„Nachtschicht“ an der Universität Wien: Lernen, Sport und viel Kaffee

Es ist Mitternacht und jeder Platz im Großen Lesesaal der Universität Wien ist besetzt: Das ist die „Nachtschicht@UB“. Am 24. Jänner 2019 öffnete die Universität ihre Türen wieder bis 6 Uhr morgens. Führungen durch die Bibliothek, Pausensport und gratis Kaffee waren Teil des Programms. 

Mit Laptop, Schreibblock und Taschenrechner ausgestattet machte sich Verena auf den Weg zur Uni – um halb neun am Abend. Die Lesesäle in der Hauptbibliothek waren voll, sogar die Stehplätze wurden genutzt. Hunderte Studenten verbrachten die Nacht an der Uni: Es war wieder „Nachtschicht“ an der Universitätsbibliothek! Am  24. Jänner 2019  wurde bereits zum 16. Mal die Nacht „durchgelernt“. Um die 600 Studenten zählte das Team der Universitätsbibliothek Wien beim Durchgehen um Mitternacht.

Bereits um 20:30 war im Großen Lesesaal in der Hauptbibliothek kein einziger Platz mehr frei. Zusätzlich waren jedoch noch einige Hörsäle geöffnet. Verena erwischte noch einen Platz im Hörsaal 50. Die Studentin der Erdwissenschaften und schrieb Ende Jänner eine wichtige Prüfung. „Eigentlich lerne ich lieber untertags, aber manchmal bin ich einfach dazu gezwungen, in der Nacht zu lernen.“

Der Große Lesesaal um 20:30 Uhr, (c) Anja Maria Dax

Aber nicht alle Studenten kommen nur wegen der (zu) knappen Zeit. „Ich bin hier, weil ich ‚Nacht-Lernerin‘ bin und es mich motiviert, in Anwesenheit anderer Studenten zu lernen,“ sagt Alisa, du zum zweiten Mal teilnahm. Ihre erste „Nachtschicht“ an der Universität ist schon länger her, damals sei der Andrang nicht so groß gewesen, erinnert sie sich. Doch nicht nur lernen und Seminararbeiten schreiben kann man hier.

Gratis Kaffee & Snacks

Dort, wo normalerweise Bücher zur Ausleihe abgeholt und auch wieder zurückgegeben werden, fanden sich gratis Snacks und Getränke. Vor dem Eingang bildete sich eine lange Schlange. Das Buffet öffnete um 21 Uhr. Neben Tee, Kaffee und Orangen-Saft gab es kleine Brote und Aufstriche, Obst und Studentenfutter. In der Schlange warteten auch Verena und Alisa. Beide waren vom Buffet begeistert.

Das gratis Buffet war für viele Studierende ein Highlight, (c) Anja Maria Dax

Als besonderes Highlight empfand Verena neben dem Kaffee vor allem den Makava-Eistee, der später am Abend gratis angeboten wird. Neben Essen und Lernen soll aber auch die Bewegung nicht zu kurz kommen.

Auflockern beim Pausensport

Ein fixer Bestandteil der „Nachtschicht“ ist daher auch der Pausensport, der dreimal während der Nachtschicht angeboten wurde. Es wurden Übungen zum Auflockern durchgeführt; gedehnt, geklopft und auch gemeinsam gegähnt. Für Trainerin Anna war es bereits die zehnte Nachtschicht, zum zweiten Mal leitete sie den Pausensport. „Wir haben die Wirbelsäule und den Hals verlängert, weil das total einknickt, wenn man lange gebeugt sitzt. Abgesehen davon haben wir noch Balance- und Gleichgewichtsübungen gemacht, die regen die Gehirnaktivität wieder an,“ erklärt die ausgebildete Pilates-Trainerin. Und warum wird gegähnt? „Das Kiefer ist das Erste, das sich verspannt, wenn man sehr konzentriert ist. Durch das Gähnen lockert man die Kiefermuskulatur und das entspannt den ganzen Kopf- und Nackenbereich.“

Anna leitete den Pausensport, (c) Anja Maria Dax

Der Pausensport wurde dreimal während der „Nachtschicht“ als Ausgleich zum Lernen und Schreiben angeboten. Verena war ebenfalls mit dabei. „Ich hab‘ heut so viel Sport gemacht wie die letzten vier Monate nicht. Ich hab ganz vergessen, wie gut dass du tut, auch wenn’s nur ein bisschen Bewegung ist.“ Wenn gerade kein Pausensport stattfand, unterstützte Anna das Organisationsteam bei anderen Arbeiten. „Man kann auch zwischendurch zu mir kommen, wenn man sich bewegen will.“

Hilfe beim Zitieren und eine Führung hinter die Kulissen

Neben dem Pausensport bietet die Universität auch noch Workshops zum Wissenschaftlichen Arbeiten an. Auch eine Führung hinter die Kulissen der UB fand zweimal im Laufe der Nacht statt. Das Organisationsteam half an Infopoints außerdem bei Fragen zu Recherche und korrektem Zitieren weiter.

Elf Mitarbeiter arbeiteten bei der „Nachtschicht“, sieben von ihnen die ganze Nacht. Die Reihen in der Universitätsbibliothek lichten sich meist nach Mitternacht, heißt es vom Organisationsteam. Immerhin fahren am Donnerstag nach Mitternacht keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr. Verena lernte noch bis 1 Uhr an der Uni. So möchte gerne wiederkommen, aber dann würde sie lieber „im großen Saal sitzen anstatt im kleinen Hörsaal, weil es bequemer ist.“ Als einzigen Verbesserungsvorschlag nennt sie, zusätzlich noch kleinere Räume zu öffnen, wo es bequemere Tische und mehr Steckdosen gibt. Alisa lernte noch bis halb drei Uhr morgens. Als sie ging, waren noch ca. zwei Drittel der Plätze im Großen Lesesaal besetzt.

Alisa auf ihrem Platz im Großen Lesesaal, (c) Anja Maria Dax

Die „Nachtschicht@UB“ findet einmal pro Semester statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, es empfiehlt sich jedoch, früh genug da zu sein, um gute Plätze zu ergattern.

Titelbild: (c) Anja Maria Dax