„Ute Bock ist gestorben, aber ihre Idee lebt weiter“

Ute Bock wurden bereits drei Filme gewidmet. Heuer im Jänner, genau ein Jahr nach ihrem Tod, kam das dritte Werk über die Menschenrechtsaktivistin ins Kino: Ute Bock Superstar. Bei der Galapremiere in Wiener Neustadt erzählte der Regisseur Houchang Allahyari, warum eine ganze Trilogie und was den neuen Film so besonders macht.

“Der dritte Film ist mir sehr spontan eingefallen. Ich habe ihn nicht vorgehabt”, so Allahyari. Ute Bock starb am 19. Jänner 2018 an Krebs. Der Filmemacher, der zugleich ihr Ex-Schwäger war, erzählte, wie er beim Begräbnis an ihrem Grab stand. Ihm vielen Szenen und Erinnerungen mit Ute Bock ein. Er musste weinen, als Kinder mit Blumen an ihr Grab kamen und sich jeder mit Ritualen aus seiner eigenen Religion von ihr verabschiedete. Dort entstand die Idee für den dritten Film.

Die Idee für den dritten Film entstand am Grab von Ute Bock. © Stadtkino Filmverleih

Persönliche Hommage an Ute Bock

Houchang Allahyari, der auch als Psychiater tätig ist, kannte Ute Bock über 50 Jahre lang. Auch viele anderen Film-Protagonisten waren ihm als Teil der Familie sehr nahe. Somit wurde der dritte Teil der Trilogie zu einer persönlichen und intimen Hommage an Ute Bock. Auf die Frage, wie man mit so wenig Distanz einen Film machen kann, sagt Allahyari: „Es war einerseits schwer, weil so wenig Distanz da war, andererseits war die Möglichkeit für Filmemachen viel leichter.”

Vier Monate lang saß der 78-Jährige tagtäglich gemeinsam mit seiner Cutterin beim Schneiden. Sie kannte Ute Bock nicht in Person und hatte dadurch einen Blick von Außen. Nach vier Monaten war der Film bereit für die Festivalpremiere beim Viennale. “Ich habe keinen meiner Filme so schnell fertig gemacht wie diesen”, erzählte der Regisseur nach der Vorführung im Wiener Neustadt Stadttheater. Beim Schneiden haben sie jedoch 30 bis 40 Stunden Archivmaterial sichten müssen. “Das war eine sehr schwierige Arbeit. Ich werde demnächst nur Spielfilme machen”, scherzte er.

Auch Viktor Gernot (links) spielte im Film Ute Bock Superstar. Er kam auch zur Galapremiere nach Wiener Neustadt. Rechts: Regisseur Houchang Allahyari. © Anja Malensek

Ute Bock Superstar ist ein hundertminütiges Porträt einer Frau, die ihr Leben gänzlich dem Kampf für Menschenrechte und in ihren letzten Jahren vor allem der Flüchtlingshilfe gewidmet hatte. Der Film zeigt sie als eine Kämpferin, als eine eigensinnige, manchmal “grantige Wienerin”. Als jemanden, der alle Mittel eingesetzten würde, um zum Ziel zu gelangen. Im Werk kommt ihr Wesen – mit ihrem besonderem Humor, ihrer Direktheit und Schlagfertigkeit – gut zum Vorschein.

„Eine Frau für die Gerechtigkeit“

“Sie war wirklich eine Frau für die Gerechtigkeit”, erzählte Allahyari. „Ob Österreicher oder Ausländer, Katholik oder Moslem – das war ihr egal. Sie konnte die Leute nicht auf der Straße schlafen lassen.“ Bock hätte keine große komplizierte Philosophie gehabt, was sie auszeichnete, war ihre einfache Menschlichkeit. “Frau Bock ist gestorben, aber ihre Idee lebt weiter. Da bin ich sicher, so positiv denke ich schon”, so Allahyari. Der iranisch-stämmige Regisseur freut sich, dass einer seiner Söhne den Weg von Ute Bock einschlug. Gemeinsam mit seiner Frau helfe er 400 Flüchtlingen bei rechtlichen Angelegenheiten.

Der Grund, warum der Film Ute Bock Superstar heißt, liegt in Bocks Einfachheit und darin, dass sie „wie ein Magnet auf Jugendliche gewirkt hat“. Bock würde den Titel vermutlich als ‚Bledsinn‘ bezeichnen, glaubt der Regisseur. „Aber für mich ist sie ein Superstar.”

Ute Bock Superstar läuft seit 18. Jänner im Stadtkino Wien.

http://stadtkinowien.at/stadtkino/kinoprogramm/

https://www.viennale.at/en/guest/houchang-allahyari

http://www.austrianfilms.com/film/ute_bock_superstar

Filmplakat © Stadtkino Filmverleih

Titelbild: © Stadtkino Filmverleih