Ikea baut das größte Regal der Stadt.

2021 eröffnet der neue Ikea am Westbahnhof. Mit dem Bau des Großprojektes wird jedoch schon diesen Frühling begonnen. Bei einer Infoveranstaltung im Abrissgebäude erzählen die Verantwortlichen des Projekts, warum der neue Ikea einzigartig wird und was es mit der Fassade des Gebäudes auf sich hat.

„Na, wo sind Sie denn?! Es warten schon so viele Leut’ vor der Tür!“ Eine Security-Dame steht vor den verschlossenen Türen eines ehemaligen Geschäftslokals und presst ihr Telefon ans Ohr. Sie lächelt während sie mit dem freien Arm beschwichtigend in der Luft rudert. Das Grüppchen, das sich vor der Auslage des ehemaligen Lederwaren-Geschäfts hinter dem Westbahnhof gebildet hat, lächelt zurück. Alle warten auf die Vertreter Ikeas. Sie haben zur Infoveranstaltung geladen. Anrainer und Interessierte sollen über den bevorstehenden Abriss des ‚blauen Hauses’ informiert werden, denn er steht unmittelbar bevor. Anstelle des Hauses entsteht der neue Ikea. Zwei Jahre soll der Bau dauern. Die Eröffnung ist im Frühling 2021 geplant. Ein komplett neues Ikea-Erlebnis erwartet die Besucher. „Etwas, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat.“ sagt Jan Janko, Expansion Manager bei Ikea. Er arbeitet bereits seit über zwölf Jahren für das schwedische Möbelhaus und kennt das Unternehmen bestens.

Der neue Kleinkram-Ikea

Ikea setzt in Wien neue Maßstäbe und orientiert sich am modernen ‚ROPO-Konsumenten’ (Research Offline, Purchase Online). Dieser lässt sich inspirieren, genehmigt sich in aller Ruhe einen Imbiss und verlässt das Einkaufserlebnis schließlich mit ein paar Duftkerzen und einem Online-Bestellschein im Gepäck – so die Vision des neuen Konzepts.

Wie die Realität tatsächlich aussehen wird, kann Janko noch nicht sagen. „Man kann in Einrichtungshäusern normalerweise alles mitnehmen. Das wird hier nicht der Fall sein.“ Es wird ein Ikea, der anderen Art. Einer durch den man spazieren kann, ohne sich dabei gleich alles in den Einkaufswagen zu laden oder verwirrt durch den Marktplatz – die Lagerhalle Ikeas – von A nach B zu laufen. Zumindest die großen Teile, wie Schränke, Betten oder Regale sind im neuen Konzept nur Ausstellungsstücke. Das eigentliche Zentrallager wird in Strebersdorf entstehen. Von dort soll ausgeliefert werden, was die Städter online bestellen, denn der neue Ikea soll autofrei bleiben. Zusätzliche Parkplätze sind ausschließlich für Radfahrer geplant.

Das ‚Blaue Haus’ wird Grün.

Das Dach, aber auch die gesamte Fassade des neuen Gebäudes soll mit Pflanzen und kleinen Bäumen das Stadtbild begrünen und zum Mikroklima des Bezirks beitragen. Mit ihrem grünen Entwurf konnte sich im internationalen Architekturwettbewerb das Architektenbüro Querkraft durchsetzen. Die Idee: Der neue Wiener Ikea soll ein überdimensioniertes grünes Regal werden. Ein 4,5 Meter tiefes Gerüst wird sich rund um das Gebäude legen und mit Pflanzen und Ranken Schatten, sowie Feuchtigkeit spenden. Der kleine Bäcker, das Hörgeräte-Studio, sowie die Apotheke, die sich derzeit noch im Abriss-Haus befinden, sollen wieder in die neuen Räumlichkeiten eingegliedert werden, bekräftigt auch Janko.

