Die Ladykillers

Fünf Männer, eine alte Dame und immer dasselbe Musikstück – die Rede ist von den „Ladykillers“, einem britischen Spielfilm aus dem Jahr 1955, der seit Ende Jänner in einer neuen Theaterfassung in den Wiener Kammerspielen der Josefstadt das Publikum erfreut. Marianne Nentwich in der Hauptrolle als die liebenswürdige Mrs. Wilberforce, lässt sich von Professor Marcus, gespielt von André Pohl, seinen Komplizen und ihrer Musik, blenden.

„Der berühmte Klassiker des schwarzen Humors mit dem großen Geigenkasten (…); witzig, voller makabrer Einfälle“, so Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz über „Ladykillers“ in ihrem Lexikon „Filme im Fernsehen“.

„Mrs. Wilberforce, ich habe gehört sie haben ein Zimmer zu vermieten“ (Professor Marcus)_Ladykillers © Erich Reismann

Der britische Spielfilm „Ladykillers“ unter der Regie von Alexander Mackendrick, aus den 1955er Jahren gilt noch heute als Klassiker der Schwarzen Komödie.  Der Film handelt von dem gewieften Gauner, Professor Marcus, gespielt von Alec Guinness und seinen Komplizen die sich in London bei der ahnungslosen alten Dame Mrs. Wilberforce, verkörpert von Katie Johnson, einmieten und von dort aus ihren Überfall auf einen Geldtransporter minuziös planen. Die nichts ahnende Witwe freut sich über die Gesellschaft der fünf Gentlemen.

Die Musiker
„So, Professor, und nun erklären Sie uns mal, was soll der Quatsch mit der Musik?!“_Ladykillers © Erich Reismann

Um nicht aufzufallen geben sich die Ganoven als Musiker eines Streichquintetts aus welches Tag für Tag dasselbe Stück, ein Menuett des Italieners Luigi Boccherini, üben. In Wahrheit planen sie den Raubüberfall, während immer wieder dieselbe süßliche Melodie aus einem Grammophon ertönt. Mrs. Wilberforce zeigt sich von der Musik begeistert die ihr Haus erfüllt und wünscht sich von dem Quintett ein kleines Konzert für sich und ihre Freundinnen.

„Ich bin schockiert! Schockiert und entsetzt! Sie sind doch Musiker Künstler! Sie…sind doch Musiker, oder?“_Ladykillers © Erich Reismann

Der Coup gelingt, die Stimmung kippt jedoch, als einer der Ganoven beim Verlassen des Hauses mit dem Cellokasten in der Tür hängen bleibt, und das gesamte Diebesgut zum Vorschein kommt. „Ich bin schockiert! Schockiert und entsetzt! Sie sind doch Musiker Künstler! Sie…sind doch Musiker, oder?“, stellt Mrs. Wilberforce die Diebe zur Rede und fordert diese auf, das Geld unverzüglich zurückzugeben, andernfalls müsse sie Anzeige bei der Polizei erstatten.

Mrs. Wilberforce_Ladykillers © Jan Frankl

Weil Mrs. Wilberforce zu viel weiß, sehen sich der Professor und seine Ganoven Freunde gezwungen, ihre liebenswürdige Vermieterin zum Schweigen zu bringen. Keiner möchte freiwillig zum „Ladykiller“ werden, so werden Streichhölzer gezogen. Jeder einzelne von ihnen scheitert jedoch kläglich daran, die alte Witwe zu beseitigen.

Der Ausgang ist makaber und witzig zu gleich: Die rüstige Mrs. Wilberforce bleibt mit dem erbeuteten Geld letztendlich alleine zurück. Sie bringt es zur Anzeige, darf das Geld jedoch behalten, da keiner ihrer Geschichte Glauben schenkt. William Rose, der Drehbuchautor des Stücks behauptete, dass er die skurrile Idee für diese Kriminalkomödie geträumt habe und nur mehr ein paar kleine Details hinzufügen musste.

Die Neuverfilmung

Eine Neuverfilmung des Klassikers aus dem Sommer 2004 hat nicht mehr sehr viel mit dem Original gemein. Unter der Regie der Coen Brüder wurde die Handlung in die Südstaaten der USA und ins Jahr 2004 verlegt. Die Vermieterin in dieser Version ist eine kämpferische afroamerikanische Witwe, der selbsternannten Professor, wird von Tom Hanks verkörpert. Ihn begleiten vier Gauner, die sich als Musiker ausgeben, es in dieser Fassung aber nicht auf einen Geldtransporter abgesehen haben, sondern den Tresorraum des „New Orleans Riverboat Casinos“. Um ungestört einen Tunnel zum Casino graben zu können, üben sie wie im Original, immer wieder dasselbe Menuett, in diesem Fall im feuchten Keller des Hauses. Der Coup gelingt, die alte Dame wird aber auf das Diebesgut aufmerksam und die Handlung nimmt wie bekannt ihren Lauf.

Das Theaterstück

Diese beliebte britische Kriminalkomödie wurde bereits 1983 von Elke Köver und Maria Caleita für das Theater adaptiert. Seither wird das Stück auf vielen Bühnen der Welt aufgeführt und fand seinen Weg, unter der Regie des Italieners Cesare Lievi, in diesem Jahr erneut nach Wien, in den Kammerspielen der Josefstadt.

Der Regisseur ist fasziniert von der abrupten Veränderung einer Lebenssituation: „Das Leben, ist durch Musik und Gesellschaft sehr schön und dann wird diese Schönheit der Musik im nächsten Moment zur Hölle für Mrs. Wilberforce.“

Schwarzer Humor

Makaberer Witz und Situationskomik zählen zu den Klassikern des schwarzen Humors, durch den der Originalfilm „Ladykillers“ geprägt ist. „Das Wesensmerkmal des Schwarzen Humors ist seine Respektlosigkeit gegenüber der Moral“, schreibt der deutsche Literaturwissenschaftler Hans-Dieter Gelfert. „The importance of not being earnest“- „Die Wichtigkeit nicht ernst zu sein“- ist eine der wichtigsten Regeln des britischen Humors. Tabuisierte Themen wie beispielsweise Mord und Verbrechen werden auf sarkastische, absurde und skurrile Art und Weise mit einer gewissen Leichtigkeit behandelt, und garantieren sowohl auf der großen Leinwand als auch auf der Bühne eine gute Unterhaltung.

 

Weiterführende Links:
Programm der Kammerspiele der Josefstadt:
https://www.josefstadt.org/programm/stuecke/action/show/stueck/ladykillers.html