Ein Festival im Zeichen der Menschenrechte – This Human World 2019

Bereits zum 12. Mal findet diesjährig das „This Human World“ Filmfestival statt. Im Gegensatz zu anderen Filmfestival steht jedoch nicht der Unterhaltungsfaktor, sondern die Menschenrechte im Vordergrund. Das komplette Programm wird am 8. November veröffentlicht.

Vor rund 71 Jahren – am 10. Dezember 1948 – wurde die Allgemeine Deklaration der Menschenrechte im Zuge der Generalversammlung der Vereinten Nationen verkündet. Was Menschenrechte sind und wie unterschiedlich die Situation der Menschenrechtsstandards und Menschenrechtsverletzungen weltweit ist, zeigt auch heuer wieder das This Human World Filmfestival.

Zwischen dem 28. November und dem 10. Dezember werden in vier Wiener Kinos, der Brunnenpassage und dem Kunst- und Kulturraum der Caritas Wien eine Brandbreite an rund 90 Dokumentar-, Animations- und Spielfilme im Kontext der Menschenrechte gezeigt. Das Rahmenprogramm der 13 Festivaltage unterscheidet sich jedoch von anderen Filmfestivals: Denn dieses richtet sich nicht nur an FilmliebhaberInnen.  Auch dieses Jahr wurden die VeranstalterInnen nicht müde FilmemacherInnen und ExpertInnen aus aller Welt für Workshops, Masterclasses und Diskussionen nach Wien zu bringen – und  somit alle anzusprechen. Das detaillierte Festivalprogramm wird am 8. November veröffentlicht.

Die teilnehmenden Kinos sind das Schikaneder, Top Kino, Gartenbaukino, Stadtkino sowie die Brunnenpassage und der Stand 129 (Caritas). Das komplette Programm wird am 8. November veröffentlicht. Ein kleiner Programmausblick folgt weiter unten im Beitrag. Bild: This Human World.

Fokus: Menschenrechte sind Frauenrechte

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“. Bei den Gründungsworten der Menschenrechtsdeklaration wird oftmals vergessen, dass sich Menschenrechte nicht nur auf den Bereich subjektiver Rechte – tun, dulden, unterlassen – beziehen. Sie  umfassen auch umweltpolitische Bereiche, die berufliche und geistige Freiheit oder die rechtliche Situation von Frauen.

Die UN-Erklärung zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen wurde im Dezember 1993 in Wien verabschiedet. Auch wenn sich dieses Jahr das Frauenwahlrecht in Österreich zum 101. Mal jährt, finden geschlechterspezifische Menschenrechtsverletzungen in Österreich nach wie vor Platz: die Diskriminierung und Gewalt an Frauen. Laut Zählungen der Frauenhäuser wurden in Österreich 2014 19 Femizide – der Mord an Frauen – verübt. 2018 waren es 41, also mehr als doppelt so viele. Insgesamt kam es zu 13.670 Gewaltdelikten gegen Frauen. Mit dem Mord an einer Frau und ihren zwei Kleinkindern im Bezirk Baden Ende Oktober stieg die Zahl der diesjährigen Femizide auf 19. Ein Thema, mit dem sich auch This Human World beschäftigt.

Einfühlsam erzählt der Film „Lovemobil“ die, oftmals gewaltvollen, Geschichten und Wege von Frauen aus Osteuropa und Afrika. Mit der Hoffnung auf ein besseres Leben kommen sie nach Europa. Die Realität wiederspricht diesem Wunsch oft und zwingt sie in die Prostitution. Am lebhaften Bild erleuchteter Wohnmobile am Autobahnrand des ländlichen Niedersachsens, zeigt die Regisseurin Elke Margarete Lehrenhaus den Mord an einer dieser Frauen. Durch den Dokumentarfilm wird die Gefahr, der sich Prosituierte Nacht für Nacht aussetzen, sichtbar gemacht.

Ein weiterer Film, der auf gesellschaftskritische Weise die Situation von Frauen beleuchtet ist „Overseas“. Thematisiert werden die oftmals prekären Arbeits- und Lebensverhältnisse, in welchen sich viele Frauen weltweit und tagtäglich wieder finden. Der 90-Minütige Film zeigt wie Frauen in so genannten „Ausbildungsstätten“ auf den Philippinen  auf ihr Leben als künftige Hausangestellte vorbereitet werden.  Durch mitreißende Bilder, aber dennoch einfühlsam gibt die Regisseurin  Yoon Suang-a einen Ausblick auf die Pflichten der jungen Frauen gegenüber ihren Arbeitgebern als auch auf Heimweh sowie eventuellen Missbrauch, dem sie wahrscheinlich ausgesetzt sein werden.

Das Recht auf Frieden?

Neben den Frauenrechten werden im Zuge des Festivals auch andere Facetten der Menschenrechte beleuchtet. Der Film „For Sama“ erzählt die ganz persönliche Geschichte der, in Aleppo lebenden, Waad- al Kaleb und ihrer kleinen Familie. Mit der Stilistik eines filmischen Briefes an ihre kleine Tochter Sama, zeigt die junge Frau ihren Alltag zwischen Bombenanschlägen und Überlebensangst in einer zerstörten Stadt.

Nicht nur Filme…

Über das Filmangebot hinaus gibt es auch heuer wieder spezielle Schulvorstellungen sowie jugendrelevante Filme, die eine altersgerechte Auseinandersetzung mit Menschenrechten und gesellschaftsrelevanten Themen wie Migration und Klimawandel behandeln. Das Recht auf das Leben auf einem gesunden Planten, thematisiert die erfolgreich etablierte Jugendschiene des Festivals „THE FUTURE IS OURS TO SEE“. Der Kurzfilmwettbewerb läuft diesjährig unter dem Motto „Stand up for our planet“. Dabei sollen Jugendliche und SchülerInnen in Zusammenarbeit mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen ( UNHCR), dem United Nations Information Service (UNIS) und der Stadt Wien rund um die Thematik der Menschenrechte sensibilisiert werden. Dieses Jahr wurde der Fokus auf Umwelt & Klima gelenkt. Die Preisverleihung findet am 3.Dezmeber um 10.00 Uhr im Wiener Gartenbaukino statt.

Weitere Besonderheiten des This Human World sind auch dieses Jahr wieder, die zahlreichen Möglichkeiten der Interaktivität des Publikums. Gemeinsam mit der HLTW Bergheidengasse findet Österreichs größtes Schulscreening statt. Während die SchülerInnen die wesentliche Organisation und den Ablauf des Events koordinieren, wird das finnische Jugenddrama „Stupid Young Heart“ gezeigt. Der Film von Selma Vilhunen zeigt die Geschichte des jungen Protagonistenpaares und greift die Themen Jugendschwangerschaft und gesellschaftliche Gegensätze auf.

Das THIS HUMAN WORLD Filmfestival:

Bild: This Human World.

Wann: 28.11. – 10.12.2019
Wo: verschiedenen Locations ins Wien
Was: Das komplette Festivalprogramm findest du ab 8.11. hier.