Schrödingers Ente: Florian Scheuba sucht die Wahrheit

Der österreichische Kabarettist Florian Scheuba las am 29. Jänner aus seinem Buch „Schrödingers Ente – Warum eine Lüge keine Meinung ist“. In einer Buchhandlung in der Landstraßer Hauptstraße stellte der Satiriker sein neues Werk vor und erklärte den Besuchern, was der Unterschied zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Komik ist und warum er das Wort Arschloch gerne durch „charakterlich Herausgeforderter“ ersetzen möchte.

Wir schreiben den 21. Jänner 2017. Es ist kein Tag wie jeder andere, denn an diesem Samstag wird der neue amerikanische Präsident, Donald Trump, in sein Amt eingeführt. Florian Scheuba beobachtet die Ereignisse rund um die Zeremonie in Washington von Österreich aus. Kurz darauf veröffentlicht der Standard die regelmäßig erscheinende Kolumne des Kabarettisten mit der Überschrift „Schrödingers Ente“. Er verarbeitet darin die irritierenden Aussagen aus dem Trump-Lager über das Event. Der damalige Pressesprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, spricht „von der größten Besucherzahl, die jemals bei einer Amtseinführung war. Punkt!“.

Von Journalisten mit der Tatsache konfrontiert, dass bei der Amtseinführung von Barack Obama deutlich mehr Zuschauer in der Hauptstadt waren, antwortet Spicer vielsagend, dass man im Weißen Haus den Fakten nicht immer zustimmen müsse. Die Beraterin Kellyanne Conway spricht später von „alternativen Fakten“.

Der Satiriker Scheuba nimmt diese Steilvorlage dankend an und schlägt Conway noch weitere Wortschöpfungen vor: „Statt Bankrotteur wird es dann Monetarismus-Verweigerer heißen, Pussygrabbing wird als vaginal orientierte Haptik bezeichnet, und Arschloch wird durch charakterlich Herausgeforderter ersetzt“.

Florian Scheubas neues Buch mit dem Titel: „Schrödingers Ente“. Foto: Brandstätter Verlag

Diese und viele weitere Kolumnen aus dem Standard, die sich der Suche nach der Wahrheit verschreiben, beinhaltet das neue Buch von Florian Scheuba, mit dem Titel „Schrödingers Ente“. Der 53-Jährige schlägt darin eine Neudefinition der Wahrheit vor. Sie soll „kein für Menschen erreichbares Ziel, sondern eine Richtung sein“. Schließlich müsse man auch nach unten bohren, wenn man zum Erdkern vordringen wolle und nicht nach oben.

Tassilo Wallentin gegen den Mainstream

In einem weiteren Auszug aus dem Werk beschreibt Scheuba den Unterschied zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Komik anhand des Beispiels Tassilo Wallentin. Der Krone-Kolumnist habe Probleme mit einer faktenorientierten Gesellschaft. Denn Wallentin lehnt in seinem Kommentar eine Reform der Presseförderung ab, weil darin ein „sorgsamer Umgang mit sozialen Netzwerken“ gefordert wird. Der Anwalt sieht eine Gefahr für „Meinungen, die nicht dem Mainstream entsprechen.“ Außerdem benutze Tassilo Wallentin in seiner Kolumne ein falsches Orwell-Zitat: „Journalismus ist etwas zu veröffentlichen, dass die Mächtigen nicht wollen.“ Florian Scheuba merkt dazu an, dass die betreffende Kolumne in einer Sonntags-Krone mit „doppelseitiger Johanna Mikl-Leitner Huldigung“ inklusive Titelbild erschienen ist.

„Mein Name ist Hasan“

Jemand, der laut dem „Staatskünstler“-Kabarettisten ebenfalls ein zwiespältiges Verhältnis zur Wahrheit hat, ist der türkische Botschafter in Wien, Hasan Gögüs. In einem offenen Brief äußert der Diplomat seine „Bestürzung“ über die „unfaire Kritik“ an Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan. Der Botschafter hätte sich von den Österreichern erwartet, dass auch sie mit türkischen Fahnen an den Pro-Erdoğan Kundgebungen in Wien teilnehmen. Scheuba zeigt sich von der Kritik betroffen und ist auf Wiedergutmachung aus. Das Zerstören von kurdischen Lokalen während der Demonstrationen könne lediglich eine Huldigung an das alte Kulturvolk der Vandalen sein. Das Schließen von 24 Radio- und Fernsehanstalten in der Türkei bezeichnet der Kabarettist als „mutigen Kampf gegen die mediale Reizüberflutung unserer Tage.“ Überhaupt sei es respektlos den türkischen Präsidenten als Diktator zu bezeichnen: „Das ist so, als würde man Messi als Fußballer bezeichnen oder Champagner als Schaumwein“, sagt Florian Scheuba.

Außer den bereits genannten Personen werden in Scheubas neuem Buch noch viele weitere Vertreter aus Politik und Gesellschaft pointiert aufs Korn genommen. Wie zum Beispiel Karl-Heinz Grasser, Alfons Mensdorff-Pouilly und natürlich eines der Lieblingsziele des Satirikers: Innenminister Herbert Kickl (FPÖ).

Zum Abschluss erinnert der gebürtige Wiener an die Kritik des FPÖ-Mediensprechers, Hans-Jörg Jenewein, über die „unzulässige Werbung“ im Zuge der ORF-Berichterstattung zu seinem neuen Buch. Florian Scheuba möchte den Freiheitlichen dabei helfen, dass „Schrödingers Ente“ so schnell wie möglich wieder vom Markt kommt und ist nach der Lesung auch bereit, das Buch mit seiner Unterschrift zu entwerten.

Der 53-jährige Satiriker begibt sich in seinem neuen Buch auf die Suche nach der Wahrheit. Foto: Florian Scheuba GmbH

Beitragsbild: Manuel Glashüttner