„ANGESICHTS DES TOTEN PATRIARCHATS“: DAS IST DIE VAGINALE 2019

Gestern eröffnete die 2. Wiener Vaginale, ein Festival für feministische Kunst. Sechs Tage lang bieten internationale KünstlerInnen Ausstellungen, Diskussionen und Parties unter einem kuratorischen Konzept, das alles andere als gewöhnlich ist.

Das feministische Kunstfestival „Vaginale“ feierte gestern Abend seinen Auftakt mit einer Vernissage in der Wiener Haidgasse 7a. 31 zeitgenössische KünstlerInnen aus dem In- und Ausland werden an den kommenden Abenden bis Freitag (11.10.) ihre Arbeiten präsentieren. Auf dem Programm stehen Diskussionen, Performances, Ausstellungen, Parties und Filmscreenings. Zusätzlich zum normalen Programm wird es am 18.10. auch ein Cinema Secial im Schikaneder geben. Erstmals wurden KünstlerInnen und KuratorInnen dazu eingeladen, sich mit ihren Werken aktiv in das künstlerische Projekt einzubringen. Schriftsteller und Festivaldirektor Branko Andric bietet dafür einen kuratorischen Rahmen, in dem Chaos ausdrücklich erwünscht ist und der feministische Diskurs vorangetrieben werden soll.

Eindrücke von der Vernissage am Samstag © Eva Rottensteiner

Kunstwort „Vaginale“

Die diesjährige baut auf die erste Vaginale „The patriarchy is dead“ von 2018 auf. Aber wie kommt es, dass ein Mann ein feministisches Kunstfestival organisiert? Andric schmunzelt bei der Frage und meint: „Naja, ich hatte eben die Idee. Ich bin auch als Dichter tätig und während einem Symposium ist mir das Wort ‚Vaginale‘ eingefallen. Es ist im Grunde ein Kunstwort, eine Dichte“.

Außerdem habe es in Wien bis dato kein feministisches Festival gegeben und er hätte sich schon in vorigen Kunstprojekten mit Feminismus befasst. Andric versteht das Festival als Forschungsprojekt, die Organisation ist eher intuitiv und prozessorientiert und er selbst als Lernender mittendrin. Groß geworden ist das Festival über Facebook, wo der Kunstbegriff „Vaginale“ einen Nerv zu treffen schien. „Hier bin ich auch im Dialog mit dem Publikum, das macht unser Festival aus“, sagt Andric. Das Festival möchte der Feminismus und seine Programmpunkte künstlerisch fördern. Auf die Dauer gesehen soll die Vaginale ein internationales Archiv für zeitgenössische, feministische Kunst werden.

Die Vulva als wiederkehrendes Element auf der Vaginale © Eva Rottensteiner

Chaos als kuratorisches Gestaltungselement

Die Vaginale hat ein kuratorisch eher ungewöhnliches Konzept, das Chaos preist und sich dem sonst durch Ordnung beherrschten Ausstellungswesen widersetzt. Chaos soll als Gestaltungselement im künstlerischen Arbeiten etabliert werden und von seinem negativen Beigeschmack losgelöst werden. Wenn es eine göttliche Leitfigur gibt, die dem Patriarchat widerstrebt, dann müsse es Chaos sein, erklärt Andric sein Konzept. Auch die Vaginale ist wie das Chaos aus dem Nichts entstanden und lässt „mehr chaotisch als kuratorisch“ KünstlerInnen und KuratorInnen aufeinandertreffen. Der Feminismus kritisiert die bestehende Ordnung und arbeitet an einer neuen. Die Herstellung von Chaos soll eine Antwort auf die patriarchale Ordnung sein.

Highlights des Programmes 2019

Definitiv nicht verpassen sollte man die Filmprojektionen im Schikaneder am 18.10. Dort werden Kurzfilme von Elin Halvorsen (experimentelle Arbeit ‚Rausch‘), Moreno Perna (Videodokumentation über ‚androgyne Sexbombe‘) und Berenice Pahl (über Weiß-sein und Privilegien als Aspekt im feministischen Diskurs) gezeigt und in deren Anschluss wird sich der Direktor persönlich ans DJ-Pult stellen. Abgerundet wird das ganze mit einer Performance zum Thema ‚Mutterschaft und kulturelles Erbe‘ von Anja Filatova und Alina Avsharova und der Festivalparty in der Schikaneder Bar.

Geheimtipp vom Kurator Andric höchstpersönlich: der Donnerstag Abend in der Festivalzentrale Haidgasse 7a. Dort stellt nämlich unter anderen die Künstlerin Ania Shestakova aus Moskau aus. (Veröffentlicht am 06.10.2019)

Hier geht’s zum Programm im Detail!

Zu den Facebook Events gelangt man hier