Das ‚blaue Haus‘ hinter dem Westbahnhof wird im Frühjahr 2019 abgerissen. © Google Maps

Die Besucher sollen an die Decke gehen.

Für die neue Dachterrasse hat sich Ikea auch etwas einfallen lassen. „Sie soll eine Begegnungszone werden.“ meint Sindler-Larsson. Sie ist die Projektleiterin des Großprojektes. Ikea wird mit der Stadt Wien einen zivilrechtlichen Vertrag eingehen, welcher die Nutzung der Dachterrasse rechtlich sichern soll. 1000 m2 Fläche werden den Bürgern Wiens zur Verfügung gestellt werden – ohne Konsumzwang versteht sich. Auch außerhalb der Öffnungszeiten wird die Fläche frei zugänglich sein.

Entwurf der Dachterrasse des neuen Ikeas. © IKEA

Ikea verändert das Stadtbild.

Bereits 2014 eröffnete Ikea in Hamburg das erste Innenstadt-Möbelhaus seiner Art. Es war als Pilotprojekt gedacht, aus dem alle nachfolgenden Ikeas lernen sollen. Spaziert man durch den City-Ikea in der Hansestadt, so wirkt er – mit Ausnahme guter fußläufiger Erreichbarkeit und Dachparkplätzen – recht normal. Kleine Lastenräder und Ladewägen begrüßen die Hamburger am Eingang, ansonsten unterscheidet sich der Ikea im Stadtteil Altona für den Laien kaum von jenem am Stadtrand.

Ab dem Zeitpunkt als Ikea jedoch in der großen Bergstraße in Altona einzog, veränderte sich das Stadtbild des kleinen Bezirks erheblich. Bepackte Fußgänger, die mit halb zusammengebauten Möbelstücken und Pflanzenallerlei durch den Bezirk wanderten, waren keine Seltenheit mehr. Neue Lokale – vom Steakhaus bis Vapiano – siedelten sich an und verwandelten die etwas heruntergekommene große Bergstraße in eine Art Shopping-Gastromeile.

Hot Dog vs. Billy – es geht um die Wurst

Nach bereits einem halben Jahr City-Ikea wurde das erste Problem deutlich. Immer mehr Städter, vor allem auch Anrainer, gingen zwar gerne zu Ikea, aber nur um dort zu essen. Viele verließen das Kaufhaus mit vollem Bauch, jedoch ohne etwas gekauft zu haben. Darauf war Ikea nicht vorbereitet. Das kulinarische Angebot sollte die Besucher ursprünglich nur dazu einladen länger zu verweilen, nicht ausschließlich wegen des Essens zu kommen. Das Geschäftsmodell wurde auf den Kopf gestellt. Hot Dog und Köttbullar stahlen Billy und Malm die Show. Gemäß des Handelsblattes 2014, war der Umsatz der Filiale zwar hoch, doch die Gewinne blieben aus.

Auf die Gastro-Frage einer besorgten Anrainerin, die ein Restaurant in der Straße betreibt, antwortet Sindler-Larsson, dass es nur schwedische Köstlichkeiten geben werde, die auf keinen Fall das Cevapcici oder den Döner ersetzen werden. Wie dehnbar jedoch der Begriff ‚schwedische Köstlichkeiten’ tatsächlich ist, zeigt der bekannte Ein-Euro-Hot Dog  der die Besucher am Ende jedes Einkaufs erwartet.

 

Im Laufe der Veranstaltung drängen immer mehr Interessenten in das abrissreife Lederwarengeschäft. Die Stimmen der Besucher sind durchgehend positiv. „Für unseren Bezirk ist das schon ein großer Gewinn.“ sagt eine ältere Dame und wiederholt sich dabei einige Male. „Wenn alles so läuft, wie geplant, ist man sehr zufrieden.“

Weiterführende Links:
IKEA Info Seite 
Entwurf des Hauses von Querkraft

Titelbild von © IKEA