Auf Wiedersehen im Wien Museum

Das Wien Museum sperrt zu – zum Glück nur vorübergehend. Das Haus am Karlsplatz wird umgebaut und feiert die bevorstehende Sanierung mit freiem Eintritt, Live-Restaurierung und einer Abschiedsausstellung.

Am 3. Februar schloss das Wien Museum seine Türen.  Der lang geplante Umbau beginnt endlich: Seit Jahren klagt man hier über Platzmangel, veraltete Ausstellungsräumlichkeiten und eine Gebäudestruktur, die dem Wesen des Hauses nicht mehr entspricht. Bereits 2015 wurden die Sieger der Architekturausschreibung gekürt und Matti Bunzl zum neuen Leiter berufen, der den Umbau sicher über die Bühne bringen soll:

„Ich hab mich auf die Stelle unter diesen Voraussetzungen beworben, ich wollte das machen. Das ist ein riesiges Projekt mit einem riesigen Team. Das sind komplexe Herausforderungen und das macht irrsinnig viel Spaß.“

Ein Museum für die Community

Den internationalen Architekturwettbewerb entschied das Klagenfurter Büro Certov, Winkler + Ruck für sich.  Der derzeitige stark sanierungsbedürftige aber denkmalgeschützte Haerdtlbau von 1959 wird renoviert und in das neue Gebäude integriert, der Karlsplatz in das Konzept miteinbezogen. Eine Verdoppelung der derzeitigen Ausstellungsfläche ermöglicht auch inhaltliche Umstrukturierung – erstmals wird die umfassende Dauerausstellung in den drei Stockwerken des Haerdtlbaus zu sehen sein. Die beliebten Sonderausstellungen kommen in das zusätzliche Stockwerk  am Dach.

Die Außenansicht des neuen Wien Museums.
Die Außenansicht des neuen Wien Museums. ©  Certov, Winkler + Ruck Architekten

Ein verglastes Zwischengeschoss schafft außerdem  Platz für Veranstaltungen und Vermittlungsaktivitäten,  eine neue Terrasse lockt mit Blick auf den Karlsplatz.

Terrasse mit Ausblick auf den Karlsplatz im neuen Wien Museum
Terrasse mit Ausblick auf den Karlsplatz im neuen Wien Museum.  ©  Certov, Winkler + Ruck Architekten

Auch die unmittelbare Umgebung soll in neuem Glanz erstrahlen. Aufwertung und Wiederbelebung der östlichen Seite des Karlsplatzes bringt eine weitläufige Plaza, sie verbindet das Museum mit dem Karlsplatz. „Wir sind ja jetzt schon ein sehr entspanntes, offenes Haus, aber ich denke die Architektur wird das noch stärker forcieren“, erklärt Bunzl.

„Ein Museum nicht nur als spannendes Museum, sondern als Community Center. Darauf freu ich mich am meisten!“

Das Ok für die Finanzierung vonseiten der Stadt Wien erfolgte erst 2018, ganze  108 Millionen Euro kostet das Großprojekt. Einen konkreten Zeitplan gibt es derzeit noch nicht. Bunzl hofft auf die Wiedereröffnung 2022 oder 2023: „Es ist so ein großes Projekt, Hudeln bringt da nichts.“

Ein Abschied, der in Erinnerung bleibt

Den Wienerinnen und Wienern fällt der Abschied von „ihrem“ Museum sichtlich schwer, das zeigt der Zustrom von Besuchern und Besuchern vor der Schließung. Von 19.1. bis 3.2. gab‘s zum Abschied jede Menge Spezialangebot bei  freiem Eintritt. Führungen von prominenten Freunden des Museums, eine Sprechstunde mit dem Direktor, sowie die Sonderausstellung „Gemma, Gemma“ riefen den Stadtbewohnern noch einmal die Vielfalt des Hauses in Erinnerung und machten auf die Zukunft nach dem Umbau neugierig.

Ausstellung "Gemma, Gemma" im Wien Museum
Die Ausstellung „Gemma, Gemma“ ruft vergangene Höhepunkte in Erinnerung. © Christine Mayrhofer

Teil der Ausstellung war auch Oskar Laskes Wandfries „Die Arche Noah“. Zum ersten Mal seit 75 Jahren wurden Teile des Tierpaare  zeigenden Fries ausgestellt. Das 1918 angefertigte Kunstwerk wurde in den letzten Jahren kontinuierlich restauriert, die Live-Restaurierung vor Ort verschaffte Einblick in diesen komplexen Arbeitsprozess. Außerdem waren Architekturfotografien von Sigrid Neubert, die kuriosesten Anschaffungen des Vereins der Freunde des Wien Museums und die zehn repräsentativsten historischen Objekte der 100-jährigen Republik Teil der Ausstellung.

Oskar Laske "Die Arche Noah", Wandfries
Oskar Laske „Die Arche Noah“, Wandfries. © Christine Mayrhofer

„Gemma, Gemma“ wirkt wie ein Best-of der letzten Jahrzehnte und verbindet die Poesie des Alltäglichen mit Kuriosem und Makaberem aus dem Wiener Stadtleben. Das bewährte Konzept soll auch nach der Wiedereröffnung des Standorts am Karlsplatz beibehalten werden.

Und in der Zwischenzeit?

Bis es soweit ist, müssen sich die Besucher allerdings noch etwas gedulden. In der Zwischenzeit werden  zahlreiche Objekte  erstmals als Leihgaben nach Japan verschifft. Die Austellung „Vienna on the Path to Modernism“ bringt Klimt und Schiele nach Osaka und Tokio.

Kulturhistorische Ausstellungen für Interessierte hierzulande wird es im Übergangsquartier, dem MUSA (Museum, Stadtgalerie, Artothek), geben. In den Wiener Volksschulen freuen sich Kinder auf eine Wanderausstellung, die zur Vermittlung von Geschichtswissen durch die Stadt tourt.  Nicht zuletzt sollen auch die zahlreichen Außenstellen und Dependancen des Wien Museums mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Direktor Matti Bunzl empfiehlt besonders das Beethovenmuseum oder das Uhrenmuseum: „Die nächste Außenstelle, die wir neu gestalten werden, sind die Neidhart Fresken am Tuchlauben, das planen wir im Herbst.“  Besucher Johann empfiehlt hingegen das Pratermuseum. Er gesteht aber ein:

„Wahrscheinlich werd‘ ich bis 2023 einfach ein bisserl weniger ins Museum gehen.“

 

 

 

Beitragsbild: Wien Museum, Hertha Hurnaus