Österreichischer Filmpreis mit Polit-Kritik

Die heimische Filmszene wurde am Mittwoch beim neunten Österreischischen Filmpreis im Wiener Rathaus  für ihr Schaffen ausgezeichnet. Viele Preisträger nutzten ihre Dankesreden um ein politsches Statement zu setzten.

Im Wiener Rathaus wurde am Mittwoch zum neunten Mal der Österreichische Filmpreis verliehen. Der große Abräumer blieb dabei aus. Die Preise in den vier Hauptkategorien Bester Film, Regie, Darstellerin und Darsteller vergab die Österreichische Filmakademie jeweils an unterschiedliche Werke .

Mit acht Nominierungen ging „Murer – Anatomie eines Prozesses“ von Christian Frosch als aussichtsreichster Film in den Abend. Das Gerichtsdrama wurde als Bester Film ausgezeichnet. Mit Inge Maux als beste weibliche Nebenrolle wurde lediglich eine zweite Trophäe gewonnen. Bei den Regisseuren setzte sich Wolfgang Fischer mit der Fluchtparabel „Styx“ durch.

Zum besten männlichen Hauptdarsteller wurde Laurence Rupp für seine Rolle in „Cops“ gekürt. Beim weiblichen Pendant ging die Auszeichnung an die 87-jährige Ingrid Burkhard für ihre Darbietung in „Die Einsiedler“.

Ingrid Burkhard bei ihrer Dankesrede (screenshot/TVthek.ORF.at)

In ihrer Dankesrede richtete Burkhard einen politischen Appell an die „aufmüpfigen Individualisten“ im Publikum. Er reicht nicht wenn die Meinung innerhalb der Blase dieselbe ist. „Wir müssen mit den anderen reden.“, forderte die Schauspiel-Verteranin.

Kritik an Bundesregierung

Mit ihrem Statement war Burkhard nicht die einzige an dem Abend.  Weitere Seitenhiebe gegen die Regierung teilte Dokumentarfilmerin Ruth Beckermann aus, die für ihr Werk „Waldheims Walzer“ ausgezeichnet wurde. „Aus Waldheim wurde Waldhäusl, vom Heim zum Häusl“, sagte Beckermann.

„Murer – Anatomie eines Prozesses“-Produzent Mathias Forberg fand in seiner Rede klare Worte. „Wir danken der Akademie, dass sie einen Film auszeichnet, der gezeigt hat, wohin ein Land zu driften droht, wenn das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht.“, spielte er auf die Aussage von FPÖ-Innenminister Herbert Kickl im ORF-Report-Interview an. Der Regisseur des Hauptpreisträgers bedankte sich sogar bei der ÖVP-FPÖ-Riegierung: „Ich danke der Regierung, dass sie das Thema unseres Filmes immer aktuell hält.“

Die Preisträger im Überblick:

  • Bester Spielfilm: „Murer – Anatomie eines Prozesses“ von Christian Frosch
  • Bester Dokumentarfilm: „Waldheims Walzer“ von Ruth Beckermann
  • Bester Kurzfilm: „Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin“ von Bernhard Wenger
  • Beste weibliche Hauptrolle: Ingrid Burkhard in „Die Einsieder“
  • Beste männliche Hauptrolle: Laurence Rupp in „Cops“
  • Beste weibliche Nebenrolle: Inge Maux in „Murer – Anatomie eines Prozesses“
  • Beste männliche Nebenrolle: Anton Noori in „Cops“
  • Beste Regie: Wolfgang Fischer für „Styx“
  • Bestes Drehbuch: Wolfgang Fischer und Ika Künzel für „Styx“
  • Beste Kamera: Klemens Hufnagl für „Die Einsieder“
  • Bestes Kostümbild: Tanja Hausner für „Angelo“
  • Beste Maske: Anette Keiser für „Angelo“
  • Beste Musik: Bernhard Fleischmann für „L’Animale“
  • Bester Schnitt: Monika Willi für „Styx“
  • Bestes Szenenbild: Andreas Sobotka und Martin Reiter für „Angelo“
  • Beste Tongestaltung: Claus Benischke-Lang, Sebastian Watzinger und Thomas Pötz für „Cops“

Links:

Hompage der Österreichischen Filmakademie
Die Verleihung zum Nachsehen in der ORF-TVthek (Verfügbar bis 06.02.2019)