Menschenmassen

Schaurig-schön: Das Geschäft mit Halloween

Halloween beschert der Wiener Wirtschaft jährlich ein Umsatz-Plus. Für heuer werden zusätzliche Einnahmen in Höhe von zwölf Millionen Euro erwartet. Der durchschnittliche Österreicher gibt 21 Euro für Süßigkeiten, Dekoartikel und Co aus. Damit liegen die Ausgaben pro Kopf nur knapp unter denen in den USA, dem Ursprungsland von Halloween. Besonders profitieren der Lebensmittelhandel, Spielwaren- und Drogeriegeschäfte sowie die Gastronomie.
Insbesondere Kostümgeschäfte machen rund um Halloween einen beträchtlichen Teil ihres Jahresumsatzes und sind somit die großen Gewinner der wachsenden Begeisterung für Halloween. In Wien gibt es mehr als zehn Kostümgeschäfte, die meisten von ihnen sind mit zusätzlichem Personal und Extraschichten gewappnet für den starken Kundenandrang. Eines von ihnen ist der Faschingsprinz auf der Wiener Taborstraße im zweiten Bezirk. Eilig darf man es dort nicht haben, wenn man am 31. Oktober noch ein Halloween-Kostüm ergattern will. Geduldig wartende KundInnen schlängeln sich einmal quer durch das ganze Geschäft und lassen dann durchschnittlich 50 bis 100 Euro für ein Kostüm liegen.

Bis zu einer Stunde Wartezeit an der Kasse 

Das Geschäft ist so voll, dass man sich kaum umdrehen kann, ohne eine Zombie-Maske, blutende Plastikfinger oder Netzstrumpfhosen von ihren Ständern zu schmeißen. Es gibt für jeden etwas, man muss es nur finden. Zwischen den High-Heels und Perücken hetzt Verkäuferin Vanessa von einer Kundin zur nächsten. Das 6-köpfige Team hat heute alle Hände voll zu tun. Auf die Frage hin, wie man es schafft, bei solch einem Andrang noch freundlich zu den Kunden zu bleiben, antwortet die Verkleidungs-Expertin: „Ich bin einfach von Natur aus so. Ich arbeite seit drei Jahren hier, da ist man das Chaos an Halloween schon gewohnt.“

300 bis 400 Personen kaufen laut der Verkäuferin noch am letzten Drücker ein Halloween-Kostüm. „Die meisten Kunden sind Last-Minute-Shopper. Viele haben online was bestellt, das dann nicht rechtzeitig da war oder nicht gepasst hat.“ Um Fasching herum verteile sich der Andrang besser, am 31. Oktober sei immer die Hölle los. Tendenz steigend.

Superhelden und schaurige Filmfiguren bescheren Umsatzsteigerung

Auch Veronica ist noch in der letzten Minute auf der Suche nach einem passenden Outfit. Die Studentin, die ursprünglich aus Italien kommt, feiert in der Nacht von heute auf morgen ihren 24. Geburtstag und möchte als Superheldin in das neue Lebensjahr tanzen. „Ich kümmere mich erst jetzt um ein Kostüm, weil ich bis vor Kurzem noch nicht wusste, wie ich meinen Geburtstag verbringen werde.“ 

Superwoman
Veronica gibt 65 Euro für ihr Wonderwoman-Kostüm aus

Neben Superhelden seien die Clowns aus den neu erschienen Filmen Joker und ES sehr beliebt. Sie sind eine Mischung aus Grusel- und Filmfigur und damit ein perfektes Halloween-Kostüm. Der durchschnittliche Wiener gibt laut Wirtschaftskammer 21 Euro für Halloween aus, damit werden in der Hauptstadt rund 12 Millionen Euro Umsatz gemacht. Zum Vergleich: 2007 seien es lediglich 5,5 Millionen gewesen.

Lena und Katy haben heute 88 Euro ausgegeben, um ihr Partnerkostüm zu komplettieren. Die beiden 17-Jährigen sind extra aus dem Burgenland angereist, um in Wien für ihr Outfit einzukaufen und am Abend hier fortzugehen. „Halloween ist schon ein Highlight für uns. Wir kaufen uns jedes Jahr aufeinander abgestimmte Kostüme. Heuer gehen wir als Engerl und Teuferl.“ Die lange Schlange stört die beiden nicht.

Katy und Lena kommen extra aus Neusiedl nach Wien

Doch nicht alle sehen das lange Anstellen so entspannt: Die 19-jährige Hannah  ärgert sich, heute in der langen Schlange gelandet zu sein. „Ich brauche Requisiten für ein Theaterstück. Hätte ich daran gedacht, dass heute Halloween ist, wäre ich nicht hergekommen.“ Es gibt also auch Leute, die abseits von Halloween und Fasching in Kostümgeschäften einkaufen. Ein beträchtlicher Teil des Umsatzes wird trotzdem rund um diese beiden Tage gemacht. Für die Wirtschaft ist Halloween in jedem Fall eine Erfolgsstory.

 

Tipp:

Wer für heute Abend noch ein Kostüm braucht, hat beim Faschinsgprinzen dank verlängerter Öffnungszeiten noch bis 20 Uhr dafür Zeit.

Auch der Partyshop im ersten Bezirk hat heute ausnahmsweise noch bis 19 Uhr geöffnet.