Woman Day: Konsum trotz Kritik

Der „Woman Day“ sorgt mit Rabattaktionen jährlich für überfüllte Geschäfte. Trotz kritischen Stimmen erfreut sich das Shoppingevent an hohen Besucherzahlen. Am 3. Oktober gingen zahlreiche ÖsterreicherInnen wieder auf Schnäppchenjagd.

An zwei Tagen im Jahr sind die Einkaufsstraßen und Shoppingcenter der Hauptstadt besonders belebt. Der Woman Day lockt seit nunmehr 15 Jahren Schnäppchenjäger aus allen Ecken des Landes nach Wien. Die wachsende Kritik an unserer Konsumgesellschaft wirkt sich nicht auf das Shoppingevent aus: Laut Handelsverband besuchen 3 von 4 Frauen den „Woman Day“.

Rabatte im Überfluss

Handelte es sich anfangs noch um eine kleine, überschaubare Veranstaltung, entwickelte sich der „Woman Day“ über die Jahre zu einem Großevent. 58 Partner wirkten am 3. Oktober mit. Neben unabhängigen Händlern nehmen auch Geschäfte von drei Shoppingcentern in Wien teil. Zu den Partnern zählen vorwiegend Unternehmen aus dem Modehandel sowie Drogerien und Parfümerien. Die Rabatte reichen je nach Geschäft von minus 10 bis minus 30 Prozent. Im Jahr 2004 fand der „Woman Day“ zum ersten Mal statt. Gegründet wurde er vom österreichischen Frauenmagazin „Woman“. Während sich das Shoppingevent damals noch an einem Tag im Jahr ereignete, wird es seit 2007 zweimal jährlich abgehalten. Der Erfolg spricht Bände: Nur 3 von 10 Frauen haben noch nie vom Woman Day gehört, so der Handelsverband.

Shoppingcenter sind dank hoher Besucherzahlen wesentliche Partner des „Woman Day“. © Andreas Lischka/Pixabay

Persönlicher Kaufrausch 

Obwohl es der Name des Shoppingevents nicht vermuten lässt, gelten die Angebote am „Woman Day“ ebenso für Männer. In der Shopping City Süd in Niederösterreich bummelten hauptsächlich Frauen von Laden zu Laden, das Einkaufscenter ist ein wichtiger Partner des Events, der außerhalb von Wien liegt. Im Jahr 2016 betrug die Besucherzahl der Shopping City über 20 Millionen. Unter die Besucher mischt sich am 3. Oktober auch Daniela, die sich den „Woman Day“ seit seiner Gründung nicht entgehen lässt. Als Hauptgrund nennt die 52-Jährige die Ersparnisse beim Einkaufen. Sie kauft Kleidungsartikel und Schuhe zu einem günstigeren Preis, sowohl für sich selbst als auch für ihre Kinder. „Das ist mein persönlicher Tag, an dem ich mir Urlaub nehme.“, erzählt Daniela. Den Rest des Jahres geht die dreifache Mutter selten einkaufen. Der Wegwerfgesellschaft steuert sie entgegen, indem sie alte Artikel verschenkt oder spendet. „Es kommt mir vor, als wären es im Laufe der 15 Jahre immer mehr Schnäppchenjäger geworden.“, behauptet Daniela.

Häufig wechselnde Kollektionen und Massenproduktionen sorgen oftmals für schlechte Arbeitsstandards bei den Herstellern. © Markus Spiske/Pixabay

Fast Fashion bleibt

Vor allem im Textilhandel werden Kollektionen laufend geändert, es wird überwiegend Massenware produziert. Die durchgehende Veränderung des Sortiments schadet der Umwelt und sorgt für unmenschliche Arbeitsbedingungen bei den Herstellern. Aus diesen Gründen wenden immer mehr Österreicher und Österreicherinnen der „Fast Fashion“ den Rücken zu. So auch David, der den „Woman Day“ im vergangenen Jahr noch besuchte. Der 27-jährige Unternehmer kann zwar den wirtschaftlichen Aspekt der Unternehmen verstehen, sieht im Shoppingevent aber ein grundlegendes Problem in der Gesellschaft: „Niemand braucht zehn Jacken. Die Menschen müssen ein gesünderes Bewusstsein für das Einkaufen entwickeln.“ Wer einen Artikel nicht wirklich benötigt, sollte ihn auch nicht kaufen, meint David. Der volle Kleiderschrank hindert die überwiegende Mehrheit allerdings nicht daran, am „Woman Day“ teilzunehmen. Auch im kommenden Jahr werden große und kleine Geschäfte wieder von umsatzstarken Tagen profitieren.