oder dem Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ © AC Kainz

Als einen wichtigen Erfolgsfaktor für Harry Potter sehen die Buchhändlerin und lehrende Literaturexpertin auch das gleichzeitige Aufkommen der kommerziellen Internetnutzung und der Veröffentlichung des ersten Buches. Im Jahr 2000 wurde zum ersten Mal eine Webseite extra für das Buch erstellt, welche zum Austausch zwischen Lesern dienen sollte. „Diese Netzaktivität kannte man schon aus dem Fantasy-Bereich, dieses Community-Phänomen: Menschen, egal welchen Alters, Geschlechts oder Wohnortes sind plötzlich miteinander durch ein gemeinsames Interesse verbunden“, so Lexe.

Quidditch in Vienna

Laurids Brandl und Leon Klement von der Wiener Quidditch Mannschaft Danube Direwolves wurden ebenfalls zu dem Eröffnungsevent eingeladen. Sie erzählen über den in der Zauberwelt beliebtesten Sport und dessen realer Umsetzung In Wien. Quidditch wird in Österreich seit 2014 gespielt und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Gespielt wird mit einem Besen ohne Borsten und fünf Bällen.

Laurids Brandl & Leon Klement geben bei jedem Quidditch-Match für ihr Team Danube Direwolves alles © AC Kainz

Brandl beschreibt es als „Mix aus Handball, Rugby und Völkerball“. Er ist seit seiner Kindheit ein Potter-Fan und hätte sich damals nicht gedacht, dass er diesen Sport in der „Muggelwelt“ selbst einmal ausüben würde. Klement hingegen spielte Quidditch bevor er die Harry Potter Filme gesehen hat. Grundsätzlich hat sich der reale Sport von der Buch- und Filmreihe abgekapselt und es hat sich eine eigene Quidditch-Community gebildet.

Für Lexe steht das Ballspiel Quidditch motivisch für die Bedeutung des Films: „Ein Mannschaftssport, den einer alleine entscheidet: Harry Potter. Es geht nur, wenn alle zusammenhalten und sich beteiligen – aber am Ende kann sich nur einer Voldemort stellen“.

Belesen wie Hermine

Manon Fletzberger, eine Besucherin des Eröffnungsevents, bekam mit acht Jahren von ihrem Vater das erste Potter-Buch geschenkt und hat es mit ihm gemeinsam gelesen. Bis auf den letzten Film hat er sich mit ihr alle Verfilmungen im Kino angeschaut, weil er darüber schockiert war, wie sehr sie dem Hype verfallen ist. Der Studentin gefällt an Harry Potter besonders „die Magie im Alltag, die Kleinigkeiten im Buch, in die man sich immer hineinversetzen kann, die Schreibweise, die Charaktere und die Orte“.

Manon Fletzberger möchte den Hauspokal für Gryffindor beim ersten Re-Reading holen © AC Kainz

Sie selbst hat sich als Kind oft mit Hermine Granger (der besten Freundin von Harry Potter) identifiziert, weil sie auch immer gelesen hat und in Büchern versunken ist. Fletzberger fand das Re-Reading-Event online und hat sich sofort angemeldet. Sie freut sich darauf, die Bücher erneut zu lesen und mit anderen Fans über das Potter-Universum zu sprechen.

Stilecht wurden die Gäste mit Harry’s Geburtstagstorte, verzauberten Cupcakes, Bertie Botts Bohnen und goldenen Schokoladen-Schnätzen in der Buchhandlung verköstigt © AC Kainz

Die Termine für die nächsten Re-Readings stehen schon fest:

  • Am Montag dem 18.2.19 wird nach dem Stein der Weisen gesucht

und

  • Am Montag dem 18.3.19 wird die Kammer des Schreckens geöffnet.

Wer Lust bekommen hat (nochmal) in die Welt von Harry Potter einzutauchen, kann unter anmeldung@hartliebs.at einen Platz im Re-Reading-Club erfragen.

 

Weitere Infos:

Zu Harry Potter: https://www.pottermore.com  (Website von J. K. Rowling)

Zu Quidditch in Österreich: https://quidditch.at/en/

Zum Veranstaltungsort: https://hartliebs.at

 

Titelbild © AC Kainz