Geld und Platz sparen durch den Leihladen

Zwei Sachen fehlen Studierenden oft: Geld und Platz in der Wohnung. Um beides zu sparen, gibt es den ersten Wiener Leihladen. Nur 11 Öffi-Minuten von der FH entfernt gibt es 187 Gegenstände gegen eine geringe Tagesgebühr zum Ausleihen.

Jedes Jahr ziehen tausende Studierende zu Semesterbeginn nach Wien und brauchen dafür allerlei Werkzeuge, die den Rest des Jahres im Schrank verstauben. Das frisst nicht nur Geld, sondern nimmt auch unnötigen Platz im eh schon knapp bemessenen WG-Raum weg. Um dieses Problem zu lösen hat eine Gruppe von Studierenden den Leihladen (LeiLa) Wien gegründet.

Der LeiLa funktioniert wie eine „Bibliothek der Dinge“. Gegen eine Gebühr von 1-10 € pro Tag gibt es, neben 62 Werkzeugen, die Auswahl zwischen Kategorien wie „Kameras und Multimedia“, „Elektronische Geräte“, „Musikinstrumente“ oder „Camping- und Outdoorsachen“ und eingem mehr. „Neben Werkzeug wird teures Camping-Equipment, das meistens nur einmal im Jahr genutzt wird und Stauraum in der Wohnung frisst, sehr gerne ausgeborgt“, erzählt Simon Büchler, einer von sieben Teammitgliedern des LeiLa Wien.

Von der Bohrmaschine zum Löwenkostüm

Für Studierende könnte der LeiLa eine Art „Elternersatz“ sein, findet BOKU-Studentin Lena Bauer, die sich vor ihrem Umzug in die StudentInnen-WG viele Dinge von ihrer Mutter ausgeliehen hat und jetzt den LeiLa dafür hat.

Lena nutzt den LeiLa seit einigen Monaten, weil sie umweltbewusst konsumieren will. Als ersten Gegenstand hat sie sich ein Löwenkostüm ausgeliehen, das sie als Deko für ein Krimidinner gebraucht hat. Auf die Nachteile des LeiLa angesprochen meint sie: „Schwierig ist es, wenn man nicht in dem Grätzel wohnt. Da ist es dann vielleicht oft leichter, sich einen Gegenstand billig irgendwo zu kaufen“.

Im Online-Katalog lässt sich  der gewünschte Gegenstand reservieren und anschließend vor Ort abholen. Die Öffnungszeiten (Di. – Fr. 17-20 Uhr und Sa. 10-13 Uhr) sind ArbeiterInnen-freundlich. Anfang des Jahres ist der LeiLa in die Grundsteingasse 20 in den 16. Bezirk übersiedelt – perfekt für Studierende von FHs und Unis in der näheren Umgebung.

Einige Leihobjekte im LeiLa Wien (c)Paul Krehan

Von radikal zu pragmatisch

In der Gründungsphase war die Idee des LeiLa Wien radikaler als heute. Nach dem Motto „alles gehört allen“ wollte man mit dem Projekt einen Schritt weg von Privatbesitz zu kommen. Davon sind sie aber wieder abgekommen. Warum, erklärt Simon Büchler: „Es war leider so, dass sich manche für die Jahresgebühr von 30 € nur einen Gegenstand ausgeliehen haben, während andere ganz viel ausborgten. Das hat sich dann für Erstere nicht wirklich rentiert. Deshalb sind wir zu den Leih-Gebühren umgestiegen“. Die Leute seien es einfach gewohnt, sich kurzfristig für Dinge zu entscheiden und das neue Modell entspreche diesem Bedürfnis besser als das alte.

Hochmotiviert startet das Team vom LeiLa Wien mit dem neuen Laden in eine neue Projekt-Phase (c)LeiLa Wien

Der Wiener Leihladen ist einer von vielen Leihläden auf der ganzen Welt. In Österreich gibt es neben dem LeiLa in Wien auch einen Leihladen in Graz und in Innsbruck. Für alle, die einen Leihladen in ihrer Stadt gründen wollen, hat der LeiLa Wien ein Starterkit zum gratis Download entwickelt. Simons Tipp für alle NeugründerInnen: „Schaut euch den Standort genau an, der ist essentiell für das Gelingen eures Projekts“.

Ökologischen Fußabdruck durch Sharing verringern

„Leihen oder Tauschen statt kaufen“ ist ein Trend, der immer beliebter wird.  Sharing-Modelle, wie zum Beispiel Bike-Sharing, CarSharing, Foodsharing, Kostnix-Läden oder Tausch- und Bücherboxen haben sich in Wien und ganz Österreich längst etabliert. Das Modell Leihladen öffnet eine neue Palette an Dingen, die geteilt werden können.

In Wien sieht man Sharing-Modelle vor allem auf der Straße: Überall sichtbar rollen Sharing-E-Scooter und Carsharing-Autos durch die Stadt. Umwelttechnisch lohnt es sich: Laut einer Studie des deutschen Bundesverband Carsharing ersetzt ein CarSharing-Fahrzeug bis zu 20 private Pkw. Bei einem VW Golf VI (Leergewicht 1.200 kg) entspreche das zwischen 4.800 kg und 12.000 kg eingesparter Ressourcen.

Sharing ist nicht nur ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz, sondern entlastet auch die Geldbörse der NutzerInnen und schafft (z.B. durch weniger Privatautos) Platz in der Stadt – oder eben in der eigenen Wohnung. Das Teilen von Gegenständen ist, im Vergleich mit dem Teilen von Autos oder Rollern, allerdings noch weit vom Mainstream entfernt.

Lesetipp: „Welt retten für Einsteiger. Hrsg. Christian Berg, Manuel J. Hartung“ – Kapitel 26 „Nutzen statt Besitzen“