Selfie-Museum: Noch mehr Content zur Selbstdarstellung

Premiere in Wien: Mit dem nofilter_museum hat am 4. Oktober ein Selfie-Paradies eröffnet. Das bietet weitere Möglichkeiten zur kritisierten Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken.

Der Kampf um Likes hat ein neues Schlachtfeld bekommen. Das „erste Made for Instagram Pop-Up Museum“ Wiens (siehe Homepage) lockt Selfie-Jäger in den ersten Bezirk. Wie wärs mit einem Foto im bunten Bällebad inklusive aufblasbarem Flamingo? Oder mit einem Foto mit zwei riesigen Teddybären vor einer Herzerl-Tapete? Auf drei Stockwerken stehen insgesamt 24 Kulissen zur Verfügung. Um sich „individuell in Szene zu setzen“ und um „digitalen Content zu kreieren“, sagen die Gründer Nils Peper (29) und Petra Scharinger (25).

Content, den potenziell jeder zweite Österreicher gebrauchen kann. So viele nutzen laut Statista, einem deutsches Online-Portal für Statistik, regelmäßig soziale Netzwerke.

Zwei Besucher genießen ein Bällebad im nofilter_museum. © Philipp Lipiarski

Instagram schadet der Psyche

3,8 Millionen Österreicher sind Facebook-, 2,3 Millionen Instagram-Nutzer. Das birgt Risiken für sie alle. Vor allem ihre geistige Gesundheit ist in Gefahr. „Social Media machen süchtiger als Zigaretten und Alkohol“, meint die Vorstandsvorsitzende der Royal Society for Public Health, Shirley Cramber. 2017 erhob sie in Zusammenarbeit mit der Young Health Movement Organisation die #StatusOfMind-Studie in Großbritannien. Bei 14 bis 24-Jährigen ist die Social-Media-Nutzung demnach schon so verankert, „dass es unausweichlich ist, nicht über die Auswirkungen auf die Psyche zu sprechen“.

Narzissten auf dem Vormarsch

Von einer „Generation Narzissmus“ spricht die Marketing-Agentur Syzygy in ihrer 2017 erschienenen EgoTech-Studie, wenn es um die zwischen 1981 und 1998 geborenen Deutschen geht. Ihr zufolge ist die Selbstinszenierung in den sozialen Medien für die Millennials lebenswichtig. Im Vergleich mit ihren Eltern sind sie um 13 Prozent selbstverliebter.

Interessierten bleiben noch sechs Monate für einen Besuch. © Philipp Lipiarski

Das nofilter_museum trifft nun beim Wiener Publikum einen Nerv. „Die Besucherzahlen liegen weit über dem, was wir erwartet haben“, freut sich Peper. Die Schattenseiten von Social Media sind dem BWL-Absolventen dabei bewusst: „Dass junge Leute nur mehr aufs Handy schauen, sehe ich kritisch. Ihre social bubble drängt sie dazu, nur noch bestimmten Content zu sehen.“ Nachsatz: „Bei uns geht es aber in erster Linie um die Freude am realem Erlebnis, nicht um das Leben in einer virtuellen Welt. Der Spaß, Fotos zu machen steht im Vordergrund.“

Und immerhin begeben sich Selfie-Begeisterte hier nicht in körperliche Gefahr. Anders als rund einen Monat zuvor der sogenannte U-Bahn-Surfer. Crazy Banana, ein junger Wiener, sprang vom Dach eines fahrenden U2-Zugs von der Donaustadtbrücke in die Donau. Sein waghalsiges Unterfangen dokumentierte er mit dem Handy und stellte es auf seine Instagram-Seite.

Wer sich selbst ein Bild vom nofilter_museum machen will, hat dafür noch sechs Monate Zeit. Danach hoffen die Betreiber, international Fuß fassen zu können.

Öffnungszeiten (bis April 2020)
Montag – Sonntag: 10:00 – 22:00 Uhr, Dienstag geschlossen.

Preise (für 90-Minuten-Aufenthalt)
Early Bird Tickets bis inkl. 24. Oktober: 15 €
Reguläre Tickets ab 25. Oktober: 25 € (Mo. – Fr.), 29 € (Sa. & So.)