Der King im Tandler

Fans und Interessierte konnten vom 17. bis zum 19. Jänner bei der Ausstellung „Elvis – from Memphis to Vienna“  durch eine außergewöhnliche Sammlung des King of Rock’n Roll stöbern. Der 48er Tandler widmete den originalen Exponaten aus der Zeit und dem Besitz Presleys einen eigenen Raum. Kurios: dabei waren nicht nur Fan- sondern auch Hassartikel zu finden.

Dinge wie Schallplatten, Schmuck, Kleidungsstücke, Gitarren, Fotos und Notizbücher findet man im bekannten Wiener Altwarenmarkt, dem 48er Tandler schnell. Auf rund 9000 Quadratmetern werden von der MA48 funktionsfähige und „exklusive Einzelstücke mit Geschichte“ zu moderaten Preisen angeboten. Doch für drei Tage haben diese Art von Gegenstände einige Herzen schneller schlagen lassen. Schließlich ging es nicht um die Gitarre des pensionierten Hauptschullehrers Josef A. sondern um Souvenirs und Besitztümer des King of Rock’n Roll, Elvis Presley.

Ein Raum mit Feeling

Warme Luft und der Geruch von alten Büchern kommt einem normalerweise entgegen wenn man durch die großen, gläsernen Schiebetüren des Tandlers tritt. Nur dieses Mal ist auch Musik dabei. Zwischen offenen Kleidergarderoben weist ein Schild mit einem lächelnden Presley, inklusive Schmalzlocke, zur Ausstellung. Betritt man den Raum, ist man mittendrin, in einer kleinen „Hall of Fame“ für den King des Rock ‘n Rolls und das direkt im fünften Bezirk. Acht Glasvitrinen bilden einen Gang, der zu einer kleinen Bühne führt. In der Mitte thront darauf eine einzelne Gitarre, rundherum steht Bühnenequipment mit der Aufschrift „The King’s Men“. Auf einer Leinwand werden Konzertaufnahmen in voller Lautstärke und natürlich auch Größe abgespielt. Während einem die rhythmischen Textpassagen zu „Heartbreak  Hotel“ um die Ohren fliegen, kann man sich also den vielen Exponaten widmen.

Ausstellungsraum der Presley-Ausstellung im 48er Tandler, © Natalie Ferch

Eine Sammlung mit Herz

Die Ausstellungsstücke stammen von Alfred Schröer, Oskar Hentschel und Michael Knorr. Die drei bekannten deutschen Elvis-Sammler widmeten bis August 2013 der Rockikone auch ein eigenes kleines Museum in Düsseldorf. Nach eigenen Angaben handelt es sich um die größte private Sammlung außerhalb der USA. Die Exponate im Tandler sind eine Auswahl aus den rund 1500 Stücken, die momentan keine feste Heimat haben. Zu jedem gibt es eine Geschichte zu erzählen.

Gegenstände aus dem Besitz Presleys, © Natalie Ferch

In einer der Glasvitrinen ist beispielsweise ein graues, signiertes Hemd ausgestellt, daneben eine Bravo Zeitschrift. Bei einem Preisausschreiben des deutschen Jugendmagazins konnte damals ein Petticoat von Caterina Valente oder ein signiertes Shirt von Presley gewonnen werden. Zur großen Enttäuschung eines jungen Mädchens kam das Hemd und nicht der Petticoat. Sie sperrte den Gewinn samt Schachtel in ihren Kleiderschrank und erst 25 Jahre später kam das ungeliebte Ding wieder zum Vorschein. Der Wert wird heute auf rund 20.000 Dollar geschätzt.

Die Sammler, auch „Elvis-Detektive“ genannt, spezialisieren sich neben den drei Karrierejahrzehnten des Künstlers  vor allem auf die Zeit, die Presley in Deutschland verbrachte. Durch jahrzehntelange, sehr detaillierte Recherche spürten sie Menschen auf, die mit dem Sänger damals in Kontakt standen. So kamen sie an ein Fotoalbum aus der Militärzeit, einem Schlüssel seines Hotelzimmers in Deutschland, Teile seiner Militäruniform, Aschenbecher, Ringe, Kostüme, aber auch Briefe, Postkarten und tausende Dinge mehr. Ebenfalls auffallend sind untertassengroße Anstecknadeln mit der Aufschrift „I HATE ELVIS“, mit denen sich die Feinde des Sängers zu erkennen gaben. Sogar Teile von Teppichen aus der Villa in Memphis sind eingerahmt ausgestellt. Darunter ein Stück des roten Badezimmerflokatis auf dem er 1977 sein Leben aushauchte.

Presley als Hassobjekt, © Natalie Ferch

Viele Fans mit Liebe

Die Ausstellung ist ein Erfolg. Bis zur letzten Minute ist der Raum ständig voll und das auch mit jungen Fans. „Ich lese gerade die Biografie über Johnny Cash und da kommen die vielen Begegnungen mit Elvis vor. Diese vielen Sachen jetzt sehen zu können ist schon sehr cool!“ erzählt die 20-jährige Celina, die ein persönliches Lieblingsstück entdeckt hat: eine original „Sun Records“-Schallplatte. Ähnlich geht es einem Herren in einem schwarzen Elvis-Shirt: „Viele Dinge sind hier, von denen ich bis jetzt nur gelesen hab‘, die einmal in Echt zu sehen hat schon was!“

Kurz vor 18 Uhr am letzten Ausstellungstag stehen immer noch viele Besucher im Ausstellungsraum. Die meisten blicken auf die Leinwand mit Konzertaufnahmen. Fans kreischen hysterisch. Eine grauhaarige Dame findet das nachvollziehbar: „Na, er war schon eine Legende. Ich versteh‘s, dass die so schreien, ich würd auch so schreien wenn der vor mir auf der Bühne steht!“ sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht.

Nach einem Rundgang durch die kleine Ausstellung, verlässt man den Tandler doch mit einer Ahnung über die Größe dieses legendären Sängers.

Titelbild: Natalie Ferch