Welt retten und Geld sparen in FH-Nähe

Nur 11 Öffi-Minuten von der FH entfernt, in der Grundsteingasse 20, kann man sich im 1. Wiener Leihladen über 187 Gegenstände gegen eine geringe Tagesgebühr ausleihen. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbörse.

Wenn zum Beispiel das Werkzeug aus der elterlichen Garage wieder einmal unerreichbar ist, findet man im Leihladen (LeiLa) Wien unter den 62 Werkzeugen im Online-Katalog Allerlei zum Ausborgen. Der LeiLa funktioniert wie eine „Bibliothek der Dinge“. Gegen eine Gebühr von 1-10 € pro Tag gibt es, neben besagtem Werkzeug, die Auswahl zwischen Kategorien wie „Kameras und Multimedia“, „Elektronische Geräte“, „Musikinstrumente“ oder „Camping- und Outdoorsachen“ und eingem mehr.

Im Online-Katalog lässt sich  der gewünschte Gegenstand reservieren und anschließend vor Ort abholen. Die Öffnungszeiten (Di. – Fr. 17-20 Uhr und Sa. 10-13 Uhr) sind ArbeiterInnen-freundlich.

Einige Leihobjekte im LeiLa Wien (c)Paul Krehan

„Leihen oder Tauschen statt kaufen“ ist ein Trend, der immer beliebter wird.  Sharing-Modelle, wie zum Beispiel Bike-Sharing, CarSharing, Foodsharing, Kostnix-Läden oder Tausch- und Bücherboxen haben sich in Wien und ganz Österreich längst etabliert. Das Modell Leihladen öffnet eine neue Palette an Dingen, die geteilt werden können.

Von der Bohrmaschine zum Löwenkostüm
BOKU-Studentin Lena nutzt den LeiLa seit einigen Monaten, weil sie umweltbewusst konsumieren will. Als ersten Gegenstand hat sie sich ein Löwenkostüm ausgeliehen, das sie als Deko für ein Krimidinner gebraucht hat. Auf die Nachteile des LeiLa angesprochen meint sie: „Schwierig ist es, wenn man nicht in dem Grätzel wohnt. Da ist es dann vielleicht oft leichter, sich einen Gegenstand billig irgendwo zu kaufen“.

Für Studierende könnte der LeiLa eine Art „Elternersatz“ sein, findet Lena, die sich vor ihrem Umzug in die StudentInnen-WG viele Dinge von ihrer Mutter ausgeliehen hat und jetzt den LeiLa dafür hat.

Neben Werkzeug wird teures Camping-Equipment, das meistens nur einmal im Jahr genutzt wird und Stauraum in der Wohnung frisst, sehr gerne ausgeborgt, erzählt Simon, einer von sieben Teammitgliedern des LeiLa Wien.

Ökologischen Fußabdruck durch Sharing verringern
Sharingmodelle boomen in Wien, vor allem wenn es ums Fahren geht: Überall sichtbar rollen Sharing-E-Scooter und Carsharing-Autos durch die Stadt. Umwelttechnisch lohnt es sich: Laut einer Studie des deutschen Bundesverband Carsharing ersetzt ein CarSharing-Fahrzeug bis zu 20 private Pkw. Bei einem VW Golf VI (Leergewicht 1.200 kg) entspreche das zwischen 4.800 kg und 12.000 kg eingesparter Ressourcen.

Sharing ist nicht nur ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz, sondern entlastet auch die Geldbörse der NutzerInnen und schafft (z.B. durch weniger Privatautos) Platz in der Stadt – oder eben in der eigenen Wohnung. Das Teilen von Gegenständen ist, im Vergleich mit dem Teilen von Autos oder Rollern, allerdings noch weit vom Mainstream entfernt.

Von radikal zu pragmatisch
In der Gründungsphase war die Idee des LeiLa Wien radikaler als heute. Nach dem Motto „alles gehört allen“ wollte man mit dem Projekt einen Schritt weg von Privatbesitz zu kommen. Deshalb zahlten KundInnen eine Jahresgebühr von ca. 30,- € und konnten sich so viele Gegenstände wie gewünscht ausleihen.

„Es war dann leider so, dass sich manche für die Jahresgebühr nur einen Gegenstand ausgeliehen haben, während andere ganz viel ausborgten. Das hat sich dann für Erstere nicht wirklich rentiert. Deshalb sind wir zu den Leih-Gebühren umgestiegen“, erklärt Simon. Dieses Modell entfernte sich zwar etwas von der Ursprungsidee, hat aber viele praktische Vorteile. Durch die Tages-Leihgebühren bringen die KundInnen die Sachen viel schneller wieder zurück in den Laden und davon profitieren andere KundInnen.

Hochmotiviert startet das Team vom LeiLa Wien mit dem neuen Laden in eine neue Projekt-Phase (c)LeiLa Wien

Auch dem LeiLa Team brachte der Umstieg eine Erleichterung: „Wir müssen den Leuten jetzt nicht mehr nachlaufen, dass sie die Sachen zurückbringen, seit sie für jeden Tag zahlen müssen“, sagt Simon. Außerdem seien die Leute es gewohnt, sich kurzfristig für Dinge zu entscheiden und das neue Modell entspreche diesem Bedürfnis besser als das alte.

Umzug und Neuorientierung
Im LeiLa Wien hat sich seit der Gründung 2013 einiges getan: Der Online-Katalog, mehr Öffnungstage und der Umstieg von der Mitgliedschaft auf Leihgebühren haben dazu geführt, dass nicht nur „ÜberzeugungstäterInnen“ sich angesprochen fühlen. Am alten Standort in der Herbststraße (16. Bezirk) hat sich der LeiLa den Raum mit sehr vielen Projekten geteilt und wurde von außen komplett neutral gehalten. „Die KundInnen kannten sich am alten Standort nicht auf Anhieb aus, was das eigentlich ist und mussten genau wissen, dass sie den LeiLa dort finden“, erzählt Simon. Der KundInnen-Stock war deshalb in der ersten Zeit auf wenige Insider beschränkt.

Die neuen Räumlichkeiten sind offen und modern, sie wirken hell und aufgeräumt. Men sieht gleich von außen, dass es ein Geschäft ist. Dadurch erreicht der LeiLa, laut Simon, mehr Laufkundschaft. Momentan sind die meisten KundInnen Studierende und „gut gebildeten Leute“, durch den Umzug in die Nähe des Brunnenmarkts erhofft sich das LeiLa Team eine neue Zielgruppe zu erreichen.

Der Wiener Leihladen ist einer von vielen Leihläden auf der ganzen Welt. In Österreich gibt es neben dem LeiLa in Wien auch einen Leihladen in Graz und in Innsbruck. Für alle, die einen Leihladen in ihrer Stadt gründen wollen, hat der LeiLa Wien ein Starterkit zum gratis Download entwickelt. Simons Tipp für alle NeugründerInnen: „Schaut euch den Standort genau an, der ist essentiell für das Gelingen eures Projekts“.

 

Lesetipp: „Welt retten für Einsteiger. Hrsg. Christian Berg, Manuel J. Hartung“ – Kapitel 26 „Nutzen statt Besitzen“