Einblicke, die unter die Haut gehen

Bereits zum dritten Mal nach 1999 und 2013 läuft die in Europa für viel Aufsehen erregende ‚Körperwelten‘ Ausstellung in Wien. 200 Exponate, plastiniert und lebensecht, können noch bis Februar 2020 betrachtet werden. Der Fokus der Ausstellung liegt heuer beim Herzen.

Jumping Dancer © Gunther von Hagens’ BODY WORLDS, Institute for Plastination, Heidelberg, Germany, www.bodyworlds.com

 

Für die Wissenschaft

Starre Körper, die doch nicht so starr wirken. Beim schnellen Hinsehen könnte man meinen, dass es sich um lebendige Menschen handelt. Der Schein trügt. Auch wenn die Ausstellungsobjekte von den Körperwelten-Veranstaltern, präsentiert in Halle F der Stadthalle, in unterschiedlichsten Haltungen gezeigt werden – von sportlich bis zu gemütlich gegenübersitzend – sind es schlussendlich nicht mehr als Menschen, die sich der Wissenschaft zur Verfügung gestellt haben. Hinter Glaskästen, und -vitrinen werden nicht nur einzelne Körperteile inklusive der Muskeln und des Gewebes ausgestellt. Auch das menschliche Gehirn wird im Querschnitt präsentiert, sowie Nervenbahnen die ihre Skelette ‚zieren‘.

 

Nervensystem © Gunther von Hagens’ BODY WORLDS, Institute for Plastination, Heidelberg, Germany, www.bodyworlds.com

 

Der Sinn dahinter

All diese chemisch komplex aufbereitenden Präparate geben ein plastisches Verständnis über den Aufbau unserer Systeme und Organe. BesucherInnen sollen durch diese detailreichen Einblicke in die menschliche Physis bekommen. Grundgedanke ist, den eigenen Körper näher kennenzulernen und verstärkt über seinen Lebensstil nachzudenken. Durch den ständigen Stress, dem die Menschheit in der heutigen Zeit ausgesetzt ist, gerät der eigene Körper oftmals in Vergessenheit und rückt in den Hintergrund. Körperwelten greift dieses Problem auf und stellt die Menschen vor vollendete Tatsachen. All die Informationen sollen „vermittelnd passieren, nicht rügend“, sagt Kuratorin Angelina Whalley. Und sollte man vor einem der großen Exponate stehen gilt immer zu bedenken: hier stecken durchschnittlich um die 1500 Arbeitsstunden drin.

Fokus Herz

Das Herz, der Motor des Lebens. Neben bisherigen Schwerpunkten wie dem ‚Zyklus des Lebens‘, ‚Vital – das Potential unseres Körpers‘, oder der ‚Anatomie des Glücks‘, welche sich mit dem Körper als Schaltstelle für Glückshormone befasst, geht es in der Stadthalle um eine, nennen wir es, Herzensangelegenheit. Durch Stress, ungesunder Ernährung und wenig bis keine Bewegung können Funktionsstörungen im Herzen entstehen. Daraus resultierende Blut-, und Kreislaufsystem-Defekte sind mittlerweile die häufigste Todesursache innerhalb unserer Gesellschaft. Diese sind aber vermeidbar, weshalb versucht wird auf diese Zustände mit visueller Genauigkeit hinzuzeigen und präventiv aufzuklären.

Plastiniertes Herz © Gunther von Hagens’ BODY WORLDS, Institute for Plastination, Heidelberg, Germany, www.bodyworlds.com

 

Der Werdegang

Schon 1995 wurden die weltweit ersten Exponate vom Anatomen und Initiator Gunther von Hagens in Japan öffentlich zur Schau gestellt. Eingang in Europa fand die Ausstellung erstmals 1997 in Mannheim, wo sie von November bis Anfang März 1998 zugänglich war. Bereits damals wurden die konservierten Körper nie länger als ein paar Monate an ein und demselben Ort präsentiert – es galt das Prinzip der Wanderausstellung. Seit 2009 leitet die Ausstellung von Hagens‘ Ehefrau Angelina Whalley.

Wien gehörte zu den ersten deutschsprachigen Städten, in denen die Objekte gezeigt wurden. Am 30. April 1999 wurde Premiere gefeiert. Nach vier Monaten zog die Ausstellung weiter und fand erst im März 2013 wieder in Österreichs Bundeshauptstadt statt.

Seit dem 04.10 hat sie nun ihren Weg erneut zurück zu uns gefunden. Ob und wann sie nach Ende Februar 2020 ein weiteres Mal nach Österreich kommt, ist unklar. Es könnte aber eine Weile dauern.


Öffnungszeiten & Eintritt abrufbar unter:

Wien